Review: Fujifilm X-T2

XF_16mm_1.4

Nachdem ich vor gut einem Jahr die Fujifilm X-T20 rezensiert hatte und die Review zur  Fujifilm X-T1 bereits 1,5 Jahre zurückliegt, ist es an der Zeit, die bereits wieder nicht mehr ganz aktuelle X-T2 ausführlich zu besprechen. Es geht mir dabei nicht um Vergleiche zur X-H1 und auch nicht mehr um Neuerungen gegenüber der X-T1 – dazu gab es bereits hier einige Worte.
Ich möchte mich vollständig auf diese Kamera konzentrieren und vielleicht dem einen oder anderen Leser bei der Entscheidung helfen, ob die X-T2 wirklich schon wieder zum alten Eisen gehört.
Das tut sie natürlich nicht. Die X-H1 ist weder ihr Nachfolger noch wird eine X-T3 derartig viele Verbesserungen bieten, dass sofort wieder über ein Update nachgedacht werden muss. Der Grund dafür liegt auf der Hand: In der X-T2 stecken so ziemlich alle essentiellen Verbesserungen, welche man der X-T1 noch vorwerfen konnte.
Verbesserungen:
  1. spürbar schnellerer und exakterer Autofokus auch im schlechten Licht mit 91 oder 325 Fokusfeldern
  2. zwei Kartenslots für getrenntes Aufzeichnen von RAWS und JPEGS oder zur Datensicherung
  3. verbesserter EVF, flimmerfrei und auch bei Kameraschwenks nicht stockend
  4. Joystick zur schnellen Fokusverschiebung
  5. gleiches (sehr gutes) Rauschverhalten trotz der 24 MP Auflösung  (16 MP an der X-T1)
  6. Videofunktion nun mit 4K (für mich unwichtig)
  7. Arretieren der oberen Stellräder
Sechs Punkte mit den wesentlchen Verbesserungen, wenngleich ich den 6. Punkt gern weglassen würde – was gäbe ich für einen reinen Fotoapparat. Der Body ist im Vergleich zum Vorgänger in Sachen Größe und Gewicht nahezu gleich geblieben, die Haptik hat sich aufgrund des Joysticks und größeren Stellräder verbessert.
Was bleibt gleich:
Absolut entscheidend – die Bildqualität. Natürlich hat die Vergrößerung der Auflösung zu einer höheren Kantenschärfe geführt. Für das Bildergebnis aber ist diese in der Praxis von völlig untergeordneter Bedeutung. Es wäre auch verwunderlich gewesen – dem Irrtum viel Auflösung für viel Schärfe ist schon mancher Produzent und Konsument auf den Leim gegangen und noch vor wenigen Jahren sagte Fujifilm zu Recht, dass 16 MP vollkommen ausreichen. Will man Ausdrucke jenseits der Din A3 Größe produzieren, stehen schließlich anderen Möglichkeiten, insbesondere das Stitchen von Einzelaufnahmen zur Verfügung um einen großen Datenkoloss zu kreieren. Ohne entsprechende Software funktioniert dies freilich nicht.
Ebenfalls gleich geblieben ist die zuweilen wahnwitzige deutsche Menüsprache, wer mit den deutschen Übersetzungen hier und da nicht zu Recht kommt, setzt besser auf das englische Menü oder aber kauft sich dieses Buch oder schaut sich diese Videos an um die eine oder andere verwirrende Art verwirrender Menüsprache zu verstehen.
Das Menü ist für mich im Vergleich zum Vorgänger sehr übersichtlich geblieben. Hier scheiden sich zwar die Geister, aber denke ich an die Menüführung meiner A7 oder der kleinen DMX R100 III, herrscht bei Fuji logische Ordnung. Obendrein sind auch an der T2 viele Tasten mit Funktionen belegbar, so dass ein ständiges Aufrufen des Menüs gar nicht nötig ist.
Was gefällt mir nicht:
Es ist schwierig, dieser Kamera wirklich negative Dinge abzuringen. Was stört, ist eigentlich so nebensächlich, dass es weder eine Erwähnung verdient noch von jedem anderen T2 Nutzer so unterschrieben werden würde. Auf Anhieb fällt mir nur eines auf – das Formatieren der SD – Karten: Man geht ins Menü, man formatiert die eine. Man geht wieder ins Menü und formatiert die andere. Getrenntes Formatieren ist gut und schön, die Option des gleichzeitigen Formatierens fände ich persönlich dennoch äußerst angenehm. In aller Regel lösche ich nämlich die Kamera JPEGS nach Sichtung und habe zuvor die RAW Daten auf eine externe Festplatte kopiert.
Des weiteren muss ich zum drahtlosen Überspielen von Fotos die SD – Karten in den Slots tauschen. Was bitte ist das denn. Das WLAN greift nur auf den ersten Kartenslot zu – dort liegen die RAW Dateien. Und die werden nicht überspielt sondern eine nervige Fehlermeldung tritt auf. Kopiert man also nach dem Kartentausch, sollte man tunlichst daran denken, die Karten vorm weiteren Fotografieren wieder zu drehen – sonst kreiert man RAW/JPEG Daten pro Karte und sollte ich eine Karte formatieren, ist ein Teilnder RAWS weg, was mich mutmaßlich in mittelstarke Depressionen versetzen würde.  Fuji also bitte!
Der Dynamikumfang fällt einen Hauch geringer als an der T1 aus – verschmerzbar. Auch wenn für Manche der Dynamikumfang ein – und alles ist – 9,5 Blenden oder 10 oder 12 – kann entscheiden aber Hand aufs Herz, die Natur hat 1000 Blenden Dynamikumfang – da kann selbst die beste Mittelformatkamera einpacken. Das RAW Format hilft, um in der Nachbearbeitung einiges mehr herauszukitzeln und obendrein gibt es die Option der Mehrfachbelichtungen und HDR Funktionen. Daher diesen Punkt wenig Bedeutung zumessen.
Aber:
Insgesamt ist diese Kamera für mich ein Werkzeug erster Güte – ein Arbeitstier in Kombination mit einer Vielzahl der Fujinon Objektive. Wetterfest und mit dem Power Booster wird das Gerät leistungsoptimiert – weniger wegen der schnelleren Bildrate im Sucher noch wegen der etwas höheren Seriengeschwindigkeit sondern weil nun 3 Akkus arbeiten und bis zu 1000 Bildern bei einem Shooting ermöglichen. Allerdings hat man dann bei Größe und Gewicht bereits die Vorteile des kleinen X Systems verlassen. Günstig ist alles optionale Fuji Zubehör ohnehin nicht aber gerade bei längeren Foto Sessions habe ich lieber 3 Akkus in der Kamera. Übrigens gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Stromhunger zu verringern:
  1. Hilfslicht abschalten
  2. Bildvorschau deaktivieren – man sieht alles live und eine richtige Fotobewertung ist nur am großen Computerbildschirm möglich
  3. Automatisches Scharfstellen abschalten. Nur selten muss die Kamera permanent fokussieren.
  4. Wenn Objektive mit Bildstabilisator arbeiten, die Stabilisierung auf „während des Auslösens“ beschränken, ansonsten wird stabilisiert bis die Balken brechen – nützt nichts und frisst wertvolle Energie.
Nicht ausgeschalten werden sollte der Leistungsmodus – dieser hält die Kamera mit allen Funktionen auf Trap!
Fazit:
Für mich ist die X-T2 derzeit die beste Fuji X Kamera. Wie bereits in einem anderen Beitrag geschrieben, die X-H1 ist für mich nicht navhvollziehbar in der X- Familie. Filmer mögen darüber anders denken, doch weder der interne Bildstabilisator noch die verbesserten Videofunktionen erzeugen bei mir Kaufreize. Das Teil sit sehr groß und das Schulterdisplay wohl eher für Posergründe relevant. Eine Fujifilm X-T3 wird es schwer haben, die T2 hochkarätig abzulösen. 24 MP Auflsöung sind derzeit am APS-C Sensor mehr als ausreichend. Anfang Mai 2018 wird das nächste Firmware Update die X-T2 verbessern und ehe es eine neue Kamera braucht, hoffe ich doch auf eine stetige Erweiterung des Fujinon Fuhrparks. Kann ein Halbformatbolide wie die T2 mit Vollformaten mithalten –  wen intressiert das. Die X-T1 lieferte bessere Bilder als die A7. 16MP Halbformat gegen 24 MP Vollformat. Unfairer Vergleich. Heute müsste man die T2 mit der A7II vergleichen. Da punktet die A7 sicherlich im High ISO Bereich jenseits der ISO3200. Aber keinesfalls wirkt die T2 abgeschlagen. Fuji Bildrauschen ist feinkörniger, ästhetischer. Und wer fotografiert überwiegend im ISO Bereich 1600 oder höher? Wirklich, das ist ein Thema für Pixelpeeper und streitsüchtige Besserwisser, die lieber diskutieren als fotografieren. Aber wen es beruhigt – mit der T1 wie auch T2 stellt sich die Frage nach Vollformat für mich nicht mehr.
In 3 Wochen gehen meine T1 und T2 mit mir auf Wanderschaft nach Norwegen – lofotenfreie Zone weil da jeder ist – vielleicht kann ich in der Zeit danach mal die Bildergebnisse beider Kameras gegenüber stellen. Und wer auf wetterfest verzichten kann, für den bleiben die T20 oder E3 kostengünstigere Alternativen. Sie arbeiten mit dem gleichen Sensor und liefern sehr ähnliche Bildergebnisse. Für mich ist wetterfest doch wichtiger als ich beim Kauf der T20 erwartet hatte (sie musste gleich 3 Tage richtig übles Wetter im südlichen Hochland Islands über sich ergehen lassen) und ja, noch kleinerer Body bedeutet auch etwas fummeliger.
Für mich ist die X-T2die perfekte Kamera, welche ich auch 1,5 Jahre nach Erscheinen uneingeschränkt weiterempfehle.

 

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