In diesem Beitrag möchte ich einige meiner genutzten Objektive vorstellen, ihre Stärken und Schwächen und wofür ich sie meist nutze. Es umfässt aufgrund der Möglichkeit des Adaptierens nicht alle Gläser, die ab und an an die Kamera geschraubt werden, ich habe auch eine Liebe zu alten Trioplan und Helios Optiken entdeckt. Doch dazu ein anderer Beitrag zu späterer Zeit.
Ich nutze überwiegend Objektive, die sich im Brennweitenbereich zwischen 16 bis 55 Millimeter bewegen. Mein Objektiv Fuhrpark deckt von 10mm bis 400mm nahezu alle Bereiche ab, wenngleich ich oberhalb der 200mm (oder genauer 230mm) ausschießlich analoges Altglas adaptiere. Das XF 100-400mm ist zweifelsohne ein Traum aber für meine seltenen Einsätze zu teuer und vor allem zu groß.
Als ich im November auf das X-System mit der X-T1 wechselte, habe ich mich bewusst gegen das kleine und leichte XF 18-55mm f2.8-f4 entschieden, weil für mich 18mm immer eine Brennweite darstellte, die nicht genug Weitwinkel bedeutete. Mancher mag es nicht glauben aber zwischen 16mm und 18mm liegen doch schon Welten. Obendrein bot das XF 16-55 f2.8 LM WR nicht nur höchste Abbildungsqualität sondern auch Widerstandsfähigkeit gegenüber Witterungseinflüssen – auf Island im Winter oder im Sturm durchaus sinnvoll. Gut 2 Jahre später besann ich mich eines Besseren und verkaufte die große Tonne und setzte doch auf das XF 18-55, da mit dem dem XF 10-24mm und XF 16mm alle Brennweiten unterhalb der 18mm bereits abgedeckt waren.
Mit Ausnahme der WR f/2 Optionen zum 23er 1.4 und 35er 1.4 sowie dem 56er 1.2 APD fand jedes Fujinon bereits einmal an eine meiner Kameras – geliehen, gekauft, verkauft, getauscht … Produktiv war das nicht, nebenbei teuer, aber die Erstklassigkeit konnte ich jedem Objektiv zusprechen. Für mich auf dem letzten Rang steht das 18mm f/2.
Der Staub auf den Linsen legt übrigens Zeugnis ab – man darf damit fotografieren 😉
XF 23mm 1,4
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Mein universelles Immerdrauf, wenn jemand eine Festbrennweite sucht und dabei weder zu weitwinkelig noch zu Reportage – oder Portrait – lastig agieren möchte, kommt an diesem Objektiv nicht vorbei. Erstklassig verarbeitet mit hoher (und nutzbarer!) Lichtstärke. Abgesehen vom optischen Verbrechen der Original Gegenlichtblende (diese habe ich wie man sieht ersetzt) ist dieses Objektiv ein universell einsetzbares Arbeitsgerät, dass sich für viele Sparten der Fotografie einsetzen lässt. Der Bildausschnitt entspricht 35mm an der klassischen Kleinbildkamera und ist somit am oberen Ende der Weitwinkelobjektive angesiedelt: Dies hält Verzerrungen bei Nahaufnahmen noch recht gering und sorgt für einen natürlichen Look. Die Nutzbarkeit bei Offenblende macht es attraktiv für Close Ups und Nachtaufnahmen, in der Landschaftsfotografie ist es für die Fotografen interessant, die nicht möglichst viel ins Bild zaubern wollen sondern selektiv den Fokus legen und reduziert arbeiten. Auch das manuelle Fokussieren weiß zu begeistern – hierzu schiebt man am Tubus den Fokussierring zurück und die Entfernungsskala erscheint, was einmal mehr das Retrofeeling des X Systems unterstreicht. Auch im Autofokusmodus kann manuell nachfokussiert werden, was in mancher Situation durchaus hilfreich ist – auch wenn es mit der X-T2 und ihren 325 möglichen AF Punkten fast unmöglich ist, den richtigen Punkt zu verfehlen. In aller Regel arbeitet dieses Objektiv an meiner Kamera mit Blenden zwischen 2.8 bis 5.6, in wenigen Fällen noch eine Stufe mehr geschlossen bei f/8 oder mit Makrozwischenring f/11. Wenn es um das Verlängern der Belichtungszeit geht, immer mit Graufiltern arbeiten, die Blende ist nur bedingt ein gutes Mittel um die Belichtungszeit zu korrigieren. Zwar arbeitet der kamerainterne RAW-Konverter sehr gut und reduziert Beugungsunschärfe, generell sind Fuji Objektive stark abgeblendet sehr anfällig für Beugunsunschärfe. Wie die meisten Fujinons bewegt sich die optimale Blende zwischen f4 und f/8. Das Objektiv ist nicht gerade günstig aber jeden Euro wert.
XF 27mm 2.8
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Das Objektiv das man schnell verlieren kann. Es war irgendwo so günstig, dass es es nebenbei kaufen musste, weil es „süß“ ist. An der T1 und der T2 hat man schnell den Eindruck, es wäre kein Objektiv an der Kamera. Es wiegt nichts, es ist ein winziges Pancake, das umgerechnet auf 35mm Kleinbild etwa 40mm Brennweite entspricht, ergo ein unauffälliges Reportage Objektiv. Ich nutze es selten, weil ich es erstens in meinem Kamerarucksack selten finde und beide Kameras irgendwie zu groß dafür sind. Ja, das schreit nach einem weiteren, kleineren Body, der im Verhältnis zur Objektivgröße steht – fast schon hosentaschentauglich. Es kann mit anderen Festbrennweiten der XF Linie nicht mithalten. Allerdings rede ich von einem hohen Niveau, wir reden von einem Objektiv, das bei zuviel Wind vermutlich davongetragen wird. Zu den Rändern hin ist ein Schärfeverlust ausfindig zu machen, der auch mit Abblenden kaum in den Griff zu bekommen ist. Für die Street – und Reportagefotografie ist dieser Fakt allerdings zu vernachlässigen. Leider glauben zu viele Fotografen und Technikfreaks heute, dass ein gutes Bild von Schärfe bis in alle Ecken geprägt ist. Wer mal ein Lensbaby Velvet 56mm offenblendig genutzt hat oder mit analogen Helios oder Trioplan Objektiven gearbeitet hat, weiß, dass ein gutes Bild weitaus mehr ist als nur scharf und ein gutes Foto in erster Linie Charakter und Botschaft braucht – Lomografisten würden noch viel weiter gehen in ihrem Kunst – und Ästhetikverständnis. Insgesamt ist das XF 27mm für kleines Geld ein klasisches Pancake mit Reportagecharakter, ideal für flüchtige Momente und Leichtgewichtsfanatiker.
XF 18-55mm f/2.8-f/4
XF_18_55
Das sogenannte Kit dürfte sich von so ziemlich jedem Kit Objektiv anderer Kamerahersteller unterscheiden und zwar deutlich nach oben. XF steht bekanntlich für die höherwertige Produktlinie im Fuji Objektivkosmos – also wenig Plastik, viel Metal, Robustheit – was auch für dieses Objektiv gilt. Mit dem XF 16-55 2.8 ist es nicht vergleichbar, gefühlt halb so groß, halb so schwer bei ähnlicher Abbildungsleistung. Ähnlich, entgegen mancher Behautpungen ist es dem großen Bruder nicht ganz gewachsen. Zwar sind die Unterschiede im finalen Bild nur noch schwer auszumachen aber sie existieren – bei einem Preisunterschied von ca. 500 Euro auch kaum verwunderlich. Allerdings bietet das 18-55 zwei Vorteile – Gewicht und Bildstabilisierung. Zwar „nur“ f/4 am oberen Brennweitenende (reguläre Kit Objetive fallen mit f/5.6 eine ganze Blende lichtschwächer aus) doch der Bildstabilisator gleicht etwa 3 Blendenstufen aus, was einen klaren Vorteil bei Freihandaufnahmen und längeren Belichtungszeiten ausmacht. Da ich in der Natur lieber mit Stativ arbeite und gern vergesse „OIS“ abzuschalten, könnte man auch von einem nutzerabhängigen Nachteil sprechen. Im Gegensatz zum XF 16-55 2.8 zeigt dieses Zoom Objektiv leichte Schwächen am oberen und unteren Ende der Brennweitenskala. Darum nutze ich es gern zwischen 25 – 35mm Brennweite, dort kann es mit 1 oder 2 Blendenstufen sehr gut mit dem schweren großen Bruder mithalten. Der 3fach Zoom bietet die Möglichkeit flexibler Einsätze, aber wie bei den meisten Zooms kann die Abbildungsleistung adäquater Festbrennweiten nicht erreicht werden. Also entweder mehr bewegen oder Kompromisse eingehen. 😉 Wer hadert, man kann mit diesem Objektiv nichts falsch machen, es ist ein klassisches Reiseobjektiv mit mäßigen Endweiten im oberen und unteren Brennweitenbereich. Gewicht und Preis sprechen für das Objektiv ebenso wie die Abbildungsleistung. Ich nutze es gern bei Ausflügen, eher selten für richtige Projekte – da setze ich dann doch lieber auf Festbrennweiten oder das Superweitwinkelobjektiv 10-24mm f/4.
XF 10-24mm f/4
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Natürlich, es gibt kein Leben ohne Superweitwinkelobjektiv bei Landschaftsfotografen. Ich schwöre, ich habe es probiert. 18mm, 16mm, 14mm – alles probiert. Doch ab und an muss es weiter sein. Am „Vollformatsensor“ waren 16mm „Pflicht“, wie sollte ich also mit dem XF14mm 2.8 zufrieden sein. Mit einem Bildausschnitt umgerechnet auf 35mm Kleinbild waren das 21mm – das ist nicht viel aber gerade auf Island an manchem Ort noch zu wenig. Das 14mm 2.8 war (und ist) großartig, eine Abbildungsleistung, die nicht zu schlagen ist. Als dann die Frage kam, wohin die Reise nach dem Verkauf des 14mm geht, gab es nur 3 Möglichkeiten: Zeiss 12mm, Samyang 12mm zum viertel Preis der Zeiss Linse oder das XF 10-24mm f/4 – ein Zoom mit „nur „f4, recht groß und mit optischen Bildstabilisator. 10mm bildstabilisiert? Klang spannend. Das teuerste der 3 Optionen, dafür flexibel, Updates von Fuji inkludiert und sicherlich in seiner Leistung unangreifbar. Ja? Halbwegs ja – das Samyang ist gut aber wirklich nicht der Sensorauflösung insbesondere der X-T2 gewachsen. Zeiss – überteuert, sorry liebe Nerds, es überzeugte nicht und wer weiß, dass Fuji ohnehin zu den führenden Herstellern von optischem Glas gehört, bezweifelt auch nicht das die hauseigenen Produkte perfekt auf die hauseigenen Kameras abgestimmt sind. Umgerechnet auf die 35mm Kleinbildkamera hält man ein 15-36mm Superweitwinkelzoom in den Händen. Ab und an las ich von Montagsobjektiven, Fehljustierungen und unscharfen Rändern. Ok, mancher kauft scheinbar nur Montagsobjektive und kommt nicht auf die Idee, dass die Fehljustierung eventuell in den eigenen Fähigkeiten steckt und nicht im Objektiv aber es mag ja dies und das geben. Mein XF 10-24 ist scharf bis in die Ränder – bereits bei Offenblende. Die ideale Blende sollte sich zwischen f/5.6 bis f/8 bewegen, f/11 ist noch annehmbar (wohlgemerkt RAW Format) stärker gekrümmtes Licht führt zu sichtbarer Unschärfe im gesamten Bild. Als Tipp – Schärfentiefe ist keine reine Frage der Blende sondern der hypofokalen Distanz. Wenn ein Superweitwinkelobjektiv bei 10mm nicht von der Nahstellgrenze bis zum Horizont scharf abbildet, dann liegt der Fokuspunkt (völlig) falsch – wenn alles scharf sein soll. Das Objektiv eignet sich nämlich auch hervorragend für Close Ups mit teilweise witziger Wirkung aufgrund der kleinen Nahstellgrenze. Kombiniert mit dem X16 Makrozwischenring (nur bei 24mm Brennweite) erhält man ein Fast-Makroobjektiv mit einer Nahstellgrenze von weniger als 1cm. Generell ist es aber ein Objektiv für Landschaftsaufnahmen, in denen Tiefe perfekt eingearbeitet werden kann. Ein 30cm großer Stein im Vordergrund wirkt auf einmal massiv und riesig gegenüber dem knackescharfen 2500m hohen Berg in der Ferne. Gepaart mit ausgesuchter Linie – bzw. Blickführung ermöglicht dieses Objektiv unglaublich viele kreative Szenen, die mit anderen Brennweiten unvorstellbar sind. Im oberen Brennweitenbereich fällt die Abbildungsleistung etwas ab, ich nutze das Objektiv in aller Regel zwischen 10 – 15mm.
XF 16mm f/1.4
XF_16mm_1.4
Wetterfestes Weitwinkel mit Lichtstärke 1.4, vielleicht neben dem 23mm 1.4 und 56mm 1.2 die beste Festbrennweite im Fuji Angebot der letzten Jahre. Entsprechend dem Bildausschnitt eines 24mm Objektivs an der 35mm Kleinbildkamera hält man hier einen Hauch Königsklasse in der Hand. An einer digitalen „Vollformatkamera“ würde man ein mächtiges Stück Glas sitzen haben, das mehr wiegt als die Kamera. Spiegellose System haben ein deutlich geringeres Auflagemaß und ermöglichen somit den Bau lichtsstarker Objektive mit vergleichsweise geringem Gewicht und geringer Größe. Das 16mm 1.4 ist perfekt an der T1 und T2, der Autofkokus arbeietet enorm schnell und treffsicher. Es ist das perfekte Objektiv für größtmögliche Abbildungsleistung, etwa gleich dem 23mm 1.4 aber deutlich weitwinkeliger, was die Einsatzmöglichkeiten für mich etwas mehr einschränkt – Natur, Landschaft und aufgrund der Nahstellgrenze und des Freistellungspotentials sind Nahaufnahmen (Blüten, Pilze usw.) sehr gut machbar. Für Nachtaufnahmen istes es natürlich deutlich besser noch geeignet als das 23er, da dieselbe Lichtstärke mit deutlich geringerer Brennweite längere Belichtungszeiten zulässt um z. B. Sternenstreifen zu vermeiden. Ich nutze es dennoch selten, weil es ein Objektiv für besondere Zwecke ist und der stolze Preis von etwa 1000 Euro auch nach sorgsamen Umgang schreit. Aber es ist sein Geld wert, ich kenne kein Objektiv in den letzten 5 Jahren, das in diesem Brennweitenbereich eine derartig hohe Qualität zaubert. Auch bei Offenblende kann man es bedenkenlos nutzen .
XC 50-230mm f/4.5-f/6.7
XC_50_230
Die Lichtstärke dieses in Plastik gepackten Teleobjektivs ist nicht diskutabel – ein Teleobjektiv das teilweise für deutlich unter 300 Euro verkauft wird, muss irgendwo in seinen Nennwerten klare Nachteile haben. Dieses Objektiv ist mit Abstand am lichtschwächsten vom 50mm Bereich bis zur 230mm Grenze. An der 35mm Kleinbildkamera reden wir von einem Bildausschnitt von 75mm bis 345mm. Lichtarme Umgebung ist also nicht ratsam. Zwar kann man bei Fuji mit hohen ISO Werten manche Blendenstufe relativ verlustfrei kompensieren, doch das gilt nicht immer. Der Bildstabilisator arbeitet gut mag 1/100Sek bei 230mm kompensieren, aber zum Beispiel ein laufendes Pferd ist dennoch in Bewegungsunschärfe eingetaucht. Für ernsthafte Ambitionen ist es nicht geeignet, aber für Close Ups und mal ein schnelles Vergrößeren fern entfernter Objekte kann man es sehr gut nutzen bei ausreichend Licht. Trotz seiner schwachen Lichtperformance steht die Abbildungsleistung seinen größeren Geschwistern in nichts nach. Es ist ein nice to have Objektiv, hier fehlen momentan auch noch Alternativen – das XF 100-400 kostet richtig viel, ist groß und schwer. Das XF 50-140 2.8 ist kein Supertele und verliert mit 1.4x oder 2x Konverter auch 1 oder zwei Blendenstufen. Das angekündigte XF 200mm f/2 sollte preismäßig deutlich über dem XF 100-400 liegen und nebenbei auch genug Platz für ein kleines Wohnzimmer zwischen den Linsenelementen liefern. Also, besser beharrlich warten, Fuji wächst. 😉
Man braucht natürlich auch nicht alle Objektive. Jeder weiß, Festbrennweiten sind leistungsstärker als Zooms, oftmals lichtstärker. Je mehr Objektive man hat, um so schwerer macht man sich das Leben. Man hadert, will maximal 3 Objektive mitnehmen, packt dann doch alle ein um nach der Reise festzustellen, dass man nur 2 nutzte. Aber es gehört immer auch etwas Pathos und Leidenschaft hinzu, man möchte probieren und seine persönlichen Brennweiten finden. Der momentane Fuhrpark kommt mir passend vor und das Konto wird es mir danken, dass nach 2,5 Jahren Suche und Probe so etwas wie mein passendes Equipment gelungen ist.
Viele Bilder mit verschiedenen Fujinons findet ihr auf meiner 500px Seite.
Fragen und Kommentare sind gern gesehen oder gelesen 😉

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