Island: Retrospektive & Reflexion

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Fjaðrárgljúfur
Die Schlucht Fjaðrárgljúfur nahe der Gemeinde Kirkjubæjarklaustur in Südisland. Mai 2015
Wer ein ähnliches Verhältnis zu Island hat wie ich, der versteht nur zu gut, welche Sorgen und zuweilen welcher Frust sich aufbauen, wenn man an die Anzahl von Besuchern denkt und auf die vielen „Geschehnisse“ blickt, die hier und da in lokalen Medien oder in einschlägigen Foren bekannt gegeben werden. Leider bedarf es keiner abstrakten Wahrscheinlichkeitsrechnungen um zu erkennen, dass bei hohen Besucheraufkommen auch die Anzahl an Minusseelen linear mit ansteigt. Und man muss differenzieren, ob man von einer Besucherflut oder Minusseelen oder Besucherflut mit Minusseelen spricht. Leider trifft auf Island letzteres zu, natürlich nicht nur dort sondern auf/in vielen Ländern aber ich möchte mich hier ausschließlich auf das Geschehen auf Island reduzieren – weil es für mich weitaus bedeutungsvoller ist als endlose Menschenmassen am Schloss Neuschwanstein oder den Cliffs of Moher in Irland. Und für manche Leute mag das alles irrelevant sein oder auf wenig Verständnis stoßen. Und trotz des konzentrierten Blicks auf Island ist es auch eine allgemeine Kritik an der globalen Tourismusindustrie, dem Preiskampf bei Flügen, auf Luxuslinern und und und…
Vor 4 oder 5 Jahren diskutierte ich im KEX Hostel in Reykjavík mit einem Isländer, der bei einem der größeren Reiseverbände auf Island arbeitet und einer der Söhne des Inhabers ist. Was zu Beginn eher informativ war und noch eine Art Erfahrungsaustausch darstellte, entpuppte sich zunehmend zu einem erschreckenden Bild, welches der Jungmann zeichnete. Während ich 500000 Besucher pro Jahr bereits als grenzwertig empfand (im Rahmen von Infrastruktur – Straßen, Unterkünfte, Camping/Hütten im Hochland usw.), nannte er 2 – 4 Millionen Besucher(!) durchaus realistisch und für machbar – lediglich die Verteilung dieser Massen müsste besser koordiniert werden – sinngemäß 200000 pro Monat sind in Ordnung nur noch 1,5 Millionen von 2,5 Millionen zwischen Juni und August. Und während ich ihn und Gesinnungsgenossen für weltfremd hielt, wurde ich im Lauf der kommenden Jahre eines Besseren belehrt, denn die Besucherzahl überschritt zumindest die 2 Millionengrenze tatsächlich. Dies führte dahin, dass Touristen in Reykjavik vor Supermärkten übernachteten oder jede andere möglichst überdachte Stelle aufsuchten um witterungsgeschützt zu sein – es gab in Reykjavík keine freien Zimmer oder zumindest bezahlbaren Unterkünfte mehr. Gleichsam findet in der Hauptstadt ein Wandel zu Ungunsten von Mietern statt. Hausbesitzer bieten Wohnflächen nun lieber im AirBnB Stil an statt die Wohnungen an potentielle ansässige Mietinteressenten zu vergeben. So erzeugt man Wohnraummangel, weil schnelles Geld auch auf Island lukrativer ist als weitsichtiges Handeln.
Gleichsam schossen Unternehmen aus dem Boden – man ist erstaunt, wie viele Autoverleiher, Tagesausflugsunternehmen, neue Hotels usw. es gibt. Nicht jedes Unternehmen ist autorisiert – unter anderem boten oder bieten Privatpersonen Führungen in Gletscherhöhlen an – ohne entsprechende Kenntnisse und Befähigungen, was einen riesiges Gefahrenpotential inne hat. Wie dem auch sei, ich war tatsächlich optimistisch, ergo naiv genug, nicht anzunehmen dass Island einen derartig radikalen Wandel vollzieht. Ich behielt zwar Recht, dass die Infrastruktur diesem Irrsinn nicht gewachsen sei, doch das hielt Island nicht davon ab, im großen Maße vom Potential zahlungskräftiger Besucher abzugreifen. Und liest man im Flieger auch nur das Bordheft, so zeigt sich eine weitreichende Verstrickung insbesondere der großen Unternehmen – von Icelandair zum Busunternehmen Reykjavík Excursions usw. usw. Die neuesten Trends sind Stopover Angebote – von Europa nach Amerika mit 1 bis 2 Tagen Aufenthalt auf Island: Landen, ein Bad in der Bláa Lónið (Blauen Lagune) und weiter nach Amerika oder Landen, ein Ausflug in den sog. Goldenen Zirkel (Þingvellir – Strokkur – Gullfoss) und weiter nach Amerika. Dazu kommen Angebote wie ein Wochenende in 101 Reykjavík`s Partymeile zu saufen und wieder heimzufliegen oder mit einem Super Jeep bzw. Super LKW zum Langjökullgletscher zu fahren um die Menschen für Naturgewalt und Klimawandel zu „sensibilisieren“ – gemäß dem Motto fliegt nochmal schnell zum Gletscher ehe er abgeschmolzen ist. Klasse. Lippenbekenntnisse wie von Icelandair, ihren Anteil zum Umweltschutz zu tragen, ringen mir nicht einmal ein Gähnen ab.
Lakagígar
Die Laki Krater (Lakagígar) im südlichen Hochland im September 2012, ein ungemein beeindruckender und wilder Ort
Letzte Woche ließ ich mir sagen, dass es seit jüngster Zeit „schick ist nach Island zu fahren“ – ich habe wirklich keine Ahnung, inwiefern „schick“ und ein Landesbesuch in einem Atemzug genannt werden können. Aber ich habe mir unfreiwillig ein Bild machen können, was darunter zu verstehen ist – es ist eines von vielen Erlebnissen dieser Art aber besonders markant:
Am Geysir Strokkur, gegen9 Uhr früh, vergleichsweise wenige Besucher. Geschätzt etwa 50 Menschen. Ich staune am Parkplatz über ein Paar mittleren Alters, die Frau steigt aus dem PKW und richtet ihr Handy auf der Selfiestange aus. Und während sie das tut, legt sie eine herrliche Blutgrätsche hin – vor lauter Gaffen in die Frontkamera fielen ihr die Jahreszeit und die Bodenverhältnisse nicht auf. Etwa 30 Minuten später, ich hocke am Strokkur und schiele mit 10mm Brennweite auf den Geysir. Und frage mich, warum ich mir diesen Ort antue – ok er lag einfach auf dem Weg und es war früh. Die Antwort kam dann: Während ich geduldig warte und die Kamera immer wieder neu ausrichte, beginnt ein junges Paar hinter mir zu meckern. Deutsche. Ich gehe automatisch in den totalen Schweigemodus über, man will nicht als „Landsmann“ erkannt werden. Sie in Sneakern und Sneakersocken, dazu hautenge Jeans und eine Jacke mit Echt- oder Kunstfell (beides erweckt in mir Brechreize) „Man eh, mir frieren die Füße ab, ich denke der spuckt alle paar Minuten…“ Er: „Von mir machst Du dann aber auch ein Foto…“ – Nun hoffe ich auch dass bald die Fontäne kommt, idealerweise quer und diesen Subjekten direkt in die Schnute. Kaum ist die Fontäne vorbei, ergreife ich fast fluchtartig den Rückweg: Aha, es ist schick nach Island zu reisen. Zugegeben, diese Sorte von Weltenbummlern gehört nirgendwo hin, vielleicht in Frankfurt auf die Zeil oder nach Berlin an den Reichstag aber sonst nirgendwo.
Hekla
Unweit des Vulkans Hekla, gesehen von einem Helikopter – September 2016.
Um keine Missverständnisse hervorzurufen, es geht mir nicht um Besucher auf Island, auch nicht darum dass es im Lauf der letzten 20 Jahre deutliche Zuwächse gab. Im Jahr 1993 oder 1994 gab es erstmals mehr Besucher als Einwohner auf der Insel. Heute kommen auf einen Isländer etwa 7 oder 8 Besucher. Noch anders formuliert, in Deutschland würden etwa 600 Millionen Besucher pro Jahr auf 80 Millionen Einwohner kommen. Da manchem Zeitgeist bei 1,5 Millionen Flüchtlingen in den Jahren 2015/2016 schon Angst und Bange wurde, spricht die Zahl für sich. Und mir geht es einzige um die isländische Tourismus Industrie und einen nicht unbeträchtlichen Teil von Menschen, denen es an Respekt und ehrlichem Interesse an Island geht.
„Instagramismus“ – die Banalität des Besonderen (Titel von der Netzpolitik): ich glaube es gibt keine dämlichere Plattform, auf welcher sich sogenannte Influenzer und Menschen mit derben Selbstdarstellungsfetisch inszenieren. Mit Hilfe von Miniaturfotos und jeder Menge Hashtagwahn wird um Follower und Likes gewettert. Dahinter stehen Werbestrategien von Unternehmen und besagte Selbstdarstellungssucht – alles ohne Tiefgang oder Inhalt. Der Schein zählt. Und dieses Phänomen zeigt sich auch bei vielen isländischen Besuchern – Turnschuhe, Handy, Selfiestange und Posing. Wo man ist und warum man dort ist, spielt keine Rolle, es geht um Schein, um Anerkennung und im Zweifelsfall um Geld. Pseudoindividualismus wird bis zum Erbrechen zelebriert und die Belanglosigkeit ins Bedeutungsvolle erhoben. Für die Mehrheit finden dann „Shootings“ mit dem Handy im Herzen 101 Reykjavík statt oder im besagten „Goldenen Zirkel“ – Posen, merkwürdige Armbewegungen, Grinsen und hier oder da ein Live Video nach dem Motto: „Hi Fans, ich bin auf Island und ich weiß zwar nicht wo Island ist und warum ich friere aber es ist so genial, der Wasserfall in Kombination mit meinen neuen Sneakers macht echt etwas … blablabla“ Und bei den Göttern, Generation Doof ist kein Mythos, das ist Realität.
Þórsmörk
Þórsmörk im Mai 2017
„Jedermannsrecht“ mal anders: Man staunt nicht wenig, zu welchem Verhalten Touristen fähig sind: Letzten Sommer töten Touristen ein Schaf und essen es. Im selben Sommer setzt ein Besucher seine Exkremente unter den Briefkasten eines Bauernhofes. Zufällig fotografiert der Besitzer die Szene und macht sie publik. Mir wäre hier der Einsatz von einer Schrotflinte lieber gewesen. Im Jahr 2017 begibt sich eine ganze Gruppen von Minderbemittelten auf Eisschollen an der Gletscherlagune Jökulsárlón. Nachdem man sich gegenseitig via Fotografie die Schwachsinnigkeit bescheinigt hat, stellt man fest, dass man nicht mehr von allein auf das Festland kommt. Eine große Rettungsaktion muss losgetreten werden. Mir wäre lieber gewesen, man hätte die Gruppe da gelassen, wo sie stand. Gleich was passiert, es wäre gut gewesen: Der Eisberg kippt, der Eisberg bleibt noch 2 Jahre an Ort und Stelle oder der Eisberg treibt in den offenen Ozean. Eine Rettungsaktion brachte auch die Retter in Gefahr – Eisberge stellen immer ein nicht kalkulierbares Risiko dar. Im selben Jahr stoßen 2 PKWs auf einer der berühmten isländischen einspurigen Brücken zusammen. Die Geschwindigkeit des Unfallverursachers wurde auf 160 km/h geschätzt. Beide Fahrer überlebten den Zusammenstoß nicht. Abgesehen davon, dass man auf Island in aller Regel mit 60 – 90 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften fahren darf, gehört schon ein komplexes Zusammenspiel aus Idiotie, Ignoranz, Schwachsinn und Selbstüberschätzung dazu. Traurig ist der Tod des anderen Fahrers, der auf einer solchen Brücke nicht den Hauch einer Chance hatte diesen Zusammenprall zu verhindern. Befremdlich fand ich den isländischen Artikel, der das Ganze mehr oder minder als Tragödie bezeichnete – tragisch war, dass ein Unbeteiligter sein Leben verlor. Der Verursacher handelte grob fahrlässig und kriminell. „Jedermannsrecht“ ist auch, sich an der Küste von Reynisfjara bei stürmischen Bedingungen für ein paar Fotos zu dicht an der Küste stehen. Welchen Teil der Warnung „Lebensgefahr“ man nicht versteht, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es ist erstaunlich, wie wenig sich Menschen um ihre eigene Sicherheit bemühen und auf ihr Recht auf Freiheit pochen – sonderbarerweise aber dann Hilfe erwarten, wenn man erkennt, dass das Ausleben der vermeintlichen Freiheit tödlich enden kann. Auch hier verwundert mich das beinahe schon mitleidige Wesen mancher Medienberichte, als würde es sich um Opfer handeln. Nein, niemand wird gezwungen, ohne Kenntnisse und Befugnisse Grenzen zu überschreiten. „Jedermannsrecht“ ist es in mancher Zeitgenossen Augen auch, mit Fahrzeugen abseits erlaubter Straßen und Pisten zu fahren und nebst dem Risiko zu verunglücken massive Schäden an der Natur zu verursachen. Allradfahrzeug ist nicht gleich Allradfahrzeug und keines ersetzt fehlende Fahrkenntnisse noch erschaffen „Fourwheeler“ rechtsfreie Räume. Island ist anders – wer sich halbwegs mit Klima, Vegetation und Bodenbeschaffenheit beschäftigt, der handelt offenen Auges und Verstandes. Windstill ist auf Island eher selten, aber selbst wenn es nur Brisen gibt, sind in Berg- und Gletscheregionen immer Windschneisen, wo plötzlich nicht 7 oder 10m/s auftreten sondern 20m/s oder mehr – bestenfalls wird nur eine Tür vom Karren gerissen wenn man aussteigt und nicht darauf achtet, im schlimmsten Fall verliert der Fahrer die Kontrolle. Der eine oder andere sollte m/s auch einmal in km/h umrechnen: 20m/s Sekunde entsprechen bereits über 70 km/h, diese genügen bereits punktuell ein Auto von der Straße zu drücken wenn der Fahrer nicht vorbereitet ist. Übrigens, so lang Isländer nicht über das Wetter schimpfen, ist alles in Ordnung, auch wenn mitteleuropäisch stürmisches Wetter dort als Normalität gilt. In dem Moment, wo Isländer schimpfen oder der Wetterdienst Warnungen ausgibt, sollte man die Sache ernst nehmen. Im Oktober 2017 gab es zweimal binnen 10 Tagen die Warnstufe rot: Das erste Unwetter wütete mit knapp 150 km/h auf der Halbinsel Snæfellsnes. Wenige Tage später wurden 140 km/h bis zum 240 km/h (!) erreicht, ich bestaunte die Scheibe in der Unterkunft, die tatsächlich den Eindruck machte, als ob sie nach innen nachgibt. Ein vollständiger Stromausfall von Grindavík über Keflavík bis nach Vík í Mýrdal zeigte dann deutlich, welches Kaliber da von Westen aus bis in die Ostfjorde wütete. Im Mai 2016 ging ein Hurricane zwischen Hella und Vík durch, während ich in der Þórsmörk verweilte. Es war schon witzig, wie viele Besucher irgendwo in Turnhallen notstrandeten, weil sie erfolgreich jede Wetterwarnung übersahen oder sich entgegen vielfach nachzulesender Ratschläge nicht mit dem Wetterdienst beschäftigten. Und mir ist das Schicksal solcher Leute auch reichlich egal, wenn man nicht wüsste, dass Rettungsdienste für solche Pappnasen ihre eigene Gesundheit gefährden. Obendrein drohen mehr und mehr „Sanktionen“ im Sinne von Absperrungen und Verboten, weil eine nicht unerhebliche Zahl von Touristen Freiheit von Dummheit nicht unterscheiden kann.
Die Tourismusindustrie – sie stellt meines Erachtens die andere Seite der schlechten Medaille dar: Wie man weiß, stand Island im Jahr 2008 kurz vorm Staatsbankrott. Spekulationen, Leben auf Pump – es war nicht anders wie in anderen westlichen Ländern. Und während man positiverweise nicht von alternativlosen Rettungsplänen palaverte sondern die 3 größten Privatbanken in die Pleite wandern ließ (wie Marktwirtschaft ja eigentlich funktionieren soll – wer nichts taugt, der geht), andere Banken privatisierte und das Volk die damalige Regierung komplett aus dem Amt schmiss, suchte man nach Wegen, wieder Geld ins Land zu holen: Und da erkannte man das scheinbar unermessliche Potential Islands, was die Landschaft und Natur anbelangt. Da ich seit September 2009 Island regelmäßig bereise, kann ich also sehr gut bezeugen, wie dieser Wandel vollzogen wurde: Während der Ausbau von Straßen außerhalb des Hochlands nicht nur Touristen sondern auch der heimischen Bevölkerung zu Gute kam (insbesondere in den Westfjorden), entstanden gleichzeitig Orte, wo man zu Schnappatmung neigt. Vor dem Skógafoss z. B. plante oder plant man ein Besucherzentrum, welches die freie Sicht auf den Wasserfall verhindert. Hotels, Motels und Gästehäuser entstehen fast wie Sand am Meer. In Reykjavík wurde unlängst ein Hotel aus dem Boden gestampft, dass nicht ins Stadtbild passt aber wohl 100erte Besucher aufnehmen kann. An vielen Wasserfällen und Klippen werde Zäune, Terrassen und Absperrungen installiert, weil wahlberechtigte erwachsene Menschen scheinbar unfähig sind sich von Absturzkanten ausreichend weit fern zu halten. Demnächst wird es dann auch Erwachsenenkrabbelgruppen geben und kunterbunte Anbindeseile für hoffnungslose Blindgänger. Witzig ist, dass man insbesondere in den weit entfernten Gegenden immer wieder von „der Mafia“ aus der Hauptstadt hört – besagte Industrie und Unternehmen, die in den Händen weniger liegt.
Landmannalaugar
Im Herzen von Landmannalaugar, südliches Hochland im September 2012
Glücklicherweise findet man nichtsdestotrotz unzählige Orte auf Island, wo man von diesem ganzen Wahnsinn wenig mitbekommt. Sowohl in den Westfjorden als auch im Osten und Nordosten ist die isländische Welt noch intakt. Demnach müssen sich Islandbegeisterte hier und da umorientieren und sollten einzelne Plätze oder Gegenden meiden oder aber gegen geläufige Besucherzeiten reisen. Für völlig falsch halte ich eine komplette Abkehr von der Insel um („gefühlt“) dem grenzenlosen Irrsinn Platz zu machen. Und wer sagt, dass die Welt auch andere spannende Länder und Landstriche hat, behält natürlich Recht. Allerdings verstehen wohl auch nur restlos Islandvernarrte, dass es nicht für alles „gleichwertigen Ersatz“ gibt. Und ich hatte nun 3 Reisen Zeit mit einem Jahr Pause um selber einen Weg aus diesem Zwiespalt zu finden. Da im Rahmen von mehr Ökologie das Fliegen eh stärker beschnitten werden soll, erübrigt sich die Frage ob es weiterhin 3 oder 4 mal in den fernen Norden geht.
Ich hoffe, dass es irgendwann aufhört „schick zu sein“ hier und dahin zu reisen um irgendwelche Accounts mit belanglosem Müll zu füttern. Dass die Besucherzahl auf Island massive Einbrüche erlebt, wage ich zu bezweifeln. Aber hier könnte man unzählige andere Länder ebenfalls aufzählen. Und für Fotobegeisterte – es lohnt sich selten, viel Geld für Fototouren auszugeben. Fotografieren kann man allein lernen und selbst abgelegene Gebiete sind mit Hilfe lokaler Profis erreichbar. Fototouren mit Stars kosten ein Vielfaches dessen, was die Sache wert ist. Und Dinge / Orte, die man selber entdeckt, sind und bleiben die spannenden Motive. Vorab informieren und selbstkritisch einschätzen, wozu man fähig ist und wovon man bester die Hände oder Füße lässt, gehören ebenfalls dazu, unabhängig ob mit oder ohne Kamera.
Aurora Borealis
Polarlichter über Laugar im Januar 2015, die von links orangen Wolken stammen nicht etwas von einer Ortschaft von der damls noch aktiven Holuhraun Eruption in etwa 100 Kilometer Entfernung.
#Daniel Vorkauf #Island #Iceland #Travel #Kritik

2 Replies to “Island: Retrospektive & Reflexion”

  1. Selfiestange: Die ersten drei Tage in Island war ich genau aus diesem Grunde geschockt. Ich dachte tatsächlich meinen Urlaub in der Wildnis zu verbringen und auf einmal gab es überall Selfie-Wahn. Dies in einem Ausmaß das alles bisher Gesehene übertraf. Die Frau im Bus neben mir verpasste die wenigen Stunden Tageslicht und die vorbeiziehende Landschaft, weil sie die ganze Zeit lang ein einziges Foto mit Ihrem Gesicht drauf auf ihrem Handy bearbeitete. Der Anblick der Blauen Lagune mit Menschen die mit ihrem Handy durchs Wasser hüpften, weil sie mit einer Hand nicht schwimmen könnten, war irgendwie erschreckend. Und als ich drüber nachdachte wie unglaublich eigenartig das alles ist, stellte ich fest >> upps, irgendwie ich bin ja ähnlich <<. Die ´´echten´´ Fotografen, die mit den großen Spiegelreflexkameras plus Zubehörkiste, die sehen allerdings auch nicht aus als würden sie die Natur in Island und die Einfachheit des Seins mehr genießen. Die Welt wird mehr und mehr zu einer Inszenierung.

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    1. Hi.

      Mit „Wildnis“ wird viel Werbung gemacht, eben so wie Polarlichter als tagtägliche Erscheinung beworben werden. Wie überall sind zw. Werbeversprechen und Wirklichkeit arge Diskrepanzen. Und Wildnis erleben zwischen Hotel und Reisebus ist in etwa so geistreich wie vom Wildtierfotografie in einem Zoo ergo Tiergefängnis zu reden. Ich empfinde „Ausflüge in die Wildnis“ tatsächlich als etwas, das man im Alleingang macht und wo man sich hier und da anstrengen muss und mal eigene Grenzen überwinden muss. Das heisst nicht dass man nicht auch mal Dummes tut (Rippen brach ich mir auch schon dort) aber ohne Respekt ist man in der Wildnis eher verloren. Im Bus Sightseeing zu machen ist legitim aber hat mit Wildnis erfahren nichts zu tun. Und wenn es nur um „ich will mich vor xy selber ablichten“ geht, dann hat das Nullwert. Tun das sehr viele, ist das schädlich. Und wer glaubt ein Allradfahrzeug kann alles oder man selbst erklimmt nun einen Krater, weil man mit der Seilbahn mal auf die Zugspitze gefahren ist, dann verkennt man die eigenen Fähigkeiten und Gefahren. Ein Dilemma.

      Aber es freut mich, dass Du auch solche negativen Dinge wahrgenommen hast. Es zeigt ja, dass auch Andere solche traurigen Begebenheiten sehen.

      Viele Grüße 🙂

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