Das war 2018

Ich in Dänemark – erstmalig von der besten Seite gezeigt

Vielerorts wird das Jahr 2018 zelebriert als wäre es ein unsagbar außergewöhnliches gewesen. Vielleicht werde ich mit zunehmenden Alter immer weniger empfänglich für Sensationen, die keine sind, obendrein ist das Leben in Superlativen auch äußerst langweilig. Aber ich halte es mal konkret fest:

Canon und Nikon sind mit spiegellosen Vollformat alias Fullframe alias digitalized 35mm Kleinbildkameras auf den Markt gestoßen. Laut Werbung, Selbstpromotion und hier und da bei den nerdigsten Nerds hat die Welt darauf gewartet. Ich nicht und das was zu erwarten war, kam dann auch – globige Bodys, wenig Objektivauswahl, dafür saftige Preise und fertig. Ich finde Sonys Politik durchaus nervig, statt unfangreicher Firmware Updates immer wieder auf neue Kameramodelle zu setzen. Aber im Vergleich zu den beiden Marktriesen ist das Unternehmen doch um Längen kundenorientierter und glänzt nichtsdestotrotz mit einem umfangreichen Kamera – und Objektivpark. Canon und Nikon haben das etwa 5 – 6 Jahre verschlafen aber was spät kommt, muss ja noch lang nicht gut sein.

Fuji hat mit der X-H1 eine ernstzunehmende Filmerkamera in den eigenen Fuhrpark aufgenommen, allerdings ist sie für mich keine Option, da Größe und Gewicht wegen des internen Bildstabilisators einfach ein Bruch mit der X Linie ist. Obendrein gefällt sie mir optisch nicht, die Anzeige auf der Oberseite ist in unnötiges Gimmick (alle Daten sind schließlich im EVF, im Monitor). Die X-T3 kam für mich schlichtweg zu früh, nach meinem Ermessen sind die Unterschiede zur T2 zu marginal – Jaja, neuer Sensor, – 3 Lichtwerte für den Autofokus und etwa 2 Megapixel mehr – das sind Nuancen, die auf die Bildresultate marginalen Einfluss haben. Wer ersetzt – insofern klaren Verstandes – eine 1600 Euro teure Kamera nach 1 oder 2 Jahren bei so geringen Veränderungen? Der Umstieg von der T1 zur T2/T20 lohnte sich, von der T1 zur T3 sind die positiven Veränderungen riesig, aber zur T2 empfinde ich es sehr schwach. Ich hoffe dass Fuji zukünftig wieder Modelle auf den Markt bringt, die sich eindeutig von den entsprechenden Vorgängern abheben. Lobenswert ist allerdings die stetige Bemühung, auf Kundenwünsche einzugehen.


Einhyrningur / Þórsmörk

Apropos Kundenwünsche, ich staune immer wieder, warum sich mancher Fuji X Nutzer eine Vollformatversion der X – Reihe wünscht? Nein, es ist keine Floskel wenn man sagt, dass Fuji bewiesen hat, dass man heute für hohe Fotoansprüche kein Vollformatsystem mehr benötigt. Das ist natürlich nicht nur den Kameras sondern auch im Wesentlichen den Objektivtechnologie geschuldet aber was geistert in den Köpfen solcher Zeitgenossen umher? Fuji setzt auf APS-C mit und ohne X Trans Technologie und auf Mittelformat ohne X Trans Technologie – das sind 3 Sensorarten bei einem Unternehmen, dessen Kamerasegment vergleichsweise winzig ist. Und mit diesen 3 Sensoren werden Einsteiger, Aufsteiger, Umsteiger und Höhenflieger bedient. Es wäre weder fotografisch noch wirtschaftlich rational, hier obendrauf einen Vollformatsensor zu setzen. Ein solcher Sensor (insofern er ähnlich dem Mittelformat überhaupt X TRans – tauglich wäre) ist unsinnig, schließlich hat Fuji (umgerechnet auf die aquivalentes Kleinbild) alle relevanten Brennweiten im Sortiment, heute wird von 12mm Superweitwinkel (XF 8-16mm) bis 600mm nahezu das komplette Spektrum abgedeckt – auch Klassiker wie 24-70 (+/-) mm sind im Sortiment (XF 16-55), ein XF 56mm f/1.2 ist kein Zufall, es „ersetzt“ die klassische 80mm bzw. 85mm Portraitbrennweite. Das XF 50-140mm ist ein 75-210 Kleinbildobjektiv, also dicht am 70-200mm 2.8 – wo also besteht hier Bedarf an einer Vollformatkamera? Ich wünsche mir weit vor neuen Kameras einen stetigen Ausbau des Objektiv Fuhrparks. Momentan warte ich – wie wohl viele – auf das XF 16-80mm, sehr gern auch mit f/4 max. Blende zu Gunsten Größe und Gewicht. Das XF 18-55 ist ein sehr gutes „Kit“, das XF 16-55 unschlagbar gut aber 18mm ist für mich kein wirklich zufriedenstellende Brennweite (ich bin halt 24mm Freak) und das 16-55 wurde mir insbesondere in Kombination mit Batteriefuss an der T1 und T2 dann eine doch zu globige Nummer im Outdoorbereich. Auch das XF 16mm 2.8 könnte spannend sein – auch wenn das 16mm 1.4 hier zu den Top 3 Objektiven von Beginn an gehört.


Goðafoss im Winter

Sony, ja Sony ging 2018 bei mir fast unter. Irgendwie hat es die A7 nie geschafft, mich vollends zu überzeugen. Weniger wegen der Bildqualität (auch wenn sie mit Fuji schlichtweg nicht mithalten kann, insbesondere bei den jpegs) als einfach wegen der haptischen Urkatastrophe, die sich von der RX Reihe über die 6000er bis zur A7 eben zieht. Gerüchten nach soll der Nachfolger der A6500 den EVF nun auch klassisch in die Mitte gesetzt bekommen – am Ende schaut es wie ein T2 Verschnitt aus? Wie dem auch sei, bei Sony muss fast ein ähnliches Wunter geschehen wie bei Canon/Nikon, das da noch einmal Neukaufbegehren geweckt wird.

Insgesamt war es also sehr unspektakulär im Jahr 2018. Der Sensor meiner T2 musste ersetzt werden, das war Anfang Dezember nicht unbedingt spektakulär aber ärgerlich und nicht billig. Dafür habe ich die günstige Welt chinesischer Objektive sehr intensiv getestet und ich kann behaupten, dass ich zwar keine innige Bindung zu den Optiken aufbauen konnte, allerdings haben mich alle Objektive (mit all ihren Einschränkungen und Grenzen) überzeugt. Aus China stammen nun meine lichtstärksten Objektive: Kamlan 50mm f/1.1 ; 7Artisans 35mm f/1.2 und obendrein mein einziges 1,5:1 Makro von Meike mit 85mm f/2.8. – alle drei schlagen sich tadellos, ohne das auch nur eines dieser Objektive sich mit vergleichbaren Fujinon messen kann. Aber sie laden ein zu Kreativität, sie führen weg vom Pixelwahn und Phrasendrescherei in der 400% Ansicht – da geht es einzig ums Fotografieren mit den Mitteln die man hat. Da ich inzwischen sogar der Faszination Pinhole vollends erlegen bin, sollte klar sein, das in der Fotografie doch mehr Wert auf ästhetischen Mehrwert gelegt werden sollte statt Pixeltests. Und im Ernst, ein 50mm f/1.1 für unter 200 Euro ist einfach zu verlockend, auch wenn man offenblendig selbst Panzerstahl puddingweich festhält.

Norwegen im Frühling

14 Monate ohne Island ist ein recht ernüchternde Bilanz – mir ist der hier beischmeckende Luxusklageton durchaus bewusst. Wirklich, es gibt inzwischen mehr Gründe nicht dorthin zu reisen wenn da nicht dieser Punkt wäre – diese Sehnsucht nach der Natur im hohen Norden. Eigentlich gelang es ja immer, dem inzwischen irrsinnigen Tourismus auf Island auszuweichen, aber eben so ist dies auch der Hauptgrund warum die Ambitionen auf rationaler Ebene immer geringer wurden. Denn mit dieser Masse an Besuchern wächst vor allem der Irrsinn vor Ort – Absperrungen, Zäune, Geldmacherei und am schlimmsten – irreparable Eingriffe in diese so gewaltige wie gleichsam filigrane Natur. Und um das an dieser Stelle einmal deutlich zu formulieren – wer auf Eisberge tritt, um ein Facebook Selfie zu machen, der soll nicht gerettet werden – die Natur regelt das. Wer in Sneaker auf einem abgesperrten, vereisten Weg zu einem Wasserfall rutscht, der soll baden gehen – die Natur regelt das. Wer in Geothermalgebieten markierte Pfade verlässt um aus Coolnessgründen dann einzubrechen um in 100 Grad heißer Schwefelsuppe gar zu werden, den soll man nicht hindern. Wer besseren Wissens wegen eines tollen Fotos zu nahe am stürmischen Ozean steht, der darf auch weggespült werden – die Natur regelt das. Wer an den Klippen von Latrabjarg trotz umfassender Warnschilder auf die Felsspitzen tritt, der fällt bis zu 400 Meter tief und das zu Recht: Poröses Gestein ändert seine Physik auch wegen idiotischem Leichtsinn nicht. Wer trotz Verbot mit seinem SUV an Strände fährt um der Welt seinen IQ von 50 mitzuteilen, sollte so teuer zahlen, dass er/sie sich bestenfalls noch einen SUV aus Pappe leisten können. Übrigens, SUVs ersetzen weder geistige Defizite noch Komplexe jedweder Natur.

Trolle haben sich festgefahren, Privatgelände, Befahren für jedermann verboten – gesehen aus 300mm Brennweite

Man sollte bei allen dummen bis dämlichen Aktionen immer an eines denken: Man gefährdet nie nur sich, sondern auch andere – viele Isländer arbeiten ehrenamtlich und es ist an Dreistheit nicht zu übertreffen, das man erwartet, dass sich diese Menschen für soviel unsägliche Dummheit und Ignoranz selbst noch in Gefahr begeben um Hilfe zu leisten. Und ich wünsche mir, dass Island hier endlich handelt und sich nicht jeden Dideldadeltouristen an Land zieht wegen des Geldes. Im gleichen Atemzug möchte ich den Film „Gegen den Strom“ (https://www.gegen-den-strom-film.de) empfehlen, der auf typisch isländisch humoresk sarkastische Art aufzeigt, dass Islands Wirtschaftspolitik nicht nur im Tourismus äußerst zweifelhaft ist, sondern man sehr kritisch auf die Floskeln von „grüner Energie“ schauen sollte – wo u.a. Aluminium aus Australien auf die Insel transportiert wird, um es in einer der vielen Aluminiumhütten zu bearbeiten. Eingriffe in Form von Staudämmen oder riesigen Bohrungen quer durch Berge des Hochlands zeigen ein anderes, äußerst hässliches Gesicht der Insel. Mich wundert, wie viele sogenannte Islandliebhaber für all das wenig Interesse aufbringen. Soviel zu Island.

Fuji mit Tele und 16mm Zwischenring

Die Reisen 2018 führten im Mai nach Norwegen, im September nach Ligurieren und Ende Oktober in Heimaterde in die Sächsische Schweiz. Kurz gefasst, Norwegen ist auf der Liste von den Top 5 abgefallen nach „irgendwann mal wieder“ – ähnlich wie auf Irland fehlte mir da die Bindung – vieles war nett, vieles sehr schön aber all zu vieles nervtötend: Wohnmobile, deutsche Wohnmobile, Sport – und Skigebiete, „Wikingerferienhäuser“ und erwähnte ich schon Wohnmobile? Zwischen Kristiansand und Bergen habe ich mich nur selten richtig wohlgefühlt. Schade, denn die Natur ist ja immer wieder beeindruckend. Ligurien war nun das Gegenteil davon – mitten in Südeuropa unweit der Mittelmeerküste – gibt es fast keinen Tourismus. Klar, da ich Herrn F. R. nun schon so lang kenne, war das nicht so überraschend aber obendrein war es landschaftlich äußerst attraktiv und entgegen meines We drive North – Fetisch ist nun der Süden um Längen attraktiver als gedacht. Die Pläne sind zumindest schon in den Topf geworfen … Sächsische Schweiz ist immer schön, es ist wie der letzte Fleck in diesem Land, wo ein Gefühl von Daheim aufkommt – zumindest auf den Schrammsteinen bei starkem Wind und viel Nebel. Nein im Ernst, ich kann es jedem Wanderer, Fotografen und Freund schräger Naturphänomene nur empfehlen. Ligurien und auch die Sächsische Schweiz haben übrigens viel heidnischen Klang, Kultur, Überbleibsel und noch mehr Mystik. Zum Pendeln liegt es nur etwas weit auseinander.

Auf den Schrammsteinen

Pläne für 2018? Viele! Konkret? Gar nichts! Das ist der Stand am zweiten Tag des Jahres 2019. Für den Blog hoffe ich, dass ich ihn doch etwas kontinuierlicher pflege, sicherlich wird es auch dieses Jahr einige Berichte und Tutorials geben. Allerdings möchte ich auch deutlich mehr raus – mal abwarten, wieviel Zeit dann für Online Aktivitäten bleibt.


Wer in diesem Text etwas Klage und Sarkasmus findet, hat übrigens vollkommen richtig gelesen. Dennoch darf man hier und da auch etwas Humor finden. Ich danke meinen Abonnenten für die aufrichtige Anteilnahme und hoffe den/die Einen/Eine weiterhin zum Lesen zu motivieren.

#Daniel Vorkauf #Fujifilm #Reise #Island #Reviev #GoVegan




3 Kommentare

  1. Hallo,
    und ein frohes 2019 wünsche ich!
    Sarkasmus, Humor & super Statement bzgl. X-T2/T3, stehe ich drauf…!
    Da oute ich mich hier mal als jemand, der zukünftig regelmäßiger reinschauen mag. Die T2 besitze ich seit paar Monaten, nachdem ich vorher mit der X-E1 fotographiert habe. Welten..und es macht diebisch Spass. Ich kann auch den Ansatz gbestens nachvollziehen, möglichst oft draußen unterwegs sein zu wollen…komt mir bekannt vor…
    Eine klasse Seite ist das hier in jedem Fall, meinen Respekt & Glückwunsch dazu!
    Herzlich grüßend, Dirk

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    1. Hallo Dirk,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Von der X-E1 ist es auch ein großer Sprung, gab es einen Grund der T2 den Vorrang zur Pro2 zu geben? Eine X-E1 im Messsucherstil upzugraden spricht ja eher für die Pro2 mit Hybridsucher. „Draussen“ ist immer besser als die virtuelle Welt, aber ich freue mich auf gelegentliches positives Feedback. Viele Grüße und viel Erfolg draussen. 😉

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      1. Naja, zugegeben, ich hatte ich für mich beide in der engeren Auswahl, entscheidend war zu guterletzt der Preis. Mit der Markteinführung der X-T3 ist mir für eine neue T2 ein unschlagbares Angebot über den Weg gelaufen, da war die Diskussion beendet. Da ich aber mittelfristig über ein 2. Gehäuse nachdenke, könnte die Pro als Alternative nochmal Thema werden.

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