Review: Fuji XT20

02 XT20Keine anderthalb Jahre ist es her, dass meine Begeisterung für das Fuji X System geweckt wurde. Nach nur einigen Tagen zur Probe entpuppte sich dieser damals noch mehr als Underdog geltende Kamerahersteller als ernsthafte Alternative insbesondere zu den beiden etablierten Firmen mit C und N im Namen. Was mich damals von Beginn an zu begeistern wusste, ist auch heute noch aktuell: Tolle Haptik im Retro Design trifft auf hochwertige Technik und außergewöhnlich hochwertige Objektive. Die Bildergebnisse der mit X Trans – APS-C Sensoren ausgestatteten Modelle hält bei den gehobenen Modellen mit teureren digitalen Kleinbildkameras mit. In Kombination mit Fuji`s XF Objektiven wird am neuen X Trans III eine Auflösung von bis zu 2200 Linienpaaren erreicht und selbst im High ISO Bereich fällt diese Kantenschärfe nur geringfügig ab bei einem unfassbar guten Rauschverhalten. Aber kein Laborgeschwätz an dieser Stelle, am Ende entscheidet das sichtbare Bildergebnis.

Im letzten Jahr sorgten bereits die X Pro II (im Messsucherkamera- Stil) und insbesondere die XT2 für Furore und wirbelten den Kameramarkt ordentlich durcheinander. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen wie viele Leute mich fragten ob der Umstieg lohne (was immer man darauf antworten soll) aber ich glaube behaupten zu können, dass Fuji den Underdog Status verlassen hat. Und trotz rasant wachsender Verkaufszahlen bleibt Fuji seiner Linie treu – neuere Modelle erhalten echte Verbesserungen und bezeugen, dass Fuji auf die Kritik und Wünsche seiner Kundschaft eingeht. Ein Marketing das auf Kundenzufriedenheit setzt, wird Kunden längerfristig binden. Klasse statt Masse scheint also nicht vom Tisch zu sein.
Nun die Königsfrage – warum „nur“ die XT20 statt der XT2? Ganz einfach, die XT1 nutze ich erst seit knapp 1,5 Jahren und trotz aller Neuerungen und Verbesserungen gab es für mich keinen Grund, dieses hervorragende Modell sofort wieder abzustoßen. Der Preis ist zum Vorgänger in der Neuanschaffung noch einmal etwas gestiegen. Dafür die XT-1 im Preis nun abgerutscht und ist somit noch immer eine Alternative zum Nachfolger – wenn man nicht auf die Neuerungen angewiesen ist.
Zwischen der XT-1 und der XT10 gab es größere Unterschiede als es heute zwischen der XT2 und XT20 der Fall ist. Entscheidend für mich sind der identische Sensor (X Trans III) und die nahezu identische Autofokusleistung. Dies macht die XT20 für mich zum perfekten Backup.

Die XT20

Optisch ist sie vom Vorgängermodell eigentlich kaum zu unterscheiden. Wesentliche Neuerungen gibt es am Body nicht – den Schalter zur Vollautomatik kann man erwähnen – dies zeigt, dass Fuji diese Kamera sowohl an Einsteiger als auch Kenner adressiert. Sie stellt das Bindeglied zwischen kleiner Modellen und der Königsklasse XPro2 und XT2 dar. Allerdings offeriert sie alle technischen Möglichkeiten, die man als passionierter Fotograf benötigt. Sie ist im Gegensatz zu den großen Schwestern nicht abgedichtet aber hier sollte sich jeder vor Kauf fragen, ob seine fotografischen Ausflüge das notwendig machen. Einen zweiten Kartenslot findet man auch nicht und es wird auch keinen Power Gripp geben, welcher die XT2 in höhere Sphären der Fotografie hebt – Seriengeschwindigkeit, EVF Leistung, AF Geschwindigkeit. Bei meinen ersten Tests bzgl. Fokussiergeschwindigkeit kann ich nur bestätigen, was erste Tests bereits betonten – die XT20 stellt auch so unglaublich schnell scharf. Ich hatte in Kombination mit dem XF 23mm 1.4 im schummrigen Raum kreuz und quer geknipst und der AF saß immer, schnell und treffsicher.
Der neue Sensor löst nun mit 24 MP auf und legt somit um 50 Prozent Auflösung zu. Mir genügen auch nach wie vor die 16 MP an der XT1 aber man kann nur spekulieren ob Fuji freiwillig auf 24MP upgedatet hat oder verfreiwilligt wurde durch Sony. Die hatten ja den Bau des 16 MP X Trans II aufgekündigt was unter anderem das vorzeitige Aus für die Edelkompakte X70 bedeutete, die vielleicht gerade mal ein knappes Jahr am Markt war.
Die ersten Bildergebnisse sprechen eine deutliche Sprache – gestochen scharf, Fuji-typische natürliche Farben und bis ISO6400 ist Bildrauschen überhaupt kein Thema. Trotz höherer Auflösung kann der XTrans III Sensor mit noch besserem Rauschverhalten glänzen als dessen Vorgänger in meiner XT1 und das war bereits sehr gut. Ich würde sagen, dass ISO6400 des X Trans III etwa ISO3200 am X Trans II entspricht. Das ist Höchstleistung. Wichtig für Leute, die schnelle Auslösezeiten auch bei schlechtem Licht benötigen. Auch ISO12800 bringt noch brauchbare Ergebnisse aber ich bin diesbezüglich konservativ, in aller Regel ist für mich bei ISO 1600 in der Praxis Schluss, weil ich mehr nicht benötige – dann doch lieber eine 1.4 Lichtstärke wie das 16mm oder 23mm wenn es um Low Light, Polarlichter oder die Milchstraße geht. Nichtsdestotrotz eine mehr als nur beachtliche Leistung, was ein Sensor in dieser Größe kann.

Die für mich wichtigste Neuerung des Sensors besteht in der Anzahl Autofokuspunkte. Fuji hat diese Zahl auf 91 erhöht, welche etwa 60 % des Messfeldes ausmachen und auf Kontrasterkennung basieren. Hinzuschalten lassen sich 234 Fokuspunkte, die auf Phasenerkennung setzen und das Messfeld (ergo Bild) um noch einmal ca. 40 % (also Bildes) erweitern. Die Phasenerkennung ist langsamer als die Kontrastmessung aber im Ganzen wird die AF Leistung unglaublich gesteigert – sowohl in Treffgenauigkeit und Geschwindigkeit.

In Summe sind es also 325 Fokuspunkte.

Dies macht die XT20 in Kombination mit lichtstarken XF Objektiven zu einem sehr zuverlässigen Werkzeug für alle denkbaren Lichtbedingungen. Die XT2 ist noch weiter optimiert aber für meine Ansprüche leistet die XT20 mehr als ausreichend. Wie auch bei den Vorgängern kann man an XT20 nebst Komplettmessung selektiv Fokuspunkte setzen oder Fokuspunkte bündeln. Im Gegensatz zur XT-2 besitzt die XT20 keinen Mini Joystick sondern das altbewährte Steuerkreuz, was mich persönlich aber schon an der XT-1 nicht störte.
Die XT20 besitzt einen Blitzfuss wie auch einen kleinen Aufklappblitz, dessen Leistung dürfte allerdings nicht erwähnenswert sein. Soweit ich weiß waren die Blitzeigenschaften und Möglichkeiten an der XT10 und XT1 bescheiden, hier hat Fuji nach eigenen Angaben aber ordentlich nachgerüstet.

Der „Wehmutstropfen“ – nach aller Lobdudelei nun ein kleines Manko, das ich aber bewusst in Kauf genommen habe: Der elektronische Sucher. Wer die XT1 oder XT2 kennt, wird dieses große Fenster lieben. 100 % Bildabdeckung bietet auch die XT20 aber nur mit 0,62facher Vergrößerung – das wirkt im Vergleich zu den großen Schwestern etwas klein. Es ist eher eine Frage der Gewöhnung aber gerade Leute die von ihren DSLRs große Sucher kennen, dürften damit ein Problem haben und müssten zwangsläufig auf die größeren Modelle ausweichen. An sich aber ist auch dieser Sucher scharf, kein Flimmern und Stocken auch bei schnellen Kameraschwenks. Die XT2 bietet hier noch deutliche bessere Leistung insbesondere mit dem Power Gripp aber die XT20 muss sich diesbezüglich nicht verstecken.

Die XT20 bietet eine Belichtungskorrektur von +/- 3 Stufen wie die XT10 – das Novum ist, dass man auf +/- 5 Stufen zurückgreifen kann, wenn man das Drehrad rechts auf „C“ stellt und mit dem Wählrad auf der Frontseite der Kamera arbeitet. 5 Stufen ist ordentlich und sollte den meisten Ansprüchen genügen. Der Dynamikumfang der X Trans Sensoren ist bekanntlich recht hoch und lässt sich auch an der XT20 über ISO400 auf 200% und abISO800 auf 400% steigern. Ich empfehle zwar den Boost auf 200% zu reduzieren aber bei extremen Licht-Schattenkontrasten kann man auch mit geringstem Mehrrauschen hier ordentlich Bildinformationen retten. Die Korrektur von Spitzlichtern und Schatten gehört zu den großen Stärken der Fuji RAWs – eine solche Dynamik kenne ich nur von Sony`s ILCE-7 Reihe : Tiefen rauschfrei aufhellen wie auch Zeichnung aus überbelichteten Passagen wiederherstellen.
Haptisch ist an der XT20 alles etwas kleiner als an der großen Schwester. Allerdings empfinde ich keinen Schalter, kein Drehrad oder Fn Taste zu klein oder unhandlich. Einerseits lassen sich die meisten Felder individualisieren, andererseits kann ich bei einem Body dieser Größe keine überdimensionierten Bedienteile anbringen.
Obendrein kann man das in Teilen neu gestaltete Menü der XT20 personalisieren und einen eigenen Ordner anlegen wo die wichtigsten Funktionen je nach Bedarf abgespeichert werden können. Kompliziertes Wühlen durch endlose Menüpunkte entfällt – auch wenn man sagen muss, dass Fuji eigentlich immer ein für mich logisches Konzept verfolgte – im Vergleich zum beispielsweise unsäglichen Gefunzel im ILCE-7 Menü. Alle essentiellen Einstellungen liegen auf den Drehrädern, am Steuerkreuz und den Fn Tasten. Auto ISO Bereiche lassen sich ebenso festlegen, wenn man in wechselnden Bedingungen der Kamera die passende ISO wegen zB benötigter Belichtungszeit überlassen möchte. Neu ist die Möglichkeit RAW Dateien komprimiert oder unkomprimiert abzuspeichern. Die eingeschränkte 4K Videofunktion übergehe ich an dieser Stelle. Meinetwegen könnte Fuji diese Möglichkeit komplett außen vor lassen. Für mich ist es eine reine Fotokamera und Fuji legt unübersehbar auch den Schwerpunkt darauf. Daher sind Kritiken bzgl. der „dürftigen Videofunktionen“ unnütz, weil sich niemand eine solche Kamera kauft, wenn er mehr als 10min Spaß im Urlaub filmen möchte.

Was heißt das alles:

Mit der XT20 hat Fuji nun das nächste Juwel ins Rennen geschickt. Lohnt der Umstieg von der XT-10? Ja. Tut sie trotz ca. 200 Euro mehr als der Vorgänger bei dessen Neuerscheinung kostete. Ist sie eine abgespeckte XT2? Jain. Das liegt ganz in den Ansprüchen und Aufgaben, welche man mit der Kamera angehen möchte. Die große Preisdifferenz zwischen XT20 und XT2 Body will gut durchdacht sein. Beide Kameras sind ihr Geld wert, daran besteht kein Zweifel. Bei einer Differenz von ca. 800 Euro zwischen beiden Modellen aber gehört ein Abwägen dazu. Für 800 Euro bekommt man ja auch schon wieder ein tolles Fujinon Objektiv, das an einer XT20 einen ebenso guten Job verrichtet wie an der XT2. Natürlich sollte man sich klar darüber sein, dass die XT20 mit manchem Objektiv einen haptischen Einbruch erlebt – ein XF 16-55 2.8 oder XF 50-140 2.8 ohne Batteriefuss an der XT20 sind weniger angenehm, wenn auch nicht unmöglich. Ansonsten aber bildet die XT20 eine perfekte Symbiose aus Größe, Gewicht und Leistung. Festbrennweiten oder kleiner Zooms wie das 18-55 Kit passen perfekt. Für 899 Euro bekommt man hier eine Menge Kamera geboten, die Amateur- wie auch Profiansprüche bedienen kann. Technisch und haptisch ist sie in ihrer Klasse meines Erachtens bisher unerreicht und vereint die positiven Seiten des Vorgängers mit geforderten Neuerungen/Verbesserungen. Die XT20 ist näher an der XT2 zum fast halben Preis wie damals die XT10 an der XT-1. Für mich eine der Kameras des Jahres.

Nun gilt es abzuwarten wie die Strategie von Fuji weiter verläuft. In Planung stehen laut Gerüchteküche ein XF 33mm f/1, ein neues Macro (90mm, 120mm?), ein 200mm f/2 Tele und besonders wichtig ein neues Superweitwinkel Objektiv mit Anfangsbrennweite 8mm (ergo 16mm Kleinbild). Das GFX Mittelformatsystem erhitzt derzeit die Gemüter wegen seiner Qualität und als wäre es nicht genug, wird bereits die beste oder teuerste (oder beides) Kamera mit X Tans Sensor angekündigt. Man darf also gespannt sein.

 

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