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Ich tue mich unsäglich schwer, hier in diesen Gefilden mit der Landschaftsfotografie voran zu kommen. Es ist nicht so, dass es nichts sehenswertes gibt allerdings ist alles Sehenswerte allzuoft von Sehensunwerten Dingen umgeben – Stromleitungen, Schornsteine, Gebäude, Straßen – durch und durch vom Menschen verbautes und durchkultiviertes Land. Hier zwischen Spessart, Odenwald und Taunus ist es nahezu unmöglich, Nachtaufnahmen ohne Lichtverschmutzung aufzunehmen. Man schätzt die entlegenen Orte um so mehr, je besser man die heimischen Gefilde erforscht. Ich finde selbst nach dem Start des Fliegers den Blick über die Landschaft aus großer Höhe schrecklich – enorme Landschaftsstriche sind sortiert, geebnet, nicht einmal mehr kleinere Wälder wirken natürlich sondern zurechtgestutzt.
Darüber kann man permanent klagen und die Lust am Fotografieren verlieren oder aber man ändert wie so oft im Leben seine Perspektive. Nachdem ich mich ja jahrelang für maximalistisch unbegabt im Bereich Nahaufnahmen und Makros hielt, hat meine Begeisterung dafür in den letzten Wochen fast schon kindlich Züge angenommen – weil am Ende immer etwas herauskam, das ich für unmöglich hielt. Immer gilt – technisches Wissen/Können ersetzt nicht Kreativität und Feingefühl. Obendrein ist der Mikro – äh Makrokosmos gefühlt ein nahezu unendliches Universum.

Holzbiene

Was mir persönlich der größte Gewinn ist, ist weniger der fotografische Anteil (also das kaum sichtbare sichtbar zu machen) als vielmehr die Erkenntnis, wie unfassbar vielfältig und raffiniert die kleine Welt ist, dass Größe in überhaupt keinen Maßstab zu etwas zu setzen ist. Viel eher lebt oder existiert alles in seinem eigenen Kosmos und Kreislauf. Bis auf den Menschen, der tunlichst jeden Kreislauf zu manipulieren und zu beherrschen versucht, bis er sich eines Tages selbst aus dem Kreislauf dieser Welt herausjustiert hat. Das ist angesichts der globalen Verwerfungen auch nicht die schlimmste Nachricht, denn das Ende mit Schrecken ist dem Schrecken ohne Ende immer vorzuziehen. Doch zurück zu den Makros – gerade für jene, die Insekten gegenüber mit Ekel begegnen, können in dieser Sparte der Fotografie eine Schönheit entdecken, ja oftmals eine Vollkommenheit, für die das Auge blind ist. Wie oft sehe ich nicht nur Anatomie sondern Kunst im Körper einer Fliege, einer Wanze oder Biene. Wie schnell sieht man, dass es nicht die eine Gattung Biene oder Fliege ist, dass es nicht die eine Libelle und nicht nur 3 Arten Spinnen gibt. Insekten machen die Perfektion der Natur oftmals sichtbarer als man sie anderswo erkennen kann. Vielleicht findet der Eine oder Andere Zugang zur Frage, warum das Totschlagen von Insekten, das Einsetzen von Insektenvernichtungsmitteln durchaus verwerflich ist – isnbesondere wenn es um das Töten aus niederen Gründen geht. Bereits das Projekt Maria Zerfall fragte recht passend – Ich schlage eine Fliege tot – wer schlägt mich tot?

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Und technisch gesehen? Was ist ratsam?
Wer in die Makrofotografie einsteigen möchte, kann dies in aller Regel über 3 Wege machen – Er/Sie setzt auf Achromaten/Nahstelllinsen oder Zwischenringe, auf Umkehrringe oder Makroobjektive. Ratsam ist, zu Beginn die Ansprüche nicht zu hoch anzusetzen. Daher kurz einige Vor – und Nachteile der verschiedenen Arten um Makrobilder zu verwirklichen:
Nahstelllinsen:
Nahstelllinsen bestehen aus optischen Glas, welche man an der Front des Objektivs anschraubt gleichsam einem anderen Filter. Nahstelllinsen haben keinen Einfluss auf die Sensor- bzw. Schärfeebene, man könnte auch sagen, dass sie wie eine aufgeschraubte Lupe funktionieren. Daher wird ihre Stärke ähnlich wie bei Brillengläsern in Dioptrin angegeben. Je größer die Diotrinzahl, desto näher kann man an das Objekt heran und erreicht damit einen größeren Abbildungsmaßstab. Allerdings sollte man sich davon keine Wunder erhoffen. Die Dioptrinzahl bestimmt die Nahstellgrenze – die Brennweite des Objektivs spielt dabei keine Rolle. Dieselbe Nahstelllinse hat bei 18mm wie auch 200mm Brennweite dieselbe Nahestellgrenze.
Vorteil:
Kostengünstig, keine Einschränkungen der Autofokusfunktion, wenngleich der Autofokus langsamer arbeiten kann.
Nachteil:
Kostengünstig, dafür recht herber Eingriff in die Abbildungsqualität des Objektivs. Beim Kauf von Nahstelllinsen ist auf Echtglas achten, ebenso sollten sie achromatisch konstruiert sein um Abbildungsfehler so weit wie möglich zu reduzieren. Sets, die kombinierbar aneinander geschraubt werden können – Finger weg. Idealerweise nur eine Nahstelllinse aufschrauben. Wenn billige Nahstelllinsen ohne Farbkorrektur (ergo Nichtachromaten) aufgeschraubt werden, erhält man sehr hässliche Farbabbildungsfehler, die gerade im Bereich der Makrofotografie nicht zu korrigieren sind. Ein guter Achromat kostet 50 Euro oder mehr.
Zwischenringe:
Zwischenringe gibt es wie Sand an mehr – ich nutze auch einfache Zwischenringe für meine M42 Objektive. Also alles ohne Übertragung von Objektivdaten, kein Autofokus. Fujifilm bietet 2 Zwischenringe an, die alle elektronischen Daten zwischen Objektiv und Kamera übertragen. Blende und Autofokus können weiterhin genutzt werden. Im Gegensatz zu Nahstelllinsen bewirken Zwischenringe eine Verschiebung von Sensor – und Schärfeebene – der Abstand zwischen Objektivglas und Sensor vergrößert sich, dadurch verkürzt sich die Nahstellgrenze.
Vorteil:
Diese Zwischenringe besitzen keine optischen Elemente. Dadurch ändert sich die Lichststärke im Gegensatz z. B. zu Telekonvertern nicht. Im Falle elektronischer Datenübertragung kann man wie gewohnt auf die Blende und den Autofokus zurückgreifen. Bei analogen Objektiven ist die Blende natürlich am Objektiv selbst einstellbar, allerdings gibt es keinen Autofokus.
Nachteil:
Zwischenringe mit elektronischer Datenübertragung sind recht teuer, im Vergleich zu Makroobjektiven aber ein preisgünstiger Einstieg. Es gibt auch Hersteller von elektonsichen Zwischenringen, die ein Drittel oder weniger der Fuji Originale kosten – ich kann nur sagen – Finger weg. Es mag Ausnahmen geben, doch haptisch und von der Lebensdauer her sind die Fuji Originale die deutlich bessere Investition. Der Abbildungsmaßstab wird nur mäßig verbessert und ist abhängig vom Objektiv. Je weitwinkeliger, desto größer wird der Maßstab – gleichzeitig wird die Schärfentiefe kleiner. Verlust der Unendlichstellung – was bei Makroaufnahmen nicht wichtig ist.
Umkehrringe:
Wie der Name schon sagt, der Umkehrring macht möglich, das Objektiv seitenverkehrt an die Kamera anzuschließen. Es tritt also der umgekehrte Fall der Brennweitenwirkung ein – insbesondere Weitwinkelobjektive, die richtig herum weit und viel einfangen, erzeugen verkehrtherum das Gegenteil – es wird sehr wenig gezeigt doch das stark vergrößert.
Vorteile:
Extrem günstig. Billiger kommt man nicht an Makroaufnahmen. Selbst verschiedene Umkehrringe gleichzeitg kosten einen Bruchteil von Fuji Zwischenringen oder guten Achromaten. Es sind extreme Abbildungsmaßstäbe möglich – gerade umgedreht aufgeschraubte Weitwinkelobjektive erreichen Darstellungen von größer als 1:1 – Objekte werden größer als sensor – bzw. formatfüllend aufgenommen.
Nachteile:
Verschiedene Objektive mit verschiedenen Durchmessern benötigen verschieden große Umkehrringe. Verlust von Blende und Autofokusfunktionen. Das heißt – manuell scharfstellen und kein Zugriff auf die Blende, welche in der Makrofotografie essentiell ist. Äußerst geringe Schärfentiefe, wer zum Beispiel 20mm am Vollformat seitenverkehrt anschraubt, kann zwar eine Fliege übergroß festhalten, doch der Schärfebereich ist so gering, dass bestefalls ein Auge der Fliege scharf ist und der Rest im unscharfen Brei versinkt. Daher Vorsicht bei Werbeslogans wie „5:1 Abbildungsmaßstab!“ – ohne Fokusstacking ist in einem solchen Bild fast nichts scharf. Nur im Studio mit Stativ brauchbar – für eine Fliege braucht es dann bereits 80, 100 oder mehr Einzelaufnahmen, um dann die Fliege 5:1 vergrößert mit durchgehender Schärfe abzubilden. Und wenn man in dieser Sparte arbeitet, ist in einer Regel ein Balgengerät zur präzisen Scharfstellung der einzelnen Punkte unerlässlich.
Makroobjekive:
Jeder Kamera- und Objektivhersteller hat sie im Programm, Objektive die eigens für die Makrofotografie entwickelt wurden. Zwar steht bei vielen Objektiven „Makro“ aber ich reduziere mich hier einfach auf Objektive, die mindestens 1:4, 1:2 oder formatfüllen 1:1 abbilden können. Fuji hat mit dem 60mm Objektiv ein 1:2 und mit dem neuen 80mm Objektiv ein 1:1 Makro im Angebot. Preislich liegen diese etwa 600 Euro auseinander – das 80er ist lichtstärker, wetterfest und bringt eben den 1:1 Maßstab mit, was bereits Welten zu 1:2 bedeutet. Ich arbeite mit dem analogen Meike 85mm f/2.8, das sogar 1,5:1 abbildet, also vergrößert. In der Regel sind echte Makroobjetive Festbrennweiten mit 40mm bis 180mm. Die Brennweite kann man auch als Fluchtdistanzfaktor bezeichnen. Während man bei Close Ups von unbeweglichen Objekten durchaus mit 40mm oder 50mm arbeiten kann, sollte man bei Insekten auf mindestens 80mm gehen um möglichst viel Distanz zu bewahren. Fliegen fliegen weg wenn man ihnen zu nahe kommt. Oder man benötigt viel Geduld und Ruhe, wenn man es mit kürzeren Brennweiten probiert.
Vorteile:
Makroobjektive sind optimiert für das Aufnahmen von Details. Insofern passend, stehen Autofokus, Blende und Bildstabilisator zur Verfügung. Moderne Makroobjektive sind recht lichtstark, erlauben also das kreative Spiel bei Schärfe/Unschärfe/Bokeh und sind oft auch hervorragend als Portraitojektive geeignet. Da man aber immer abblenden muss, ist diese Lichtstärke ein relativer Vorteil.
Nachteile:
Im Spektrum der hier vorgestellten Makromethoden die teuerste Variante. Makroobjektive sind in aller Regel ab 500 Euro zu haben. Hohe Anfälligkeit für Beugungsunschärfe – hier ist Vorsicht angesagt – in Abhängigkeit der Sensorauflösung ist man bereits bei f/11 am Limit. Es muss abgeblendet werden um die größtmögliche Schärfentiefe zu erreichen (die aber immer sehr klein ausfällt) aber der Schritt von Schärfe zu Beugungsunschärfe ist äußerst gering. An der X-T1 nutze ich maximal f/11, an der X-T2 maximal f/8 (16MP Sensor vs 24 MP Sensor) – mehr nützt nichts, denn eine größere Schärfeebene wird obselet wenn Details durch zu starke Lichtkrümmung unscharf werden). Makroobjektive sind oftmals vergleichsweise groß und schwer – Stative und ähnliche Hilfsmittel können schnell erforderlich sein.
Holzbiene_2
Fertig. die 4 Bilder hier zeigen ein- und dieselbe Holzbiene – die Aufnahmen enstanden mit dem XF 18-55 und 16mm Zwischenring – wie ich finde die ideale Kombination für Insekten dieser Größenordnung.
#makro #fujifilm #daniel vorkauf #makro fotografie #natur

2 Replies to “Makromanie”

  1. Wäre ein Umkehrring bei Fuji überhaupt möglich? Der Fokus ist ja quasi „Analog-Digital“: wird am Objektiv manuell eingestellt, dann jedoch durch einen Motor umgesetzt.

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    1. Hi, Du meinst Objektive, die mit Steppermotor betrieben werden, ergo man über den Scharfstellring nicht die Linsengruppen direkt einstellt sondern indirekt, weil eigentlich der Motor betrieben wird. Das gilt auch bei Fuji nur für einen Teil des Objektivparks – dort wäre manuelles Scharfstellen unmöglich sondern man könnte einzig durch die Abstandsänderung von der Frontlinse zum Motiv Scharfstellen. Das größere Problem stellt die Blende dar, die nicht mehr verstellt werden kann. Ich bin mir nicht sicher, ob es wie bei DSLRs möglich ist, die Blende vorher anzustellen – also Objektiv richtig dran, Abblenden, Auslöser halb durchdrücken und dabei in den M- Fokus stellen, so dass die Blende in dem Zustand bleibt.

      Wie gesagt, Umkehrringe stellen auch nur den günstigsten Einstieg in die Makrofotografie dar.

      Alternativ zum Umkehrring gibt es dieses Mikaton 20mm, das von Haus Haus „seitenverkehrt“ gebaut ist, der Bajonettanschluss ist an der Vorderseite des Objektivs angebracht, ermöglicht also einen Direktanschluss an die Kamera, die Blende wird samt Scharfstellung manuell eingestellt – bei 20mm erhält man schon extreme Vergrößerungen allerdings mit minimalem Schärfebereich – nur mit Fokusstacking lassen sich dann wirkungsvolle 4:1 oder 5:1 Maßstäbe kreieren: https://www.ebay.de/itm/Objektiv-Mitakon-20-mm-f-2-0-Super-Makro-Objektiv-4-5x-fur-Fuji-X-Bajonett/192341054395?_trkparms=aid%3D222007%26algo%3DSIM.MBE%26ao%3D2%26asc%3D49139%26meid%3D39395d691caf47f68c4897ce932d3f3d%26pid%3D100623%26rk%3D3%26rkt%3D6%26sd%3D202088322423%26itm%3D192341054395&_trksid=p2047675.c100623.m-1

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