Landschaftsfotografie und was man besser nicht tut

Hochland (82)

Es gibt keine Bedienungsanleitungen für gute Fotos. Aber es gibt unzählige Beispiele für schlechte Fotos oder besser Fotos ohne Wirkung und Aussage. Daher möchte ich ein paar Zeilen darüber verlieren, wie man seine Bilder vom Schnappschuss abheben kann. Einige grundlegende Sachen wie auch technische Aspekte sollen diesen Beitrag rahmen ohne dabei alle denkbaren Falls- und Wenn einzubeziehen. Die Worte hier richten sich an Menschen, die mit entsprechender Technik ausgestattet sind – ergo Kameras mit manuellen Einstellungsmöglichkeiten, völlig gleich ob Kompakt – Bridge Kamera – oder System/DSLR Nutzer.
Ich möchte nun auch niemandem erzählen, dass er für jedes gute Bild unbedingt wochenlange Studien zur Location, zur richtigen Uhrzeit, zum passenden Wetter und zu passender Kleidung braucht. Gute Bilder kann man auch spontan machen und auch bei widrigeren Witterungsbedingungen. Es gibt ein Leben nach und vor dem Sonnenauf- und Untergang und Fotografie lebt von mehr als den goldenen Regeln, die irgendwer irgendwo irgendwann als Maß aller Dinge festlegte.
Beginnen wir mit den kleinen Dingen, die mehr oder minder selbsterklärend sind.
  1. Landschaften fotografiert man im A – oder M- oder B – Modus. Keine Vollautomatik, keine Zeitpriorität. Keine Pseudo HDRs. ISO Automatik aus. Immer gilt, kleinste ISO (aber nicht die erweiterten ISO, die in aller Regel den Dynamikumfang vermindern) oder aber so hohe ISO wie nötig (z.B. bei Nachtaufnahmen).
  2. Kein Blitzlicht. Weder interne Blitze noch Aufsteckblitze haben in der Landschaftsfotografie etwas verloren. Bei den meisten Kameras sollte der Blitz allerdings auch deaktiviert sein, sobald man im A – M oder B- Modus ist.
  3. Stativ – ganz einfach. Lange Verschlusszeiten aus der Hand sind verwacklungsfreiem Fotografieren nicht zuträglich. Belichtungszeit ist in der Landschaftsfotografie oftmals untergeordneter Natur und will man z. B. Wasser vernebeln, braucht es 0,5 Sekunden oder mehr Licht auf den Sensor. Bei Nachtaufnahmen sind auch mal 10 Sekunden oder mehr nötig. Außerdem ist beim Bildaufbau ein Stativ sehr hilfreich um sowohl den Ausschnitt als auch die hypofokale Distanz festzulegen. Freihandaufnahmen sind natürlich auch möglich aber hier neigen viele dazu, schief zu fotografieren oder eine häufig sehr langweilige 50/50 Bildaufteilung zu wählen.
  4. 2/3 Regel – der goldene Schnitt ist im Bildaufbau die bewährteste Art der Bildgestaltung. 2/3 Landschaft und 1/3 Himmel oder umgekehrt geben dem Bild Räumlichkeit und Blickführung.
  5. Der Bildaufbau sollte, wann immer möglich, den Betrachter durch die Szene führen. Viele Fotografen setzen auf einen Vordergrund, der mit Hilfe von Linienführungen (z.B. Fluss) in die Ferne führt. Dazu ist es oftmals ratsam, ungewöhnliche Blickwinkel zu wählen – nichts ist langweiliger als mit dem Blickwinkel und aus der Höhe zu fotografieren, mit welcher der Mensch schaut.
  6. Weitere Hilfsmittel sind in der Landschaftsfotografie nicht zwangsläufig nötig, vereinfachen aber oftmals die Arbeit oder sind für gute Bilder hilfreich: Selbstauslöser, Grau- und Grauverlaufsfilter und Polarisationsfilter. Gerade bei schwierigen Lichtbedingungen können Filter helfen, über- und unterbelichtete Bereiche zu vermeiden oder Belichtungszeiten z.B. bei Tageslicht um ein Vielfaches zu verlängern. Nicht mehr nötig sind UV Filter – moderne Objektive sind gegen UV Licht geschützt, bestenfalls schützt ein solcher Filter das Frontglas des Objektivs. Das tut allerdings auch eine Streulichtblende ganz gut. Filter beeinträchtigen immer die Qualität des Bildes, daher gilt beim Kauf auf hochwertige Filter zu setzen. Ein 20 Euro Pol-Filter an einem 500 oder 1000 Euro Objektiv ist kontraproduktiv. Ich setze auf das KASE Filtersystem mit 100×100 und 150x 100 Filtern und Haida Schraubfiltern und B+W Käsemann Polfilter. NISI oder Lee Filter sind ebenfalls ganz oben im Ranking der besten Filterhersteller. Für ein gutes Filterset (Halter + 3 Filter) legt man schon mal 300 oder 400 Euro hin. Ich rate ebenfalls von sogenannten variablen Graufiltern ab – der Lichtdurchlass lässt sich durch das Drehen am Filter steuern – allerdings zu Lasten der Bildqualität, je nach Objektiv können störende Schatten im Bild erscheinen.
    Westfjorde (29)
    Der technische Teil:
    In der Landschaftsfotografie wird in aller Regeln mit Weitwinkel und Superweitwinkelobjektiven gearbeitet – wer es mag, nutzt darüber hinaus Fisheye Objektive – Bildwinkel von bis zu 180 Grad mit entsetzlicher Verzerrung – wer es mag. Oftmals denken Einsteiger und zukünftige Meister, dass ein Landschaftsbild von möglichst viel im Bild lebt. Dem kann so sein, oftmals entstehen aber visuelle Katastrophen, weil oftmals zwar viel im Bild ist aber nichts transportiert wird. Je weitwinkeliger, desto durchdachter sollte der Bildausschnitt und die Bildkomposition sein. Ich arbeite sehr gern mit dem XF 16mm f/1.4 und 23mm f/1.4 – diese beiden Objektive entsprechen einem Bildausschnitt am Kleinbildsensor von 24mm und 35mm (Crop Faktor 1.5), 24mm ist bereits ein recht weiter Blickfeld, 35mm sind klassisch gemäßigtes Weitwinkel ( der Blickwinkel des menschlichen Auges entspricht ungefähr 40mm Brennweite). Unterhalb der 24mm bewegt man sich im Superweitwinkelbereich. Meine Fujinon 10-24mm f/4 deckt umgerechnet auf Kleinbild einen Blickwinkel von 15mm-36mm ab. Canon hat ein fürs Vollformat gerechnetes 11-24mm EF Objektiv im Angebot, Nikon Nutzer schwören auf das Nikkor FX 14-24mm f/2.8 – 11,14 und 15mm sind extreme Weitwinkelstellungen, die man nicht unbedingt für Schnappschüsse nutzen sollte. Je weitwinkeliger ein Objektiv, um so größer werden Abbildungsfehler- insbesondere Verzeichnungen und Randunschärfe muss man bei vielen Objektiven in Kauf nehmen – entweder hat die kamerainterne Software diese Fehler gut im Griff oder man muss in der Nachbearbeitung einiges an Arbeit leisten.
    Ich empfehle, immer im RAW Format aufzuzeichnen, nichts erleichtert die Bildbearbeitung und Bildkorrektur mehr als dieses Format, wo die Sensordaten ohne Verlust gespeichert werden. Selbst jpeg Shooter sollten sich diese Option offenhalten – die Korrektur des Weißabgleichs ist bei einem jpeg kaum noch möglich, geschweige denn Farben, Lichter, Schatten und Schärfe/Rauschen zu korrigieren. Speicherkarten sind günstig und nicht genutzte Daten kann man auch nachträglich löschen.
    Island aus der Luft (6)
    Man sollte die Kamera wie auch die Objektive kennen, welche man nutzt. Es macht durchaus Sinn, sowohl die Möglichkeiten wie auch Grenzen der Gerätschaft zu erlernen. Welchen brauchbaren ISO Werte bietet die Kamera? Bei welchen Blenden erhält man die beste Abbildungsleistung? Man fotografiert in der Landschaftsfotografie eigentlich niemals mit maximaler Blende (ergo Offenblende), die Annahme möglichst starkes Abblenden zaubert möglichst scharfe Bilder ist aber eben so falsch. Die meisten Objektive am Markt bringen ihr beste Abbildungsleistung 1 bis maximal 3 Stufen abgeblendet. Abhängig vom der Sensorgröße liegt die ideale Blende in unterschiedlichen Bereichen – je größer der Sensor, desto größer der Spielraum. Mein Fujinon XF 10 -24mm f/4 erreicht zwischen f/5.6 bis f/8 die beste Abbildungsleistung. Bereits bei f/11 tritt Beugungsunschärfe auf, die noch tolerierbar ist. Jenseits von f/11 würde ich dieses Objektiv nicht einsetzen. Das 16mm f/1.4 bildet zwischen f/2 bis f/5.6 am stärksten ab. An Kleinbildsensoren können Weitwinkelobjektive in der Regel schmerzfrei bis f/16 genutzt werden – oftmals ist dieses starke Abblenden nötig, um die nötige Schärfe bis in alle Ränder zu zaubern. Mittelformatsensoren erlauben noch stärkeres Abblenden bzw. ist es unabdingbar.
    Nicht zu verwechseln sind Schärfeleistung und Schärfentiefe. Gerade in der Landschaftsfotografie ist eine durchgehende Schärfe vom Vordergrund bis zum Horizont erwünscht – hier spielt die gewählte Blende eine eher untergeordnete Rolle (außer das grundsätzlich abgeblendet werden muss) – das korrekte Fokussieren entscheidet, von wo bis wo ein Foto scharf erscheint. Die Lösung f/22 macht alles scharf, ist ein Irrtum, der nicht nur zu einem unscharfen Bild durch Beugungsunschärfe führt sondern bei Falschfokussierung dennoch keine durchgehende Schärfe gewährleistet.
    Hochland (69)
    Insofern es machbar ist, sollte man sich über einige Dinge Gedanken machen, ehe man zu fotografieren beginnt. Hat man vor Nachtaufnahmen zu machen, sollte man sein lichtstärkstes und weitwinkeligstes Objektiv aussuchen. Ein Blick auf das Wetter macht Sinn – Milchstraße oder Polarlichter sind bei bedecktem Himmel unmöglich. Auch die Location sollte durchdacht sein – Lichtverschmutzung durch Städte/Ortschaften stören massiv, was man selber nicht unbedingt sieht, macht die Kamera schnell sichtbar. Will man Sonnenauf- oder Untergang festhalten, ist es nicht nur ratsam, zur richtigen Zeit da zu sein sondern mindestens 30 Minuten früher. Die Himmelsrichtung ist ebenfalls entscheidend, wo die steht Sonne und wo stehe ich?
    Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht, hat man in aller Regel die ungünstigsten Lichtbedingungen – hartes Licht und lange Schatten führen zu faden Farben und wenig Stimmung. Daher sollte man – wenn möglich – diese Zeit meiden, allerdings gibt es auch da keine Verbote. Graues und Kühles Wetter sind nicht jedermanns Sache – in aller Regel erhält man aber sehr dramatische Bilder mit einem sehr speziellen Look, insbesondere wenn drastische Wolkenformationen teilweise von Sonnenlicht durchdrungen werden. Sich im Vorfeld mit den Bildern anderer Fotografen zu beschäftigen, vermag zuweilen gute Denkanstöße und Ideen zu vermitteln.

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