Heute möchte ich nochmals einige Worte zum Thema Sensor – bzw. Bildrauschen verlieren, weniger Fuji- spezifisch sondern ganz allgemein, da sich doch viele Mythen in Sachen Störpixel eisern halten und neben vielen Halbwahrheiten auch unnütze Besserwisserei kursiert.

Der Sensor rauscht immer, darum nennt man es Sensorrauschen. In dem Moment, wo ein Signal auf den Sensor trifft – in aller Regel Licht – entsteht auch Rauschen. Obendrein fällt Licht nicht gleichmäßig auf die Fläche sondern unterliegt immer einer gewissen Streuung, was das Rauschverhalten des Sensors und vor allem die Auswirkungen ebenfalls beeinflusst. Im Gegensatz zu Aufnahmetechnik und den Aufnahmebedingungen kann der Fotograf das Sensorrauschen nicht beeinflussen, es ist immer da und ergo kein Foto rauschfrei. Eine andere Frage ist natürlich die Art und Sichtbarkeit des Sensorrauschens, grundsätzlich führt aber selbst bei einem ISO Minimum Foto kein Weg am Entrauschen vorbei. Das mündet zwar schnell in Pixelpieperei aber erfahrungsgemäß sind in der 100 % Ansicht auch bei einem ISO 64 oder ISO 100 Bild Rauschen oder leichte Artefakte erkennbar. Es ist übrigens nicht das gleiche Rauschen, das man aus der analogen Fotografie kennt – Filmkorn ist etwas anderes.

Farb – und Luminanzrauschen hingegen sind vielfach der fotografischen Technik, besser fotografischen Fehlern geschuldet. Wer also denkt, ISO 100 sei die Lösung gegen diese Probleme, irrt, wenn er insbesondere stark unterbelichtet. Exposure to the Right ist hier immer die erste, essentielle Maßnahme – ergo besser leicht überbelichten als unterbelichten. Mit Hilfe des Histogramms und der Belichtungskorrektur lassen sich Farb – und Luminanzrauschen erheblich besser kontrollieren als wenn man alles Vertrauen der Kameraelektronik überlässt. Neben den Einstellungen zur Aufnahme sind die Arbeitsschritte in der Nachbereitung, ergo RAW – Entwicklung – ebenfalls gewichtig was das Entstehen bzw. Verstärken von Bildrauschen anbelangt. 

Lässt man besagte Pixelphobien einfach außen vor, kann man konstatieren, dass die digitale Kameratechnik Dinge möglich macht, welche zu Analogzeiten undenkbar waren. Heute kann man mit einer Kamera ohne Probleme den ISO Wert von Bild zu Bild variieren, gerade bei Bewegungsaufnahmen bzw. dem Einfrieren selbiger war zu Analogzeiten dann Schluss, wenn kein Blitz verfügbar oder möglich war oder man einen frischen ISO 100 Film in der Kamera eingelegt hatte und plötzlich aber einen ISO 400 oder gar 800 gebraucht hätte. Ganz zu schweigen von ISO Werten von 1600 oder deutlich darüber – die gab es nicht einmal. Je nach Kamera stellt sich heute nur die Frage,  wie viel Bildrauschen nehme ich für ein scharfes Bild in Kauf. Und was habe ich mit dem Bild im Kasten vor? Der Großteil aller modernen DSLR und DSLM oder High End Kompakten können heute drucktaugliche Bilder bis Din A3 oder sogar Din A2 ermöglichen bei ISO Werten bis ISO 1600. Auch ISO 3200 stellt für die meisten Kameras mit APS-C kein Problem dar, bei Fuji sind selbst ISO 6400 noch sehr gut brauchbar. Alles natürlich nur dann, wenn korrekt belichtet wurde und die Nachbearbeitung entsprechend sorgsam durchgeführt wurde. Zwar ist die Sensorgröße immer auch wegweisend für die ISO Leistung, doch die Pixeldichte ist in aller Regel weitaus relevanter – bei richtigem Einsatz kann ich also aus einem größeren Sensor mehr herausholen, ebenso aber auch völlig unbrauchbare Bilder produzieren. Grundsätzlich gilt, eine 24 MP Kleinbildsensor ist weniger rauschanfällig als ein 36 MP oder gar 50 MP Kleinbildsensor. Das gilt ebenso für das Halbformat und auch für Minisensoren wie in Handys. Physikalische Gewissheiten mag Werbung in subjektive Realitäten zu zaubern, in der Wirklichkeit aber sind es Fakten – eine Canon 5DS Megapixelbolide kann mit ihren ISO Werten einer Nikon D750 oder selbst D810 nicht das Wasser reichen – auch wenn sich niemand eine 5DS kauft um im High ISO Bereich zu arbeiten, dafür ist diese Kamera nicht gebaut. Dafür Ist die Sony A7s mit gerade einmal 12 MP ausgerüstet, um sie zur Referenz für die Nachtfotografie / Lowlight zu machen. Würde man wiederum die Daten einer Sony A9 auf die Größe der A7s herunterskalieren, wäre das (sichtbare) Rauschen nahezu identisch. Bei voller Auflösung kann sie beim Bildrauschen der A7s nicht das Wasser reichen, dafür ist die Kantenschärfe der A9 über alle Zweifel erhaben – bei Vollauflösung, bester Optik und richtiger Belichtung. Die A7 und A7R mit 24 MP bzw. 36MP  sind hier faktisch der Mittelweg zwischen den beiden „Extremen“ – man sollte vor dem Kauf wissen, welche Art von Fotos man macht und wie man sie weiterverwenden möchte.  

Bildrauschen ist bis zu einem gewissen Maß also wenig störend, insbesondere für Anwendungen mit verringerter Größe/Auflösung. Wenn man ein Foto von 6000×4000 Pixeln auf 3000×2000 Pixel reduziert, reduziert sich auch das Bildrauschen. Erst ab einem gewissen Grad der Signalverstärkung wird das Rauschen derartig stark, dass Bildinformationen verloren gehen, also echter Pixelsalat – in aller Regel tritt dies bei Werten jenseits der ISO 12800 auf – wohlgemerkt bei APS-C und Kleinbildsensoren. Auch wenn die Technik immer weiter voran schreitet – ohne Kompromisse geht es im High ISO Bereich nie. Und abgesehen vom korrekten Belichten gilt – vor hoher ISO besser hohe Lichtstärke – gerade in der Lowlight und Nachfotografie wie auch  im Sport und Wildlife gilt, dass die Lichtstärke des Objektivs essentiell ist – ob eine max. Blende von f/4 oder f/2.8 oder f/2 oder f/1.4 –  es liegen Welten dazwischen – von f/1.4 zu f/4 liegen bereits 3 Blendenstufen, was bei f/4 1/100 Sekunde ist, ist bei f/1.4 schon nur noch 1/400 Sekunde – auf die ISO gerechnet heißt dies, dass ich 3 vollen Blendenstufen mehr Spielraum habe – bei f/1.4 mit ISO 100 die gleiche Belichtungszeit habe wie bei f/4 mit ISO 800. Bevor man also wegen aller Rauschphobie in teure Kamerabodys investiert, sollte man das Geld besser in möglichst lichtstarke Optiken investieren, gerade wenn es um Aufnahme unter wenig Licht oder um sehr schnelle Auslösezeiten geht. Ansonsten teste einfach Eure Kameras, fotografiert mit ISO 1600 oder höher, achtet auf die korrekte Belichtung und staunt, was heutzutage möglich ist.





#Daniel Vorkauf #Bildrauschen #ISO #Technik #Review  

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