Bildrauschen Fujifilm X-T2 / X-T20

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XF_16mm_1.4

Man findet heute keine Reviews und Nerdseiten ohne ausführliche Diskussionen bezüglich des Bildrauschens verschiedener Kamera- bzw. Sensortypen, wann wo wie die Dynamik einbricht, ob ein hohes Grundrauschen, ein exorbitantes Farbrauschen oder bildvernichtendes Kontrastrauschen vorliegt. Die Fullframe Fraktion beschwört dabei gern gebetsmühlenhaft die Vorteile des Vollformatsensors, der ja dem Halbformat in allen Bereichen haushoch überlegen sei. Ich hatte bereits hier einige Worte zum Bildrauschen des X-Trans Sensors verloren – mich über die Relativität von Vergleichen geäußert – warum der X-Trans II der Fujifilm X-T1 mit 16 MP Auflsöung tatsächlich ein gleich gutes Rauschverhalten aufweist wie der 24 MP Sensor der Canon 5 DM III mit Vollformatsensor – ergo Rauschverhalten in Relation zur Sensorgröße.
Nachdem Fuji sich entschloss, den X-Trans III Sensor mit 24 MP zu bestücken, war die Sorge groß, dass das enorm gute Rauschverhalten des Vorgängers zu Gunsten einer höheren Pixeldichte, ergo Auflösung, schlechter wird. Die ersten Kritiken konnten diese Sorge allerdings sofort wegwischen – besseres Rauschverhalten sogar als der Vorgänger trotz der 8 MP mehr Auflösung bei gleicher Sensorgröße. Natürlich, es gibt mehr Faktoren als Auflösung/Pixeldichte und Sensorgröße in Relation zu setzen. Dies bedeutet, dass unter anderem das Material zur Datenverwertung eine Rolle spielt, ob man auf Kupfer oder Aluminium setzt, wie schnell sich der Sensor erwärmt und last but not least die Gesamtleistung des Prozessors. Somit sind Behauptungen, der Kleinbildsensor im 24x36mm Format wäre dem Halbformatsensor per se überlegen, schlichteg falsch. Ich erinnere an meine Sony A7 (erste Generation), die nicht nur nicht weniger rauschte sondern vor allem hässlicher rauschte.
Hässlicher? Ja! Es gibt nicht das eine Bildrauschen – Bildrauschen fällt im Ergebnis unterschiedlich aus – in Stärke und Art des Rauschens. Und hier beweist Fujifilm einen entscheidenden Unterschied zu vielen anderen Kameraherstellern – das Bildrauschen – auch im hohen ISO Bereich – fällt so feinkörnig aus, dass es je nach Motiv sogar einen richtigen Flair besitzt, den man in seine Bilder bewusst integrieren kann.
Moderne Kameras mit Halb – oder Vollformatsensor weisen im Jahr 2018 in aller Regel zwischen ISO 100 bis ISO 1600 ein sehr gutes Rauschverhalten auf – was die Leistung von Sensor bzw. Kamera anbelangt. Das meiste Bildrauschen wird nicht durch die Kamera, sondern durch den Nutzer erzeugt. Es gibt nur eine Regel, welche das Rauschen geringst möglich hält: Korrektes Belichten. Die guten Rauscheigenschaften eines Sensors sind obselet, wenn der Fotograf falsch belichtet. Die größten Schwächen leisten sich digitale Sensoren im Bereich der Tiefen und Schatten. Wenn Bildbereiche zu dunkel sind und von der kamerainternen Software oder in der Nachbearbeitung aufgehellt werden müssen, entsteht meist katastophales Bildrauschen, was dann selbst bei ISO 100 oder ISO 400 schon markant in Erscheinung tritt. Bei ausgewogenen Lichtverhältnissen tritt dieser Fall selten ein, es sei man beherrscht das kleine 1×1 überhaupt nicht. Sobald aber zum Beispiel der Himmel sehr grell und der Wald sehr dunkel ist und man darauf achtet, dass der Himmel nicht weiß (ausgebrannt) erscheint, versackt der Wald schmenhaft in Schwarz. Je nach Dynamikumfang der Kamera und Schwere der Unterbelichtung wird das Aufhellen des Waldes unsägliches Bildrauschen mit sich bringen – Verlust von Details und Kontrasten, Farbabweichungen bis hin zum puren Pixelbrei. Zwar haben einige Kamerahersteller inzwischen Sensoren am Start, überwiegend auf Sony Technologie basierend, welche bis zum einem recht hohen Grad unterbelichtete Bereiche relativ rauschfrei wiederherstellen können (hier hat Canon bis heute massive Defizite), doch generell gilt – je korrekter belichtet, um so geringer das Rauschen.
Anders verhält es sich im HIGH ISO Bereich, hier wird bei vielen Kameras selbst bei korrekter Belichtung schnell ein massivr Qualitätsverlust sichtbar – zumindest in der 100 % Ansicht – ergo Großdrucke dann auch unmöglich macht. Ganz gleich, nach welchem Prinzip die Restlichtverstärkung funktioniert (Fuji arbeitet ISO-los, praktisch heißt das, man fotografiert immer mit ISO 200 und die Kamera verstärkt das ISO Signal nachträglich auf den eingestellten Wert), ab einem gewissen ISO Wert verliert die Kamera die maximalen Leistungswerte – der Dynamikumfang fällt ab (zum Beispiel nur noch 8 oder 7 statt 10 Blendenstufen Dynamic Range bei ISO 6400 statt ISO 100), Farbabstufungen und Details versinken im Brei, die Bilder sind sehr kontrastarm und in aller Regel beginnt ab ISO 12800 oder mehr das experimentelle Knipsen, insofern die Kamera nicht einzig auf HIGH ISO Werte optimiert ist wie zum Beispiel eine Sony A7s. Das heißt nicht, dass man extrem hohe ISO Werte nicht nutzen kann – ein Bild mit ISO 25600 kann je nach Kamera gedruckt werden – allerdings sollte der Ausdruck dann maximal Postkartengröße oder kleiner entsprechen.
Doch nun zu den Test Bildern mit der Fujifilm X-T2
Die Bildergebnisse sind der der X-T20 sicherlich sehr ähnlich, eigentlich könnte man den Test für alle Kameras mit X-Trans III Sensor nutzen. Zwar gibt es von Modell zu Modell kleine Abweichungen, doch die sind so marginal, dass es keine direkte Trennung des Kameramodells braucht.
Fotografiert habe die Frontseite dieser Schallplatte von Lebanon Hannover wegen der feinen Texturen im Papier, etwas Grafik und Schrift. Als Objektiev diente mir das XF 18-55 mit gleicher Brennweite bei allen Bildern und Blende f/8. Eingestellt wurde in vollen ISO Stufen: 200 – 400 – 800 – 1600 – 3200 – 6400 – 12800  mit Selbstauslöser auf Stativ.
Die Bilder sind unbearbeitet, lediglich die automatische Belichtungskorrektur wurde angewendet. die Bilder sind weder nachgeschärft noch wurde entrauscht – es sind also fast reine RAW Dateien als JPEGS exportiert in Vollauflösung. Der schöne Sensorfleck darf ignoriert werden, hier steht eine professionelle Reinigung an.
200_ISOISO 200
400_ISOISO 400
800_ISOISO 800
1600_ISOISO 1600
3200_ISOISO3200
6400_ISOISO 6400
12800_ISOISO 12800
Kurz und knapp – phänomenale Ergebnisse. Selbst ohne Rauschreduktion sind die Ergebnisse fabelhaft. Bis ISO 3200 ist die Leistung gnadenlos. Aber selbst ISO 6400 und selbst ISO 12800 liefern noch gute Ergebnisse, die mit wenigen Einschränkungen nutzbar sind.
Im zweiten Teil Beispiele mit Text:
200_ISO_FontISO 200
800_ISO_FontISO 800
1600_ISO_FontISO 1600
12800_ISO_FontISO12800
Nun gut, offenkundig habe ich die automatische Belichtungskorrektur nicht überall durchgeführt – nichtsdestotrotz sieht man auch hier sehr gute Ergebnisse, die erst ab ISO 6400 sichtbar nachlassen aber noch immer auf einem guten Niveau liegen – genau genommen kenne ich keine Kamera mit Halbformatsensor, die solche Ergebnisse liefert. Selbst die Sony A7 oder Nikon D750 können bestenfalls mithalten bei deutlich größerem Sensor.
Für mich sind diese ISO Werte zugegebermaßen Spielerei, ich kann mich an keine Shootings erinnern, wo ich jenseits der ISO 3200 fotografierte – abgesehen vom unbeabsichtigen Verstellen der ISO an der X-T1. Grundsätzlich – bei richtigem Belichten – gilt: Die X-T2 und X-T20 kann man uneingeschränkt bis ISO 3200 nutzen und dementsprechende Großdrucke realisieren. Innerhalb des Spektrums von ISO 3200 bis ISO 6400 kann man mit guter Entrauschsoftware wie zum Beispiel dieser hier sehr gute Ergebnisse mit wenig Detailverlusten erreichen. ISO 12800 bringt zwar beachtliches Ergebnisse, allerdings würden hier maximale Druckausgaben einige Qualitätseinbußen deutlich machen. Für kleinere Prints ist aber auch ISO 12800 problemfrei anwendbar – wenn man denn solche Werte braucht.
#fujifilm #fuji X-T2 #fuji X-T20 #Bildrauschen # Noise #Daniel Vorkauf #X-Trans Sensor #Review

 

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