Fujifilm 90 Neo Classic – Revival Instax

thumbnail_20190320_183900

Sofortfilm – Fotografie gehört schon relativ lange nicht mehr zum Alltag, vergessen oder gar unbekannt waren oder sind die Zeiten beginnend mit den Siebzigern, als Polaroid die erste Sofortbildkamera auf den Markt brachte, die für jedermann erschwinglich war.
Mit dem Siegeszug der Digitalfotografie, welcher u.a. den Untergang des Riesen Kodak verursachte (weil dieser den neuen Trend schlichtweg verschlief im Gegensatz zu Fujifilm), gerieten aber nicht nur ASA, 35mm Film, Medium – und Large Format in Vergessenheit, sondern auch viele Facetten der Fotografie selbst: Wer kennt es nicht, ausreichend Speicherplatz auf dem Handy oder der DSLR, macht Fotografie im gewissen Sinne leichtsinnig und bedeutungslos. Bilder löschen, Bilder für alle Ewigkeit auf digitalen Medien konservieren, Bilder in Communities teilen oder in der800% Ansicht den Pixelbrei bestaunen, aus denen ein digitales Bild nun einmal aufbereitet bzw. zusammengesetzt wird. Früher hatte man in aller Regel Filmrollen dabei, meist bestand eine Rolle aus 30 bis 36 Bildern. Jeder Film kostete Geld und man überlegte sich genau, welcher Moment denn nun einen Schnappschuss wert ist. Und hatte man den Film voll, standen in aller Regel die Kosten für die Filmentwicklung an. Anders – analoge Fotografie war immer recht teuer, Sofortfilmfotografie noch teurer – schließlich hatte man einen Film in der Kamera, dessen chemische Zutaten eine Live- Entwicklung zur Folge hatten – binnen weniger Sekunden oder Minuten hielt man physisch das in der Hand, wofür man kurz zuvor noch den Auslöseknopf gedrückt hatte.

thumbnail_20190320_183847

Und nun sind sie seit einigen Jahren wieder da: Sofortbildkameras. Man hat sogar eine kleine Auswahl, neben Fujifilm (mit dem breitesten Angebot) bauen auch Polaroid und Leica oder Lomografie wieder analoge Instax- Geräte. Bereits seit einigen Jahren angetan davon, brauchte es die Photokina 2018 bei mir, um mir eine solches Gerät zuzulegen. Und weil ich weder bereit bin, für eine solche Kamera 300 Euro auszugeben, fielen Leica und auch Lomografie direkt aus der engeren Auswahl – zweitere sind einerseits sehr teuer oder aber die Qualität lässt schwer zu wünschen übrig. Es ist selbsterklärend, dass ich mich zwischen Fujifilm und Polaroid natürlich für Fuji entschied – breites Angebot – von Kameras mit quadratischem Bildausdruck über ein Wide Format hin zum 62x42mm Filmformat, welches auch in meinem Modell steckt:

FUJIFILM INSTAX 90 NEO CLASSIC

Knapp 300 Gramm schwer ohne Akku, etwa so hoch wie breit (9x11x5cm), retrolastig mit etwas viel Plastik aber doch hübsch anzuschauen. Verbaut ist ein Sucher mit 0,37facher Vergrößerung im Rangefinder Stil. Bei der Optik handelt es sich um eine 60mm Festbrennweite mit der Blende f/12.7 (Makromodus f/22).
Hier handelt es sich faktisch also um eine Mittelformatkamera, umgerechnet auf Kleindbild hat man etwa eine Brennweite von 35mm. Die Blende lässt sich mit Hilfe des integrierten Blitzes relativieren, abgesehen vom Bulb Modus erlaubt die automatische Belichtungsmessung Verschlusszeiten zwischen 1/8 Sekunde bis 1/400 Sekunde. Der ISO Wert ist 800. Ab 60 cm ist alles scharf, abgesehen vom Makromodus, hier gibt Fuji 30cm Nahstellgrenze an. Die Kamera bietet einige Einstellungsmöglichkeiten, unter anderem kann man die Helligkeit um 2 Lichtwerte erhöhen, es gibt Szenenprogramme, die Bulb Funktion und die Möglichkeit einer Doppelbelichtung. Wunder sollte man sich keine erhoffen, diese Kamera kann in keinem Punkt mit einem Handy, geschweige einer DSLM oder DSLR mithalten. Das hier ist analoge Fotografie, nichts erinnert an moderne Kameraeigenschaften und technische Möglichkeiten. Und genau darin liegt der Reiz:

thumbnail_IMG-20190320-WA0000

10 Filme pro Kassette heißen zwischen 86 Cent bis etwa 1,04 Euro pro Bild. Das ist ein eher teurer Spass. Es gibt keine Löschfunktion, keine Rückgängigmachen- und keine Speicherfunktion um ein Bild nachzubearbeiten. In dem Moment, wo man den Auslöser drückt, knarzt der Motor und nach Oben oder zur Linken erscheint das Foto. Und nach 10 Bildern hat man 10 Euro verschossen, völlig gleich, was auf dem Film nun zu sehen ist. Man überlegt also zwangsweise 2 oder 3 mal, ob ein Moment ein Foto wert ist oder nicht – das Zelebrieren des Augenblicks – Bild ja oder Bild nein. Mehr gibt es nicht. Obendrein ist das Bild gerade einmal so groß wie eine Kreditkarte – vergesst also alles, was mit 4,12, 24 oder 36 Megapixeln möglich ist. Inwiefern man solche Aufnahmen via Makroobjektiv oder Scanner vergrößern kann, werde ich zu geeigneter Stunde ausprobieren – allerdings liegt es mir fern, solche Bilder ernsthaft auf den Bildschirm zaubern zu wollen. Diese Fotos wollen in ein Mini Fotoalbum oder an der Wand kleben oder oder oder – und vor allem will man sich des Looks erfreuen – Fuji Farblook oder von mir bevorzugt der Schwarzweiss Look – oder wie ein kleines Kind begeistert zuschauen, wie das Bild aus der weißen Oberfläche des Films auftaucht. Es ist tatsächlich auch eine gewisse Gegenkultur zur Pixelwahn und Technikpalaver, dem ich ja auch gern einmal verfalle.

thumbnail_20190320_183830

Und so schauen die ersten 3 Probebilder aus. Querformat – geht zwar, aber eigentlich ist die Kamera für Hochformataufnahmen gedacht. Erstens liegen die Tasten dementsprechend, zweitens kommt dann das Foto oben heraus und Drittens muss ich noch erfinden. Praktischerweise hat die Instax 90 2 Auslöseknöpfe (ganz ohne Batteriefuss) und auch einen Stativanschluss, wenn man konzentriert knipsen will oder langzeitbelichten.
… Und nein, ich bin kein Hipster und werde kein Hipster und finde, Hipster sollten überhaupt nie Fotos von sich oder gleichaussehenden anderen Hipstern machen. Für alle anderen ist das eine tolle Sache und ein anderer Weg, Fotografie zu erkunden, zu entdecken und zu erleben. Man darf diese Fotografie nicht mit all den digitalen Möglichkeiten vergleichen, es ist eine andere Ästhetik und ein anderer Verstehen von Momentaufnahmen.
#fujifilm #instax #analog #review #fotografie #daniel vorkauf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s