Hochland (149)

Um besser zu werden, muss man erst schlechter sein (Zitat aus Island)
Ganz gleich, welcher fotografischen Sparte oder welchen Sparten man sich hingezogen fühlt, ganz gleich ob für sich privat knipst oder ob man berufliche Ambitionen anvisiert, ohne das Erlernen des kleinen 1 x 1 der Fotografie wird man auf der Stelle treten. Mancher denkt, möglichst teure Ausrüstung macht gute Bilder, andere glauben mit einem Handy kann man ausreichend gut Reisen und Events dokumentieren. Natürlich können Handybilder viel und seit einigen Jahren hat sich die Bildqualität von Handys exorbitant verbessert. Und die Kamera, die man dabei hat, ist immer besser als die Kamera, die aus Bequemlichkeit Zuhause blieb. Doch hier möchte ich mich explizit an Leute richten, die ihre Kamera bewusst und gezielt einsetzen möchten, um bessere Fotos zu schießen. Es richtet sich auch nur an Personen, die Kameras besitzen, die mit Halbautomatik und manuellen Funktionen ausgestattet sind. Es muss keine Spiegelreflexkamera oder Systemkamera sein – auch gehobene Kompaktkameras bieten die Möglichkeit, manuell in die Einstellungen einzugreifen oder diese gar vollständig zu kontrollieren. Dabei möchte ich Bezug auf meinen Schwerpunkt – die Landschaftsfotografie – nehmen und die wichtigsten Dinge (Blende, ISO, Belichtungszeit, Belichtungskorrektur, Messmethode und Fokussierung) ansprechen.

Hochland (102)

Die Kamera
Nein, man muss sich weder eine Einsteiger Kamera kaufen noch im Highend Equipment starten. Es muss keine Kamera mit Wechselobjektiv Fassung sein, auch wenn dies Vorteile bietet. Die Kamera muss die Möglichkeit bieten, alle relevanten Einstellungen manuell steuern zu können. Bei DSLRs und Systemkameras ist dies durchweg der Fall, bei Kompaktkameras muss man im mittleren Preissegment einsteigen, damit es mehr als Vollautomatiken gibt. Der Minimalanspruch ist ein P-A-M Anspruch, idealerweise lassen sich neben jpegs auch Daten im Rohdatenformat (allgemein RAW) aufzeichnen. Relevant ist nicht die Auflösungsgröße des Sensors, ganz im Gegensatz zur Größe des Sensors. Wer auf gute Bildqualität setzen möchte, benötigt mindestens einen 1 Zoll Sensor, etwas größer der  Micro Four Third (MFT) Sensor, noch größer der Halbformat Sensor, groß der Vollformatsensor oder riesig der Mittelformatsensor. Wer in die Fotografie einsteigt, wird kaum zu Vollformatsensoren oder größer greifen – man redet dabei von einer Preisklasse von etwa 1600 Euro bis 15000 Euro (und darüber hinaus) und da ist in aller Regel kein Objektiv dabei.

Hochland (145)

Warum ist Sensorgröße wichtig? Der Sensor fängt das Licht ein, ganz einfach. Je größer der Sensor, desto mehr Licht können die Pixel aufnehmen. Gleichzeitig ist genug Platz auf dem Sensor, um die Informationen ordentlich zu verarbeiten. Vor einigen Jahren gab es einen regelrechten Pixelwahn – kleine Sensoren mit 16, 20 oder 24 Megapixel, sowohl bei Kompaktkameras und insbesondere bei Handys. In Folge wirkten Bilder bereits bei ISO 400 oder 800 unbrauchbar verrauscht und unscharf. Eine gute Kamera heute sollte –  je nach Preissegment – bis ISO 1600 gute bis sehr gute Ergebnisse liefern. Das kann bei weitem nicht jede Kamera im Jahr 2018 auch wenn Hersteller ihre Modelle gern mit Sprüchen wie „sehr gute Bildqualität auch in hohen ISO Bereichen“ bewerben. Kamera Reviews, welche vom Preis/Leistungssieger reden, sollte man nicht zu ernst nehmen. Da wird oft geschrieben – für das Geld ist viel drin, oftmals bedeutet es aber,  die mäßige Leistung wird recht günstig angeboten. Für mäßige Sachen sollte man aber kein Geld ausgeben. Für Anfänger ist das schwer zu beurteilen, daher hilft der Weg in ein gutes Fotofachgeschäft um sich gut beraten zu lassen. Und desto mehr Wissen man im Vorfeld hat, desto genauer kann ich nach der richtigen Kamera fragen. Online Reviews oder gar Amazon Rezensionen sind selten zielführend.

Westfjorde (63)

Das Objektiv    
Nichts ist wichtiger als das Objektiv. Dies gilt für fest verbaute Optiken ebenso wie für Kameras mit Wechselsystemen. Oftmals liegen die Preisdifferenzen nämlich genau da – wird Unsinn verbaut oder hochwertiges Glas. Und auch wenn mir hier mancher widersprechen wird – Finger weg von Megazooms, völlig egal ob ein 25mm-600mm (gerechnet auf Kleinbild, später mehr) oder ein Wechselobjektiv mit 18mm – 200mm, 18mm-270mm oder gar 18mm-400mm. Fotografie ist Physik, daran führen keine digitalen Korrekturen und Werbesprüche vorbei. Wer es handlich will und wenig Gewicht, setzt entweder auf kleinere Systemkameras oder spart sich das Geld für eine DSLR. Festbrennweiten sind immer die abbildungsstärksten Konstruktionen, oftmals auch die lichtstärksten. Zoom Objektive machen flexibler, allerdings sollten sie erfahrungsgemäß nie mehr als ein 3fach – 4fach Zoom sein. Der Grund liegt in der Physik, je mehr Brennweite, umso mehr Komplikationen mit dem Licht, welches durch die einzelnen Linsen muss. Da sich beim Zoomen die Linsengruppen bewegen, ändert sich auch das Ergebnis auf dem Sensor. In Folge haben Super Zooms oftmals gravierende Mängel, entweder im Weitwinkel oder im Telebereich. Obendrein sind sie oftmals extrem lichtschwach, nur sehr teure und aufwendige Konstruktionen können mit einer gleichbleibenden oder zumindest moderaten Lichtstärke (im Telebereich) punkten. Die Abbildungsleistung leidet aber immer. Und wenn man sich eine Kamera mit Wechselobjektivfassung kauft, macht das Kaufen von verschiedenen Objektiven Sinn. Viele Hersteller bieten ihre DSLR oder DSLM mit sogenannten Kit Linsen an – dies sind in der Regel sehr günstige Objetive, deren Leistung moderat ist. Nur wenige Hersteller wie z.B. Fuji bieten mit dem XF 18-55mm f/2.8-4 ein Kit Objektiv an, das eigentlich keines ist sondern in die hochwertige Kategorie optischen Glases gehört. Dafür kostet dieses Objektiv allerdings auch deutlich mehr als 18-55mm f/3.5 – 5.6 von Herstellern wie Canon oder Nikon.

Westfjorde (45)

Blende ISO Belichtungszeit
Diese 3 Schlagwörter sind eigentlich das kleine 1 x 1 in der Fotografie. Zumindest was den technischen Teil anbelangt. Normalerweise gehört die Brennweite noch dazu, doch da ich nicht zu technisch werden möchte, hier kurz eine Beschreibung dieser 3 Elemente, die einander bedingen und dennoch getrennt gesteuert werden sollten.
Die Blende steuert, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Im Objektiv verbaut, werden beim Ändern der Blendenzahl Lamellen gesteuert, welche das „Loch“ für den Lichtdurchlass vergrößern oder verringern. Ergo, man kann auf – oder abblenden. Auf dem Objektiv ist in aller Regel die maximale Blende eingraviert. Das heißt, oben aufgeführtes Fujinon XF 18-55mm f/2.8 bis f/4  besitzt bei 18mm eine maximale Blendenöffnung von f/2.8 und bei 55mm f/4. Die sogenannte Offenblende lässt die größte Menge Licht auf den Sensor fallen. Je mehr die Blende geschlossen wird, um so länger wird die Verschlusszeit – und umgekehrt.
Die ISO (Filmempfindlichkeit, einst in der analogen Fotografie ASA und Din genannt) steuert die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Da es heute keine analogen Filme mehr gibt sondern nur Sensoren, nennt man es besser Restlichtverstärkung. Die ISO hat wesentlichen Einfluss auf die Belichtungszeit, je höher die ISO Zahl, desto kürzer die Verschlusszeit – und umgekehrt.
Die Belichtungszeit (auch Verschlusszeit) gibt die Zeit an, wie lang Licht auf den Sensor fällt um das erwünschte Bildergebnis zu bekommen. Dabei sind heutzutage Verschlusszeiten von 1/32000 Sek (elektronischer Verschluss bei manchen DSLMs) bis zu regulär 30 und 60 Sekunden möglich. Darüber hinaus können Kameras im sogenannten Bulb Modus Minuten, ja sogar stundenlang belichten. Die Belichtungszeit ist verantwortlich für korrekt belichtete, überbelichtete oder unterbelichtete Bilder.

Westfjorde (9)

Landschaftsfotografie  
Je nach Bedingungen in der Landschaftsfotografie versagt jede Kameraautomatik. In der Dämmerung wird die Kamera versuchen, eine möglichst schnelle Verschlusszeit zu erreichen um Verwacklungen zu vermeiden. Und da steht man nun in weiter Landschaft und fotografiert mit Offenblende bei ISO 3200 und verwackelt die 1/10 Sekunde dennoch. Oder aber man fotografiert in die Sonne – die Automatik stellt extrem viel Licht in der Umgebung fest, setzt die ISO auf Minimum und schließt die Blende auf f/22 um das Bild nicht überzubelichten. Im Ergebnis hat man einen mehr oder minder gut ausgeprägten Sonnenstern und vielleicht noch Zeichnung im Himmel – die Landschaft aber ist nun rabenschwarz und scheint nur noch aus Konturen zu bestehen. In der Nacht würde die Automatik vermutlich – falls vorhanden – den internen Kamerablitz ausfahren – der Autofous versagt den Dienst und falls nicht, hat meinen einen ausgeleuchteten Kreis von vielleicht 7 Metern und Drumherum ist alles schwarz. Braucht es mehr Beispiele, was Knipsen ist, warum Vollautomatik nur bedingt eine gute Wahl ist?

Hochland (17)

Was man – in allen Sparten der Fotografie – wissen muss und immer beherzigen:
Die Kamera ist blind.
Es gibt vieles – automatische Motiverkennung, intelligente Modi, Auto HDR und Gesichtserkennung. Dennoch:
Die Kamera ist blind.
Eine Kamera sieht nicht wie der Mensch. Die Augen des Fotografen sehen. Und der Fotograf muss der Kamera begreiflich machen, was er sieht. Damit die Kamera es in Szene setzen kann. Der Fotograf weiß, dass man z.P. Polarlichter nicht mit Blitzlicht aufhellen kann. Er weiß, dass man nicht in grelles Gegenlicht knipsen kann ohne besondere Einstellungen und Hilfmittel wie z. B. Filter. Er weiß, dass man in der Dämmerung/Nachts mit Stativ arbeiten muss, dass in der Dunkelheit ganz klassisch manuell fokussiert werden muss. Nur der Mensch hinter der Kamera kann wissen, was die Kamera tun soll. Die tut sonst nichts, das falsche oder irgendetwas, das ganz allgemein einprogrammiert wurde. Offenblendig fotografieren bei Landschaften? Da laufen nicht nur Pixelpeeper davon. Abblenden auf f/22 – Da geht der Lichtstrahl in die Knie, als würde man seine Wirbelsäule um 180 Grad biegen! Also, wer es vergessen hat:
Die Kamera ist blind. 
Darum sollte man das kleine 1 x 1 lernen. Es ist der erste Schritt zu besseren Bildern. Natürlich gibt es über Blende, ISO und Verschlusszeit hinaus noch unzählige weitere Einstellungen und Maßnahmen, die zu guten Bildern verhelfen. Aber sie sind die wesentlichsten. Belichtungskorrekturen, Messmethoden (Mehrfeld, Spotmessung usw.) sind erweiterte Mittel der korrekten Belichtung, ebenso Dinge wie hypofokale Distanz, Fokusfelder, usw. usw..
Was heißt das also. Nun, ein gutes Bild benötigt 2 Dinge: eine gute Kamera mit guten Objektiven und vor allem Kenntnisse im Umgang mit ihr. Die klassischen Regeln der Fotografie sind auch 150 Jahre später noch immer die gleichen wie zu Beginn. Fotografie und Schnappschuss sind nicht dasselbe wenn man von der technischen Herangehensweise ausgeht. Üben, üben, üben – eine Devise, die in nahezu allen kreativen Bereichen notwendig ist. Und wenn man das kleine 1 x 1 der Fotografie gelernt hat und das Equipment seiner Wahl in den Händen hält, beginnt erst der schwierige Teil – die Kreativität. Die gute Nachricht, diese ist durchaus erlernbar. Aber sie fällt einem nicht in den Schoß. Nicht jedes gute Bild ist spektakulär und nicht jedes spektakuläre Bild ist gut –  aber ohne solides Grundwissen kann die kreative Ader kaum Gestalt annehmen.
In den nächsten Beiträgen möchte ich mich dann etwas detaillierter zu Begriffen wie Dynamikumfang, hypofokale Distanz äußern und erklären, warum Superweitwinkel Objektive zwar etwas tolles sind, aber nur, wenn man sie einzusetzen versteht. Mythen auflösen scheint eins meiner neuen Hobbys zu werden.
Landschaftsfotrografie

 

 

 

 

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