Da es mich letzten Donnerstag zum Gasometer nach Oberhausen zog, wo noch immer die „Der Berg ruft“ Ausstellung tagt, nahm ich Freitags prompt noch die diesjährige Photokina mit, welche übrigens zukünftig einen Tag kürzer ausfällt, dafür allerdings jährlich stattfindet. Kurioserweise ist dieser jährliche Event dann im Mai statt September.

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Mit wirklich großen Erwartungen geht man dort eigentlich nicht mehr hin – die „Sehen und Gesehen werden“ Fraktion denkt da sicherlich anders, letztendlich war bereits im Vorfeld alles bekannt geworden, was an Neuheiten präsentiert werden würde. So war es für mich eher eine physische Begegnung mit Kamerabodys, Objektiven, Stativen und Filtern. Die gerade mal 3,5 Stunden dauernde Besichtigung war selbstverständlich dominant im Fujifilm Bereich der Messe. Zwar gab es auch hier eher wenig völlig Neues, aber ich nutzte die Gunst der Stunde um einmal die beiden Mittelformat-Neulinge unter die Lupe zu nehmen – Die GF-X100 stand als Entwicklungsmodell bereit (100 Megapixel Auflösung), wirklich faszinierend fand ich die GFX-50S – die mit dem gleichen Bildchip wie der Erstling arbeitet, der aber in einer Kamera im Messsucherstil verbaut ist – quasi eine überdimensionierte X-E3 oder X-Pro-2 ohne Hybridsucher. Preislich wird das gute Stück für Mittelformatverhältnisse unglaublich günstig sein – etwa 4500 Euro stehen für den Body an.

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Ebenfalls vom Hocker gehauen hat mich das XF 200mm f/2, weil es der absolute Bruch mit dem „travel light“ – Prinzip ist, dieses Highend Gerät ist eindeutig an ambitionierte Sport – und Wildlife Fotografen adressiert. Für mich fällt es aufgrund seiner überdimensionalen Größe aus jeder verträumten viel- Geldausgabeliste.
Nichtsdestotrotz geht Fujifilm konsequent den richtigen Weg im Abdecken aller relevanten Objektivanforderungen – mit dem XF 8-16mm 2.8 (KB 12 – 24mm) wird nun auch im APS-C Bereich der Superweitwinkelbereich neu definiert und ein XF 16-80mm f/4 (KB 24-120mm) sollte für viele die deutliche bessere Wahl zum lichtschwachen XF 18-135mm (KB 27-200mm) sein. Es könnte sogar mein nächstes Standardobjektiv werden.

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Ansonsten waren die Vorführungen des X-Studios äußerst interessant – Live Shootings direkt auf dem Rechner im eigenen Entwicklungsmodul, eventuell gelingt Fuji hier der große Schritt, welcher den Einsatz von Lightroom überflüssig macht. Meines Erachtens weit weniger beachtet waren auf der Messe die „stillen Ecken“, in denen die Hersteller Fotos ihrer Vorzeigefotografen ausstellten. Die Vielseitigkeit und vor allem Kameraunabhängigkeit von guten Bildern konnte man hier eindrucksvoll erleben und verinnerlichen.
Und nachdem die X-Kameras von APS-C über Mittelformat, Objektive und Edelkompakte ausreichend inspiziert wurden, fand ich regelrecht Gefallen an der Historie bis Gegenwart der Fujifilm Sofortbildkameras – ein offenkundig zeitloses Fotografieren, das mit den Fragen und Anforderungen an den Highend Bereich nichts gemein hat aber unglaublich viel Fotofeeling ausstrahlt. Wer weiß, vielleicht gibt es zukünftig eingescannte Bilder, die zuvor mit einer solchen Kamera zeitnah in physische Drucke umgewandelt wurden. Es bot den perfekten Kontrast zu – für mein Empfinden – zu großen Anteil an Clouds, Handyfotografie, Facebook und Instagram. Gefühlt waren die Platzbereiche der Kamerahersteller/Zubehörlieferer kleiner als alles, was sich für mein Verständnis nur noch bedingt unmittelbar mit Fotografie/Videografie beschäftigt. Aber so ist die Zeit – kauft teure Kameras mit 36 oder mehr Megapixel Auflösung um die produzierten Bilder dann stark komprimiert bei Facebook oder Instagramm einzustellen.

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Die Anderen…
Ich konstatiere es mal öffentlich – Nikon hat mit der spiegellosen Z7 Reihe die wohl optisch hässlichsten Systemkameras auf den Markt gedrückt – groß, globig, unästhetisch. Es ist nur ein Werkzeug, klar. Aber dito Canon sind die großkotzigen Werbesprüche (man glaubt ja wirklich noch daran innovativ zu sein) nur ausreichend für ein „Aha, brauche ich nicht“ Feeling. Leider sind die noch- Zugpferde der Kameraindustrie weit hinter dem Entwicklungsstand von Sony, Fujifilm oder Panasonic – deren neues Vollformatflaggschiff zwar noch nicht existiert, das aber wohl zur echten Konkurrenz einer A7iii oder A9 werden könnte – insbesondere für Filmer. Nikon und Canon können einzig auf ihre treue Gefolgschaft vertrauen und die unbekannte Anzahl werbeempfindlicher Nerds, Innovation wird keine geboten.

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Aus dem Hause Olympus gab es nichts Neues, auch Ricoh alias Pentax hatten keine Neuigkeiten zu bieten. Die Pentax K-1 Und K-1 Mark II scheint immer noch keine Option für viele Leute zu sein (Vollformat DSLR), bleibt also auf dem Underdogstatus sitzen und mit der 645z Mittelformat ist man preismäßig jenseits alles tragbaren, die Größe spricht ebenso gegen vieler Leute Anforderungen. Dennoch gehört Ricoh für mich ebenfalls zu den spannenderen Kameraalternativen.
Nun gilt es abzuwarten, was das Trio Leica Panasonic und Sigma im Jahr 2019 gemeinsam in die Wege leitet. Der Zusammenschluss könnte buchstäblich den Markt neu aufwirbeln – das deutsch geschichtsträchtige Highendhaus kombiniert mit der Panasonic Technologie gerade im Videosegment und obendrein Sigma, die seit der ART- Serie wieder ernstzunehmende Objektive bauen. Nebenbei gibt es Gerüchte, dass Fujifilm mit Samsung im Bereich der Sensorentwicklung zusammengehen will – Samsung ist nun alles andere als die erste Adresse für Kameras doch sie bewiesen bereits, dass sie unsagbar gute APS-C Sensoren bauen können – vielleicht steht auch hier noch ein größerer Sensor in Aussicht.
Anders, Nikon und Canon haben den Schritt ins spiegellose Vollformatsystem gewagt, Kaufgründe dafür blieben mir allerdings verborgen. Völlig gleich, ob man nun seine alten FX, DX und EF bzw. L Objektive adaptieren kann oder nicht, keine der Kameras bietet etwas, das es nicht schon gibt oder sogar deutlich weiterentwickelt wurde. Man sollte sich im Klaren sein, dass Sony weiter vorlegen wird – die A7s III ist noch in Entwicklung und bleibt der emsige Verbesserungswille des Unternehmens erhalten, wird auch die A9 Mark II kommen. Der Kameramarkt ist in Bewegung und ein Wachsen der Underdogs sollte technisch wie preislich den Anwendern in die Hände spielen.
Es bleibt also spannend, was insbesondere das Jahr 2019 bringen wird. Ich wünsche mir weniger Floskeln als konsequente Weiterentwicklungen. 3 und 5 Achsen Bildstabilisatoren sind nicht der Weisheit letzter Schluss, für mich bleiben Haptik, Größe und Gewicht neben der Abbildungsleistung die wichtigsten Bestandteile guten Fotoequipments und nichts Slogans und Nachmacherei. Vielleicht kann Sigma den hauseigenen Foveon Direktbildsensor endlich auf ein Niveau heben das auch jenseits der ISO 400 nutzbar ist und in den Bildergebnissen zu ungleich hoher Schärfe und Farbtiefe führt. Bei Fujifilm wünsche ich ich einen deutlich größeren Objektivfuhrpark, hier ist viel Spielraum gerade zwischen günstigen Festbrennweiten und sehr teuren XF Zoom Objektiven.
Schön war es, wenn auch wenig Neues da war – vielleicht ändert sich dies durch das jährliche Durchführen der Messe – so gesehen sind 2 Jahre ja auch eine enorm lange Zeit.
Zurück im schönen Bayern mit herzlichen Grüßen! 🙂
#Photokina #Fujifilm #Messe #Review

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