Review: Samyang 24mm f/2.8 E-Mount

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An meiner A7 nutze ich eigentlich nur „Altglas“ mit Charakter – Kleinbildsensoren harmonieren sehr gut u.a. mit alten Helios und Carl Zeiss Optiken. Aufgrund des Fuji Fuhrparks sind für mich Sony Optiken auch nicht mehr sonderlich interessant (eher wohl die neue Sigma Serie) aber ab und an stolpert man ja über spannende Alternativen.

Anyway, dass ich in diesem Leben noch einmal etwas anderes außer Fuji Equipment rezensiere, hatte ich auch nicht erwartet. Ab und an überraschen diverse Hersteller mit tatsächlich von Erwartungen abweichenden Produkten, so auch im Hause Samyang , welche im Jahr 2017 oder Anfang 2018 mit dem Bau von Autofokus-Objektiven begannen. Bis dahin setzte Samyang durchweg auf manuelle Festbrennweiten, die meist sehr lichtstark ausfielen und für Canon, Nikon, Sony und Fujifilm gebaut wurden. Und nicht wenige Fotografen schätzten das durchaus verführerische Preisleistungsverhältnis – 50mm und 80mm Portraitlinsen mit f/1.4 maximaler Blende, Superweitwinkel von 12mm f/2 (für APS-C Sensoren) und 14mm f/2.8 (Vollformatsensoren) zum Bruchteil des Preises vergleichbarer Objetive renommierter Kamera- und Objektivbauer. Ein Objektivfuhrpark ohne Autofokus – extrem lichtstarke 12mm und 14mm Superweitwinkel Objektive sind ideal für Lowlight – und Nachtaufnahmen – Bedingungen, die in aller Regel nicht mit Autofokus zu bewältigen sind. Im Portraitbereich sind f/1.4 Linsen ebenfalls perfekt für die exake manuelle Scharfstellung. Insofern waren und sind diese Objektive mehr als nur günstige Werkzeuge ohne Autofokus. Sieht man von potentieller Serienstreuung ab – die Entfernungsskala war auch an meinem 12mm f/2 für Fujifilm abstrus – die Unendlichstellung lag nicht auf sondern bereits bei etwa 3 Metern – ansonsten war die optische Leistung aber tadellos von der Mitte bis an die Ränder.

Inzwischen gibt es nun zumindest für den Sony E-Mount diverse Samyang Objektive mit Autofokus – 14mm f/2.8, 24mm f/2.8, 35mm f/2.8 sowie weitaus größere und schwere lichststarke Versionen von 35mm und 50mm mit f/1.4. Das AF 14mm f/2.8 liegt bei etwa 600 Euro und kostet somit etwa 1/3 des Sony FE 16-35 f/2.8 GM bei gleicher Lichtstärke aber 2mm mehr Brennweite dito dem FE 12-24mm f/4 – hier bietet Sony 2mm mehr bei einer Blende weniger Lichtstärke. Jedem sollte klar sein, dass zwischen 12mm 14mm und 16mm Welten liegen am Vollformatsensor und dass es optisch unterhalb der 16mm auch Abstriche gibt, sowohl was die Ausleuchtung/Vignettierung des Bildkreises als auch Verzeichnung/ anbelangt. Obendrein kommen Größe und Gewicht ins Spiel – 2.8 Blende bei Vollformatobjektiven – da ist man schnell wieder in der Nähe von DSLR Kameraobjektiven. Für mich kommt ein 12-24mm Objektiv nicht in Frage (auch das XF 8-16mm f/2.8 von Fujifilm nicht), da Brennweiten unterhalb 16mm von mir nur selten genutzt werden bzw. mir mein XF 10-24 f/4 hier vollkommen ausreicht. Noch immer – ich betone es ja sehr gern – bin ich ein Fan der 24mm Brennweite, insbesondere im Landschaftsbereich. Das Fujinon XF 16-55 f/2.8 nutzte ich meist bei 16mm (=24mm Bildausschnitt entsprechend KB) und das XF 16mm f/1.4 ist noch immer der Inbegriff eines unschlagbar guten Objektivs. Müsste ich mich bis auf 2 von allen Objektiven trennen, blieben das XF 16mm f/1.4 und XF 23mm f/1.4 hier.

Doch nun zum Samyang 24mm f/2.8 (Tiny but wide)

Samyang 24mm f/2.8

Haptik:

So schaut die kleine Plastikbox aus. Von Gewicht kann man nicht wirklich sprechen, mit etwas über 90 Gramm ist es faktisch an der Kamera nicht bemerkbar. Etwa 6,5cm lang und knappe 4cm Durchmesser – das ist ein Rekord für ein vollformattaugliches Weitwinkelobjektiv. Klar, wer hier nun eine Metallfassung erwartet und höchste Stabilitätsnormen, lebt in einer fernen Welt. Samyang hat faktisch alles in Plastik verpackt, was nur aus Plastik sein kann. Im Ergebnis aber hat man hier die Essenz, die fast hosentaschentaugliche Kleinbildfotografie erlaubt. Wetterfest ist natürlich nichts.

20190105_144314                               Fujinon XF 23mm f/1.4 vs Samyang 24mm f/2.8

Da Brennweitenangaben bekanntlich echt sind und nur durch den Crop Faktor verschiedene Bildergebnisse entstehen, sieht man hier schon einen exorbitanten Unterschied – trotz 2 Blenden Unterschied in der Lichtstärke – auch das XF 23mm f/2 fällt trotz kompakterer Bauart im Vergleich zum f/1.4 Pendanten noch immer deutlich größer aus. Auch das Sony FE 28mm f/2 wirkt fast schon riesig.

20190105_143947

Und so schaut es an den Kameras aus: X-T1 + XF 35mm f/2 vs X-T2 + XF 18-55 f/2.8-4 vs Sony A7 + Samyang AF 24mm f/2.8: 3 Kameras, die in einen Rucksack passen – zu DSLR Zeiten undenkbar.

Autofokus:

Schnell und treffsicher. Viel mehr kann ich nicht äußern – Die A7 selbst ist ein Garant für schlechtes Fokussieren, ganz gleich welches Objektiv man nutzt. Ich bin mit dem AF der A7 (erste Generation) ehrlich gesagt nie klar gekommen, ich nutze die Kamera fast nur auf dem Stativ mit Selbstauslöser. Ob die A7 II oder A7 III hier zugelegt haben, kann ich nicht beantworten. Ab f/8 bei schlechterem Licht straucheln Kamera und Objektiv ein wenig – ein Zustand, den auch manches Sony Objektiv nicht besser beherrscht. Insgesamt ist die Leistung aber wirklich gut.

Abbildungsleistung:

Trotz der recht hohen Lichtstärke ist das 24mm Objektiv kein Überflieger, allerdings auch kein Reinfall. Sichtbar ist die Vignettierung, die bei Offenblende bis f/4 recht deutlich ausgeprägt ist. Selbst bei f/8 und f/11 ist sie noch erkennbar, allerdings leicht zu korrigieren. Die Bildschärfe ist im Zentrum bei Offenblende ok, zu den Rändern gibt es erwartungsgemäß einen recht starken Schärfeabfall. Bei f/8 wird meines Erwachtens die beste Leistung erreicht – die Mitte ist sehr gut, die Ränder gewinnen an ausreichend Schärfe. Bei f/11 werden die Ränder besser, dafür wird die Bildmitte nun etwas weicher.
Gegenlicht mag das kleine Stück nicht so sehr, es treten recht unansehnliche Flares auf – allerdings vermute ich auch, dass die Gegenlichtblende einfach zu kurz geraten ist und somit die Streulichtanfälligkeit erhöht wird. Für einen „Sunstar“ ist das Objektiv nicht gemacht, allerdings war dies auch beim 12mm f/2 mit X Bajonett der Fall. Aber das nur für Interessierte, welche Sunstars überhaupt mögen. Ich nicht. Passend dazu 7 Blendenlamellen sagen im Vorfeld schon, dass man vermutlich kein außergewöhnliches Bokeh erwarten braucht. Ich habe hier auch nichts getestet, da ich 24mm Objektive selten für Fotos mit Bokeheffekt nutze. Die Nahstellgrenze liegt bei etwa 25 cm, somit scheidet es für Close Ups ohnehin aus.

Die äußerst kompkate Bauart bringt Probleme mit sich, das sollte man sich immer vor Augen führen. Allerdings wussten mich weder das lahme FE 28-80mm f/3.5-f/5.6 noch das Zeiss FE 24-70 f/4 zu überzeugen – sowohl die Kit Plastiktonne als auch das Zeiss konnten insbesondere an den Rändern überhaupt nicht gefallen. In der Bildmitte sind für mich die Unterschiede zwischen alle 3 Objektiven auf einem ähnlichen Level – verglichen mit dem XF 18-55 f/2.8-4 von Fujifilm aber können weder das Sony, Zeiss noch Samyang mithalten – um mal auf dem „Kit“ Niveau zu bleiben und außerhalb der Tatsache des Formatunterschieds.

Fazit:

Mit dem Samyang AF 24mm f/2.8 erhält man ein sehr günstiges (um die 270 Euro) Weitwinkelobjektiv, dass in Verbindung mit der A7 Reihe das momentan wohl kleinste Vollformatgespann darstellt. Gespart wurde an der Haptik und am Material und leider ist wohl auch die Serienstreuung sehr groß. Allerdings ist das eine Mutmaßung, da man auch einiges Negatives hört und liest. Die Gesamtleistung ist gut – keinesfalls schlechter als bei besagten Sony/Zeiss Objektiven. Alternativ und besser aber teurer ist das FE 28mm f/2 (wer diese Brennweite mag allerdings) oder dann deutlich teurer das 24-70mm f/2.8. Ansonsten ist die Auswahl in diesem Spektrum der Festbrennweiten sehr dünn.

Für den Hobbygebrauch ist es eine lohnende Anschaffung, Keine Größe, kein Gewicht, gute Performance, gute Abbildungsleistung. Ein echtes Immerdrauf ist es allemal – wer Vignettierung nicht unbedingt als Stilmittel einsetzt, sollte ans Abblenden denken aber bei f/8, spätestens f/11 Schluss machen. Eine gewisse Kompromissbereitschaft muss man eingehen, aber dann kann dieser Winzling auch Freude bereiten.

 

 

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