Fujifilm & 7Artisans 35mm f/1.2

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7artisans (21)

Zugegeben, ich habe ab und an auch Bedenken bzgl. des recht unüberschaubaren Marktes an modernen Analogobjektiven made in China. Diverse Hersteller mit wenig Bekanntheitsgrad oder wenige Hersteller mit diversen Vermarktungsnamen stellen inzwischen eine Unzahl kostengünstiger Festbrennweiten zur Verfügung, die meist vergleichsweise lichtstark sind und nur einen Bruchteil der Fuji Originale kosten. Ohne Autofokus natürlich aber dennoch interessant genug da Brennweiten zwischen 12mm bis 80mm angeboten werden.
Nun stellt sich schnell die beinahe philosophische Frage – Altglas mit Adapter oder Neuglas mit X Bajonett. Altglas ist nicht zwangsläufig günstiger – im Gegenteil – sucht man nach den legendären Objektiven wie z. B. Meyer Görlitz Trioplan, ist man je nach Zustand der Linse 200 oder 500 oder mehr Euro los. Eine Unzahl massenproduzierter Festbrennweiten bekommt man zwischen 20 bis 100 Euro – ich denke an Porst Color, Helios Tonnen oder diverse Domiplans. Ein FD 55mm f/1.2 L kostet heute noch immer ein kleines Vermögen und manches Zeiss Objektiv trotzt Zeit und Raum und bewegt sich jenseits der 1000 Euro. Ergo, die besonderen alten Objektive sind nachwievor recht teuer und „Massenware“ mag für Einsteiger in manuell Fokusfotografie geeignet sein, ansonsten ist sie nicht mehr wirklich relevant. Ausnahmen wie das Helios wegen seines Swirly Bokehs bilden dabei die Ausnahme, sind aber auch nur für Bokehfetischisten von Interesse.
7Artisans geistert nun schon länger in einschlägen Internetportalen und war für mich keine Option – 35mm f/1.7 oder 50mm f/1.8 und all das – uninteressant trotz der preislichen Blutgrätsche verglichen mit den Fujinon AF Objektiven. Zeitgleich mit dem großartigen MEIKE 85mm f/2.8 1,5:1 Makro kam das 7Artisans 35mm f/1.2 bei mir an. Klar – 118 EUro für ein f/1.2 Portraitobjektiv – das ist nun so günstig dass es schlimmstenfalls als Spielzeug dienen kann. Für die Technik Nerds und Vollformatler – auf Kleinbild gerechnet erhält man einen Bildausschnitt von 52 mm mit einer Bokehwirkung von f/1.8 bei Offenblende. 35mm ist an sich noch weitwinkelig doch der Crop Faktor am Halbformat macht es für Portraits sehr interessant. Die Nahstellgrenze beträgt 35cm, somit hat es keine Ambitionen als Makro zu dienen. Portrait, Street und Lowlight sind damit aber gut zu machen.
Was hält man in der Hand?
Nun, von der Größe liegt es irgendwie zwischen dem XF 27mm und XF 18mm. Neben dem XF 23mm f/1.4 wirkt es winzig klein. Optisch ist es eine Augenweide – Vollmetall, recht schwer aber an der Kamera absolut unauffällig. Es sitzt fest am Bajonett. Die Blende wird stufenlos verstellt (markiert sind volle Blendenstufen bis f/16), an der Front befindet sich der Scharfstellring – dieser geht leicht aber rotiert nicht. Der Widerstand ist sehr feinfühlig und sanft. Front – und Rückdeckel sind natürlich auch dabei. Anders gesagt – von 118 Euro keine Spur – es wirkt sehr wertig.
Und was kann man erwarten?
Die folgenden Beispielbilder sind jpegs direkt aus der Kamera. Aufgenommen wurde mit f/1.2 f/1.4 f/2 f/2.8 f/4 und f/5.6 – ich habe noch kene detailierten 100 Prozent Ansichten am Monitor vorgenommen, doch seht selbst:

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Bei f/1.2 wie zu erwarten ist der Schärfebereich sehr klein (alle Bilder sind etwa bei 35cm Abstand zum Motiv aufgenommen), das Bild wirklich verträumt weich, das Bokeh ist sehr ausgeprägt. Ein Augenschmaus genau genommen. Erst bei f/4 ist nahezu die komplette Kamera (X-T2 mit XF 23mm f/1.4) scharf und das Bokeh weniger weich ergo die Freistellung etwas gringer. Die Schärfe im Bildzentrum ist bei f/1.2 gut, ab f/2 sehr gut und zwischen f/2.8 und f/5.6 hervorragend. Aufgrund des schönen Bokehs und der Freistellung sind Blenden zwischen f/2 und f/2.8 meist der beste Zwischenweg. Aber auch offenblendig schlägt es sich zumindest für diesen Preis fantastisch. Der Unterschied zwischen f/1.2 und f/1.4 ist bereits recht groß bei der Maximalblende eines Objektivs.
Farbsäume und andere Schwächen konnte ich an den jpegs nicht ausmachen, hier werde ich zu gegebener Zeit eine „RAW“ Analyse nachreichen. Bisher kann ich keine exorbitanten Schwächen erkennen – selbst bei Offenblende ist kaum Vignettierung auszumachen, das ist fast schon außergewöhnlich und beherrscht z. B. das XF 35mm f/2 nicht. Dafür eben kein Autofokus aber wer einmal die Freude am manuellen Fokussieren entdeckt, wird den AF am wenigsten vermissen.
Hier noch ein paar Beispiele für die Leistung des Objektivs – ebenfalls aus der Kamera ohne jedwede Nachbearbeitung:
Es wurde mit Blenden von f/1.2 bis f/4 probiert – scharfgestellt wurde entgegen alter Sitte nicht auf ein Auge sondern die Nase.
Kurzum – 118 Euro ist fast schon ein Witz sowohl was Lichtstärke, Haptik und Bildergebnisse anbelangt. Und ehe man Geld für ein 35mm f/1.7 ausgibt oder 50mm f/1.8 – legt die paar Euro drauf und greift bei diesem Teil zu. Eine klare Empfehlung für Bokehfetischisten und Leute, die gern mit Fokuspeaking ganz individuell mit Schärfe, Schärfentiefe und Freistellung arbeiten.
#fujifilm #7artisans #35mm f/1.2 #daniel vorkauf #review

2 Replies to “Fujifilm & 7Artisans 35mm f/1.2”

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