Down
Etwa 6 Wochen ist es nun her, dass ich Facebook nach etwa 6 jähriger Mitgliedschaft den Rücken zukehrte. Nicht etwa eine zeitweise Deaktivierung des Kontos sondern konsequente Löschung. Und nein, die jüngsten „Datenskandale“ waren nicht ausschlaggebend, bestenfalls das i-Tüpfelchen auf einem großen Haufen kritischer Eindrücke, welche ich insbesondere in den letzten 3 Jahren sammelte. Ich weiß nicht wie oft ich den „Account löschen“ Button schon anvisiert hatte und doch immer wieder Gründe erfand, das ganze virtuelle Dasein am Leben zu erhalten. Vor 2 Jahren zwang mich Facebook, meinen echten Namen preiszugeben. Hätte das Unternehmen auch noch das Publizieren meiner Adresse, Telefonnummer und meines Geburtstags erzwungen um den Account nicht zu verlieren, wäre damals bereit Ende gewesen. So arrangierte ich mich damit nochmals aber das wirkliche Kopfzerbrechen bereiteten mir andere Dinge.
Nun gibt es etwa so viele Motivationen, Facebook (oder andere soziale Netzwerke) zu nutzen wie Facebook Nutzer. Und die meisten Gründe waren und sind für mich völlig abwegig. Ich wollte weder Kollegen in der Freundesliste noch mir von Herbert und Jule aus Berlin oder James und Hilary aus New York irgendein Alltagsgeschwätz über Gottes Allmacht oder Klopapier Qualitätsmanagement in der Timeline durchlesen. Obendrein die nervige Werbung, die perfekt auf mich zugeschnitten war – bei den Göttern, ich und Audi, ich und Leica, ich und Irland. Immer am Ziel vorbei und die Frage aufwerfend – welche Algorithmen wenden die bei einem an, der faktisch keinerlei Angaben über sich machte –  Facebook hatte ein sichtliches Problem, meine religiöse Zugehörigkeit beim Maldoror Nihilism Circle in zielgruppenorientierte Werbung zu dekodieren. Immerhin erkannte Facebook, dass ich irgendwas mit Fotografie zu tun habe. Das ergab sich durch das Posten nicht weniger Bilder – in meiner Timeline, in diversen Fotogruppen und auf meiner Daniel Vorkauf Photography Seite, von der ich mir erhoffte, weniger Freundschaftsanfragen ablehnen zu müssen.
Nachdem einige Bilder von mir im Digital SLR Photography Magazine Print Magazin inklusive Frontcover erschienen, erlebte ich eine bis dato noch nie erlebten Push. Früher hatte man einen enormen Zulauf auf 500px,wenn eines der eigenen Bilder einen sogenannten Editors Choice erhielt. Aber das war neu. Jeden Tag 50 Freundschaftsanfragen oder mehr, Abonnementen und vor allem auf meiner Foto Seite stieg die Zahl von mageren 5000 nun im Lauf der kommenden Monate auf 25000 an. Für ein Titelbild und eine Din A4 Seite in einem Printmagazin. Das schmeichelte dem Fotografen – aber bitte, geht mal in einen Fotoladen und sagt, ich möchte mein neues Equipment mit geschmeichelter Seele bezahlen. Gleichzeitig brachten die neuen Follower auf Facebook, Instagram im Großen und Ganzen: Nichts. Außer einen extrem großen Anspruch, die virtuelle Welt mit mehr und mehr Bildern zu bedienen. Klar gab es Resonanz – Anfragen, ob ich Workshops anbiete,  ob ich die fotografische Reisebegleitung bei professionellen Islandreisen sein möchte oder Reviews zu Filtern, Print Anbietern schreibe- dies und das – alles immer gegen Erstattung der Unkosten oder – o – Ton – for more popolarity. Na Servus, von Popularity kriege ich eben auch kein Equipment bezahlt. Da begann bereits das große Hadern  – Handlanger oder wie heißt es heute „Ambassador“ für irgendwas – für ganz umsonst aber mit more Popularity. Nein, ich träumte nie vom Geld verdienen durch Fotografie aber noch weniger to be an Abassador. Fotografie soll ja auch Spass machen ohne finanzielle Interessen, davon ging ich zumindest immer aus.
Was mir aber am heftigsten aufstieß, war ein neues Kuriosum im Hause Facebook – meine Fotografie Seite mit zum Schluss über 30000 Followern erreichte plötzlich keine Leute mehr. Ein neuer Algorithmus sorgte dafür, dass man für Gesehenwerden nun zahlen sollte – „Likes kaufen“ – der Irrsinn schlechthin. Nicht nur ich litt zuweilen an Schnappatmung, auch andere sehr gute Fotografen, völlig gleich ob aus dem Amateur, semi- oder professionellen Bereich – plötzlich hieß es, „Zahle 5 Euro um 10 Leute zu erreichen“ – bitte? Natürlich ging auch „Zahle 1000 Euro und erreiche 10000 Leute“ – mit welchem Zweck bei privaten Nutzern? Somit war das Thema Fotografie Seite durch. Facebook sah das natürlich anders und bombardierte mich mit Werbung für Selbstwerbung – Seitenmanager App und sonstige Werkzeuge sollten mich noch poulärer machen und Facebook etwas reicher.
Meine private Seite hingegen verlor für mich ebenfalls zunehmend an Reiz. Da ich kein Interesse an Chats mit Fremden hatte, quoll der Messenger über. Der flog als erstes vom Handy, mein Androide wurde förmlich leergesaugt durch die Mitteilungsfreudigkeit irgendwelcher Leute von irgendwo. Das ist nicht arrogant gemeint, sondern ehrlich. Ich bin nicht der Typ für Smalltalks und ich brauchte auch keine gebetsmühlenartigen Lobgesänge und tausendmal dieselbe Frage, ob Fuji besser ist als Canon oder Nikon. Die Leute die mir wichtig sind, die sind es im echten Leben und sollten es auch nur da sein. Klar gab es Leute, die man real kennen und schätzen lernte – diese sind auch geblieben, dazu braucht es kein Facebook.
In der endlosen Informationsflut war ich letztendlich in irgendeiner Form überfordert oder einfach zu bequem, ständig zu filtern und mir einzureden, es gibt auch nützliche Seiten bei Facebook. Ja, die gibt es. Für mich aber dominierten die negativen Punkte absolut – Die Masse der (für mich) inhaltsfreien Beiträge, die teilweise katastrophalen Mentalitäten einiger Minusseelen, die ihren Frust wohl gern in Social Networks ablassen, das Ausgesetztsein den Facebook Vorgaben und „Gesetzen“ gegenüber und natürlich auch immer das Gefühl ewiger „Spionage“ machten es zum Schluss spontan sehr einfach. Gleichzeitig verabschiedete ich mich aus Instagram – Social Media im Miniformat mit Minibildern und Followerakrobatik. Ich vermisse nichts. Im Gegenteil, es befreite und halt mir vor allem, mich auf meinen Blog hier zu besinnen. Hier kann ich nach meinem Maß und Anspruch gestalten und lenken und bin nicht 24 Stunden irgendwelcher Werbung und leeren Worthülsen ausgesetzt. Ich selektiere gern – im Großen und Kleinen und Facebook machte dies unmöglich.
Seitdem lebt mein Handy Akku länger, ich kann mich auf das Wesentliche beschränken und bin ohne Facebook virtuell weit besser aufgestellt als mancher glauben möchte. Niemand hat es nötig – oder sollte es nötig haben – für Anerkennung zahlen zu müssen. Und niemand braucht die Gunst irgendwelcher Leute,die er/sie nicht kennt. Für mich ist Facebook (auch andere) auf dem besten Weg, Menschen in eine virtuelle Scheinrealität zu führen. Gegen Bezahlung. Oder Preisgabe aller privaten Informationen. Ein Preis, den ich nicht mehr bereit bin zu zahlen.
Just my 2 or 3 Cents.

 

#Facebook #Daniel Vorkauf #Fujifilm

 

 

 

3 Replies to “A life without Facebook”

  1. Du hattest echt die Möglichkeit, dir Likes zu KAUFEN? So viel zu „Facebook ist und bleibt kostenlos“ … das ist ja unglaublich! Ich kann dich gut verstehen. Ich war anfangs FB-Fan und bin auch schon recht lange dabei, aber seit ein paar Monaten bin ich nur noch genervt, weil mir die sonderbarsten Dinge angezeigt werden und ich gar keinen richtigen Einfluss mehr darauf habe, was mir in der Timeline gezeigt wird. Facebook ist eh out – die nächsten Generation nutzt es schon kaum mehr. Die haben sich verzettelt. Schade eigentlich.

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    1. Hi,
      ja nicht im privaten Profil sondern wenn Du Dir eine separate Seite einrichtest, gleich ob kommerziell für Produkte oder eine private Fotoseite – Traffic gegen Bezahlung. Ergo mehr Besucher, mehr Follower, mehr Likes. Kostenlos ist dann, wenn man es nicht nutzt. Mir fiel es nur auf, weil ich eine vergleichsweise hohe Followerzahl hatte, aber früher mal 500 Likes bei 5000 Followern und plötzlich 50 Likes bei 30000 Followern. Und Geld ausgeben für Likes ist so ziemlich das absurdeste, was ich mir vorstellen kann. Aber offenkundig funktioniert es – immer wenn Du „gesponsert“ liest, hat einer gezahlt, dass sein Beitrag weiter und vor allem sichtbar gestreut wird.

      Ja, es wachsen FB Alternativen – aber oftmals mit starken Abstrichen und wenn eine entsprechende Größe erreicht wird, entstehen sicherlich wieder ähnliche Vermarktungsstrategien. Das war schon bei last.fm – einem Social Music Network. Nichts für freie Geister 😉

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      1. Ja, das hab ich schon verstanden, dass das keine private Seite bei dir war 🙂 Trotzdem SEHR sonderbar für Likes zu zahlen … so wird man dann zur Medienschlampe 😀

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