Das Limit einer Kamera vs das Limit im Kopf

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Schwarzwald (Daniel) (5)

Wie bei allem im Leben, findet auch in der Fotografie das Meiste im Kopf statt. Wünsche, Bedürfnisse, Ideen – ehe man tätig wird, arbeitet der Kopf. Und das weiß niemand besser als branchenbezogen die Industrie. Und weil sie gern Bedürfnisse erweckt und Menschen sich gern von Bedürfnissen infizieren lassen, geschieht viel Sonderbares und mancher talentierte Zeitgenosse investiert seine Kreativität in Neuanschaffungen und Illusionen, leert das Konto und füllt die Equipmentliste. Das ist alles toll aber ist dem Foto wenig dienlich.
Nun könnte man mir beinahe schon eine Zwangsneurose unterstellen, was meine ewige Besserwisserei bzgl. Sensorgröße anbelangt und wieso Diskussionen Kleinbildsensor vs Halbformasensor eigentlich Nonsense sind. Dabei hört das Ganze ja nicht einmal bei Sensoren auf sondern beginnt viel eher da. Obendrein gibt es die Grabenkämpfe bzgl. Kamerahersteller und wer nun die besten Modelle baut. Dabei ist das heutzutage ganz einfach, die einstigen Underdogs wachsen und die 2 Großen schrumpfen. Die Großen schrumpfen aber nicht weil sie die altbackensten Slogans posaunen oder weil die Underdogs die Fotografie neu erfunden haben. Nein, die Underdogs haben erfolgreich in alternative Techniken investiert, Pionierarbeit geleistet und vielen Widerständen zum Trotz hervorragende Systeme entwickelt. Selbst auf der Photokina konnten mich die beiden großen Namen wenig, genau genommen gar nicht, positiv ansprechen. Im Gegenzug dazu sind die neuesten Topmeldungen unter anderem, dass Fujifilm weiterhin keinen Kleinbildsensor bauen möchte und sich voll und ganz auf die X Trans Technik im Halbformat und das Mittelformat ohne X Trans Farbanordnung konzentrieren möchte. Olympus schwört weiterhin auf Micro Four Third und Sony bastelt weiter an seinen A7/A9 und der A6x00 bzw. A7000 Serie. Noch anders – ganz ohne Canon und Nikon kann man sich frei zwischen diversen Anbietern bewegen und vom 1 Zoll Sensor bis zum Mittelformatsensor  alles frei kaufen und einsetzen. Warum also diese Grabenkämpfe, warum der verkrampfte Festhalten am Gestrigen?
Egal welche Kamera man sich zulegt, sie sollte in erster Linie den eigenen Bedürfnissen gerecht werden. Und obendrein sollte man wissen, dass jedes System seine Vor- und Nachteile hat. Ein Sensor entscheidet überhaupt nicht darüber, wie gut oder schlecht ein System ist. Je kleiner der Sensor, desto größer die Limitierungen, das ist unumstößlich. Dafür gibt es Vorteile in Größe und Gewicht. Und bei guten Bedingungen machen solche Kameras sehr gute Bilder – selbst Miniatursensoren in Smartphones sind heute auf einem brauchbaren Level. Je größer der Sensor wird, um so kreativer kann man arbeiten, in aller Regel gilt auch dass man bei schlechten ergo Low Light Bedingungen bessere Ergebnisse erzielen kann. Wird der Sensor noch größer, also jenseits der 36x24mm, kann man eine Detailtreue und Schärfe erwarten, die zu Schnappatmung führt. Und andersherum – je größer der Sensor, desto langsamer die Autofokusmöglichkeiten – Mittelformat für Sport und Action ist so gehaltvoll wie mit einem Pinhole Objektiv glasklare Bilder zu schießen. Aber man wird nicht darüber diskutieren – für die optimale Bildqualität ist der Mittelformatsensor zm Beispiel in der Portraitfotografie oder in der Landschaftsfotografie das Maß aller Dinge. Komischerweise finden die meisten Diskussionen abseits dieser Technologie statt – weil man da eben schnell von 15000 oder 25000 oder 50000 Euro redet. Nun würden viele sagen, dass dieses Format nur für spezielle Fotografen von Relevanz ist – das ist richtig. Aber wieso plädiert man darauf, dies sei beim Kleinbildsensor nicht der Fall? Ich kenne ein gutes Argument für den Kleinbildsensor – Fotografen, die jahrelang im analogen Bereich mit 35mm Film gearbeitet haben, sind Brennweite ohne Format – alias Crop Faktor gewohnt. Wer also vor 15 Jahren von der analogen Kleinbildfotografie in die digitale wanderte, hatte tatsächlich das Problem, dass er beim Einsatz einer Crop -Kamera plötzlich andere Bildausschnitte erhielt. Das klassische z.B. FD 24mm f/2.8 brachte an der EOS 300D nun plötzlich einen Bildausschnitt von knapp 45mm. Und zu Beginn bauten alle Hersteller Crop Kameras, es gab nicht von heute auf morgen digitale Kleinbildkameras. Zuerst war Crop und da war bei mancher Seele Ernüchterung.
Argumente aber wie „Vollformat“ liefert bessere Bilder, ist Nonsense, vielfach widerlegt bzw. belegt. Alles andere ist Physik. So baute man nun Objektive, die den Crop Faktor kompensierten – bestes Beispiel – zum Kleinbildobjektiv EF 16-35mm baute man das EF-S 10-20mm – mit einem durch den Cropfaktor bedingten Bildausschnitt von 16-36mm. Ganz klar, die Blende wird ebenfalls gecroppt, in der Schärfentiefe ist also die Blende anders als die tatsächlich eingestellte – in der Landschaftsfotografie sogar ein Vorteil – kleinerer Bildkreis, bessere Ausleuchtung, höhere Schärfentiefe. Nachteil – schnellere Beugungsunschärfe durch die kleinere Sensorfläche beim Abblenden, geringerer Bokeheffekt bei Portraits oder Freistellungsszenen generell. Aber besseres oder schlechteres Bild durch den Sensor? Bildrauschen – per se schlechter bei kleineren Sensoren – jain – wie einst bereits beschrieben – die Pixeldichte ist hier weitaus relevanter als die Sensorgröße. Aber in aller Regel gilt, ein Canon APS-C Sensor kann mit dem Canon Kleinbildsensor nicht mithalten, wenn die gleiche Auflösung vorliegt. Nun hat die Auflösung auch etwas mit der Kantenschärfe zu tun, ergo die Lösung liegt nicht allein in viel oder wenig Megapixeln. Grundsätzlich besteht eine Art Widerspruch – hohe Pixelanzahl heißt hohe Kantenschärfe heißt Neigung zu hohem Bildrauschen (insbesondere im High ISO Bereich), geringe Pixelzahl auf dem Sensor heißt geringere Kantenschärfe heißt geringeres Bildrauschen – und weil diese Physik allein nicht reicht, wird seit Jahren auf besseres Material, auf bessere Software und bessere Werbung gesetzt (Huch!) – mit ohne Tiefpassfilter gezaubert und alles in der 100 Prozentansicht bewertet. Nun könnte man noch auf Vor- und Nachteile von Spiegelkästen und geringere Auflagemaße bei spiegellosen Systemen eingehen – am Ende wird es aber immer so sein – das gute Foto macht der Fotograf: das schlechte aber auch.
Und so wenig wie ich im Restaurant frage, welches Kochgeschirr für das enorm schmackhafte Saitanmenü benutzt wurde, so wenig frage ich, mit welcher Kamera ein Top Foto gemacht wurde. Unglaublich aber war – zum Beispeil auf 500px (da bin ich auch ) kann man nach dem Kriterium Kameramodell Bilder anschauen. „Mit dieser Kamera wurden solche Bilder aufgenommen“ – da ist sie wieder, dieses Mal die negative Schnappatmung. Nein, das Bild xy hat Fotograf xy aufgenommen, keinesfalls die Kamera. Ob er mit einer Papiertüte gezaubert hat, ein Sigma 200 mm – 500 mm, f/2.8 an sein Iphone 2 adaptierte oder aus 500 Bildern ein Composing zauberte – nichts war die Kamera – die ist ein Werkzeug, es war der Fotograf der das Foto kreierte. Keine Frage, gutes Equipment ist teuer, gutes Equipment hilft Ideen zu verwirklichen. Aber gutes Equipment ist weder kreativ noch nimmt es dem Kreativling die Arbeit ab. Anders – die (technischen) Limits der Kamera sind das eine, die meisten Limits aber hat man im Kopf. Und nicht 10 Upgrades in der Preispsirale nach oben verbessern ein Foto. Der teuerste Kochtopf verkommt zum Kochgrab, wenn der Zutatenheinz nur murkst.
Tipp: Mit dem, was man hat, arbeiten. Lernen. Probieren. Scheitern. WIeder probieren. Ob man es glaubt oder nicht, Fotografie muss man lernen – in 12 Monaten wird man kein Meister. Und meist dauert das Finden des eigenen Stils deutlich länger als das Verstehen von Blende ISO und Belichtungszeit. Fatal ist es nur, im Prozess Halt zu machen und dem vermeintlich schlechten Equipment die Schuld für nicht erreichte Bildergebnisse zu geben. Ganz gleich, welche Parolen die Industrie ansetzt, man wird nicht besser oder fortgeschrittener indem die Kosten für Equipment fortschreiten. Das führt dazu, dass die schönste Nebensache der Welt irgendwann frustriert und man sich abwendet und plötzlich Gefallen an Fußball oder SUVs findet – dann ist es zu spät!
Die Limits der Kamera erreicht man erst, wenn man die eigenen überwunden hat. Und das beginnt auch schon mit der Frage, was man möchte – Star werden? Anerkennung erhaschen? Geld verdienen? Oder möchte man einfach nur seinen kreativen Spirit ausleben, Zeit festhalten, dokumentieren? Wenn es letzteres ist, ist man auf einem guten Weg. Geld, Anerkennung und Community Hype sind schlechte Wegbegleiter.
In diesem Sinne:
Liberate Yourself  🙂
Und morgen geht es in die sächsische Schweiz – fast mit Vollequipment. Am Ende zählt dennoch nur, was ich umsetzen kann. Ich werde berichten.
#Daniel Vorkauf #Fotografie #Vollformat #Fujifilm

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