500px – Mythos & Algorithmus oder umgekehrt

Unbenannt

Seit nunmehr 5 Jahren bin ich Mitglied in der vermutlich weltweit größten Foto Gemeinschaft, in der Fotografen aller Couleur ihren kreativen Output publizieren können. Abhängig von der Art der Mitgliedschaft ist es dem Nutzer möglich, sein Portfolio innerhalb vielseitiger Genres hochzuladen oder in den Bezahlmitgliedschaften sogar professionell zu vermarkten. Des weiteren kann man seit einiger Zeit neben dem öffentlichen Profil auch Unterordner anlegen, in welchen man seine eigenen Favoriten besonders hervorheben kann oder anderer Nutzer Bilder sammelt. Bei jedem Bilder Upload lädt 500px ein, die entsprechenden Bilder mit Titel, Informationen/Beschreibung, Exifs, Tags und Standort zu bereichern. Dies bereichert die umfangreiche Suchfunktion der Community stark – man kann im Grunde jedes Stichwort als Suchbegriff eingeben – Ort, Kamera, Nutzername, Kategorie usw. – und sich die Suchergebnisse nach verschiedenen Kriterien anzeigen lassen.

500px funktioniert nach einem Ranking Prinzip – innerhalb aller Kategorien (Natur, Makro, Abstrakt, Landschaft usw.) durchlaufen Fotos 3 Stufen – „Fresh“ – „Upcoming“ – „Popular“. „Fresh ist dabei alles, was neu eingestellt wurde.

So lang man nicht ausreichend Likes erhält, bleibt das Bild im „Fresh“ Bereich. Wenn man mit ausreichend Likes einen Pulse von etwa 70.0 erreicht, klettert das Bild in das nächste Ranking mit Status „Upcoming“. Erreicht man noch mehr Likes und einen Pulse von über 80.0, wird das Bild in die „Popular“ Etage gerückt. Während man bei „Fresh“ und „Upcoming“ immer für einige Zeit ganz oben steht, rückt man ab Status „Popular“ ganz nach unten auf der „Popular“ Seite. Mit anderen Worten, möchte man sein Bild nun in den Top 100 oder Top 25 oder Top 10 sehen, kann nur ein höherer Pulse dazu verhelfen – für welchen man recht viele Likes benötigt.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten und Modellen arbeitet der Algorithmus bei allen Nutzern gleich. Man benötigt zum Beispiel 320 Likes, um einen Pulse von 99.0 zu erreichen. 975 Likes um die 99.7 zu bekommen, etwa 1380 Likes um die 99.8 zu erreichen und 2275 Likes um einen Pulse von 100.0 zu erhalten. Das Rankingsystem läuft 24  Stunden nach Upload, danach fällt es aus allen Bereichen wieder heraus und verbleibt im Portfolio des Nutzers oder in den Galerien anderer Nutzer, die das Bild besonders mochten.

Obendrein arbeiten für 500px sogenannte Editoren und Gasteditoren, welche ausgewählte Bilder in einer Extra Kategorie „Editors Choice“ aufführen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man ein bekannter oder neuer Fotograf ist, die Bilder werden nach subjektiven Kriterien der Editoren ausgesucht.

Der Mythos:

Das Ranking und der Algorithmus machen 500px im gewissen Sinne zu einer Spiel – oder Wettkampfwiese. Wie in allen sozialen Netzwerken gibt es auch dort „Rangkämpfe“, Neid und sportliches Miteinander. Der Algorithmus ist logisch aufgebaut, schwächelt allerdings. Während die Bilder etablierter und lokal/global bekannter Fotografen regelmäßig in den Spitzen der Kategorien auftauchen, ist es für unbekannte Nutzer nahezu unmöglich, dass ihre Bilder wirklich gesehen werden. Mangelt es an Followern, gehen Bilder in aller Regel im endlos großen Sud des „Popular“ Bereichs unter. Egal wie erstklassig oder außergewöhnlich ein Foto ist, hat man keinen Namen, ist man mehr oder minder nur irgendwer mittendrin. Für wen das nicht von Relevanz ist, braucht an dieser Stelle nicht weiterlesen. Ich finde es aber eine Erwähnung wert, weil 500px vorgibt, die besten Bilder zu zeigen, zu promoten und begabte Foto Enthusiasten zu fördern. Eigentlich aber ist man, will man denn sein Portfolio einer breiteren Masse bekannt machen, abhängig von den eigenen Aktivitäten – also ähnlich wie in andere sozialen Medien muss man vielen Leuten folgen, viel liken, viele Kommentare schreiben. Also Aufmerksamkeit erhaschen, um es hart zu formulieren. Am Ende zählt nicht die Wertigkeit der eigenen Arbeit sondern die eigene Arbeit in Sachen „auf sich aufmerksam machen“.

Was heißt das?

Natürlich, ein Großteil der Bilder, die mit einem Pulse von 99.7 oder höher in den hohen Rängen auftauchen, werden dieser Bewertung gerecht. Es ist üblich, dass Bilder aus den Bereichen Portrait, Landschaft und Tieren die „Overall Charts“ dominieren – „Sparten“ in der Fotografie wie Abstrakt/Reise/Transport oder Sport findet man selten ganz oben. Dies wird vielen sehr außergewöhnlichen Arbeiten nicht gerecht und zeigt auch die relative Dominanz einzelner Sparten – Strohhalmmarionetten Models mit Photoshop Gummihaut, Milchstraßen mit tausend Farbnuancen und Sonnensterne mit viel Farbpathos Drumherum dominieren die Top Charts immerzu.

Es gibt einige sehr berühmte Fotografen, sehr viele Nutzer, die gern Tutorials verkaufen wollen und eine Handvoll Leute, die immer weit oben sind, weil sie auf ihre Art gut sind. Leider gibt es aber eben viel mehr Unbekannte und Unendeckte, worauf 500px bis heute offenbar keine richtige Antwort hat. Zwar werden ausgesuchte Neulinge promotet, aber das scheint bisher eher eine Alibi Funktion zu sein, um manchen Nutzer bei Laune zu halten. Denn wie überall, geht es um Lizensen und Geld.

Wer also mit seinen Bildern hadert, warum sie nicht weit oben landen – es kann die Qualität des Bildes sein, es kann aber auch dem Algorithmus geschuldet sein. Und in den letzten Jahren hat 500px bewiesen, wohin die Reise führt – Community für alle Fotobegeisterten ja, aber profitieren taten/tun wenige. Also bitte den Fokus richtig setzen, weniger die Top Charts anstaunen und Spaß an der Kreativität der vielen Nutzer haben.

So far …

9 Kommentare

  1. Zustimmung zu 100% (wie ein bereits vorbereiteter Artikel auf unserem Blog bald zeigen wird :’D). Nicht nur ist es frustrierend, wenn die eigenen Arbeiten schlecht bewertet werden. Genauso wertlos ist eine durch Klinkenputzen erreichte Bewertung des Bildes – für mich zumindest.
    Ich habe mich deswegen von 500px mittlerweile verabschiedet. Eine bessere Platform gibt es leider trotzdem nicht.

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  2. Ja klar, diese Wettbewerbsmentalität haben ja alle Plattformen inne. Man fährt vermutlich besser, diese ganzen Eckdaten einfach außen vor zu lassen – ein Portfolio baut man sich ja dennoch auf und es irren auch Leute abseits der Popular Page und Editors Choice Bilder. Bilder werden werden ja nicht besser oder schlechter, weil sie Puls XY erreichen. Zumindest hat man auch die Option, die Suche nach verschiedenen Kriterien zu suchen. Die Klinkenputzer sind überall, ich kenne wirklich keine Plattform, wo das nicht wieder und wieder auftauchte – und mir nicht klar war, was besonders hohe Ergebnisse bewirken sollen.

    Die beste Seite ist es nach wie vor ja, ich finde sie auch am sortiertesten und zumindest bauen sie ja auch immer weiter und versuchen die Sache etwas variabler zu gestalten – den Fokus eben vom Pulse wegzulenken. 😉

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  3. Sehr cool Daniel, dich auch hier auf WP zu finden. Ich bin seit einiger Zeit auf 500px komplett inaktiv, genau aus den oben genannten Gründen. für mich war der Weg aus der Community die bessere Entscheidung. Bin gespannt was bei dir hier noch weiter passiert. Grüße Stefan

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    1. Hi Stefan, schön dass Du Dich meldest. Den Blog habe ich seit 2015 allerdings auch stark vernachlässigt. Nachdem ich FB gekündigt habe, fiel mein Augenmerkt wieder hierauf und das Potential, welches ein eigener Blog inne hat. Allerdings lerne ich da faktisch von der Pieke auf alles nochmal. Sehr schöne Seite und Deine Bilder sind mir zumindest teilweise bekannt.

      Schade @ 500px, mein Beitrag soll eigentlich Löschungen nicht bestätigen, sondern Leuten zeigen, dass Pulse und Ranking nichts über die Bilder aussagen. Nichtsdestotrotz, Spielwiesen gibt es viele und man sollte sein Hauptaugenmerk aufs Wesentliche reduzieren. 😉

      Grüße aus Unterfranken!

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      1. Ich finde den Weg gut, den du nun eingeschlagen hast. Es spricht nichts gegen 500px oder jeder anderen Spielwiese! ich wollte auch keine Löschungen usw vorantreiben! Für mich war der Pulse zum Schluss aber mehr manipulierend als förderlich.

        Vielen Dank!! Du wirst sehen eine Website ist viel mehr als die Mitgliedschaft einer Community

        Thema „focus“ : Mir half es viel „back to reality“ zu gehen. Ich trat Künstlervereinen bei und machte ein paar Ausstellungen. Im Großen und Ganzen viel mehr Anerkennung und viele gute Gespräche.

        Vielleicht geht sich ja mal ein gemeinschaftliches Projekt aus? Lust auf Bluebells… wäre gerade die Zeit dazu 😛

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