Schärfen von RAW Dateien des X Trans Sensors

TheLake

Einer der größten Kritikpunkte an der X Serie ist die sogenannte „Würmchenbildung“ – überwiegend im grünen Farbspektrum der RAW Datei.

Einerseits kann man Fuji nicht vorwerfen, dass Adobe bis heute nicht in der Lage ist, die Daten des X Trans Sensors vollständig zu verarbeiten, andererseits ist das Schärfen von RAW Bildern ein Thema für sich. Aber von vorn.

In manchen Foren hält sich hartnäckig das Gerücht, man müsse die RAF Datei (Fuji RAW Name) zuerst in das Adobe eigene Rohdatenformat konvertieren und dann schärfen. Mir ist nicht schlüssig, welchen Effekt diese Konvertierung haben soll, schließlich bleiben die Informationen jene des X Trans Sensors, es erfolgt keiner Konvertierung in das Farbmuster des Bayer Sensors. Ergo steckt die Lösung wohl in der Art und Weise des Schärfens und wer behauptet, es wäre mit Lightroom oder Camera RAW oder Photoshop nicht möglich oder die Ergebnisse unbefriedigend, der schärft falsch.

Eben so wenig gibt es eine allgemeine Formel für das Schärfen von Fotos – Portraitbilder folgen ganz anderen Regeln als Landschaften, Nachtaufnahmen brauchen ihren eigenen Prozess und im Makrobereich schaut es wieder ganz anders aus. In aller Regel empfiehlt es sich, mit diversen Schärfungsmodellen zu arbeiten und dabei immer in der 100% Ansicht zu arbeiten. Da Lightroom eher dezidiert mit Arbeitsbereichen umgehen kann (es gibt ja nur die Optionen ganzflächig oder via Verlaufs – und Radialfilter), empfehle ich in dieser Software nur die notwendigsten Schritte einzuleiten – ergo eine grundschärfung vorzunehmen. Programme wie Photoshop erlauben via Ebenen, Masken, Farbkanälen usw. ganz gezielt einzelne Bereiche nachzuschärfen und weicher zu zeichnen. Da nicht jedem Photoshop zur Verfügung steht, möchte ich einige Zeilen allein Lightroom – basiert schreiben.

Bezug nehme ich auf das hier im Post geteilte Bild: Es zeigt einen See auf der Halbinsel Snæfellsnes nahe der kleinen Kirche Búðir. Fotografiert wurde wie folgt:

X-T1 + XF 16 – 55mm f/2.8 LM WR mit KASE Wolverine ND 1.2 150×100 mm und KASE Skyeye 82mm via Adapter: 16mm f/7.1 ISO400 3,1 Sekunden. Belichtet wurde auf die Schatten und durch ISO400 mit einer Blende mehr Dynamikumfang ein Ausbrennen des Himmels verhindert. Der Fokuspunkt lag im vorderen Bereich des Sees um die hypofokale Distanz für maximale Schärfe von vorn bis zum Horizont zu gewährleisten.

Wie man sieht, ist insbesondere der Vordergrund von herbstlich satten Grün umgeben, der Sonnenaufgang war sehr intensiv (nachmittags folgte dann ein Orkan) und das Histogramm war bereits im Rohdatenformat lehrbuchhaft ausgeprägt mit einer schönen Verteilung der Farben, lediglich Licht und Schatten benötigten weitere Eingriffe.

Achso, Schärfen!

Wie bereits geschrieben, der größte Teil des Schärfens erfolgte in Photoshop, dennoch ist dieses Landschaftsbild recht genug geeignet für Grundanpassungen in Lightroom.

Die Regler stehen nie gleich aber für Landschaften bewegen ich mich oft in diesen Vorgaben:Unbenannt

Den Betrag lasse ich oftmals einfach bei 25 – wer den Regel ordentlich pusht, wird sehen, woher die Würmchen kommen. Beim Radius sind ganz andere Möglichkeiten vorhanden, hier zeigt der X Trans Sensor bereits sein Potential und es ist unglaublich, wieviel feine Kontraste aus herausgekitzelt werden können. Radius wie auch Details sind sehr abhängig von der Art des Bildes – ein Überschärfen ist immerzu möglich! Daher immer in der 100% Ansicht arbeiten und dabei auch die „ALT“ Taste benutzen – das Bild wird in Grau dargestellt und man sieht in feinen Strichen, Punkten und Linien, welche Bereiche bzw. Kanten nun angebhoben werden und wo die Schärfung nicht wirkt. Die Details bewegen sich bei mir in solchen Bildern regulär zwischen 50 – 75: „Unscharf maskieren“ korrigiert einen Teil dieser Scharfzeichnung – z.B. möchte man in spiegelglatten Wasser und am Himmel in aller Regel keine akzentuierte Scharfzeichnung. Natürlich können via Verlaufsfilter oder Radialfilter ebenfalls Bereiche nachgeschärft werden, allerdings gibt es dann nur den Regler „Schärfen“ und keine Feinjustierung. Obendrein erzeugt das Überschärfen bei jeder Methode nicht nur unästhetisch harte Kanten (man denke an diese übertriebenen HDR Looks) sondern auch Helos – in aller Regel weiß glänzende Linien entlang starker Kontrastkanten (Bergspitze zum Himmel z. B.). Diese sind in Phtoshop relativ einfach zu beseitigen doch wenn Helos entstehen, ist oftmals zuviel Schärfe/Klarheit im Bild.

Übrigens kann man nur scharfe Aufnahmen schärfen – Unschärfe durch Verwackler oder Falschfokussierung ist nicht korrigierbar. Schärfen ist ein reiner Optimierungsprozess des Anhebens von feinen Kanten, Konturen, Punkten und Linien. Was nicht von Haus aus scharf aufgenommen wurde, bleibt unscharf. Umgekehrt kann man jeden scharfen Bereich abschwächen oder sogar Pseudo Bokehs erzeugen. Aber das nur nebenbei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Schärfen von RAW Dateien des X Trans Sensors

  1. Meinem Verständnis nach wird durch eine Vorkonvertierung das Demosaicing, also das Konvertieren der „eigenartig“ angeordneten Fotosensoren des X-Trans-Sensors in einzelne, die Farbenformationen zusammenfassende RGB-Pixel, aus Lightroom herausgezogen.
    Deswegen Konvertieren ich mit Iridient, ohne dort zu schärfen o.ä.
    Generell gebe ich dir aber Recht: der X-Trans-Sensor „kommt“ weniger über den Schärfe-Betrag als mehr über den Detail-Regler.

    Gefällt 1 Person

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