Grave Land – Irland 2016

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Merkwürdig, ich kann den meisten Reisen rückblickend immer etwas positives abgewinnen, selbst wenn bestimmte Ziele oder Wünsche nicht erfüllt wurden. Einzig meine erste und bis dato einzige Reise nach Irland fällt aus diesem Rahmen. In meinen Erinnerungen ist diese 8tätige Reise ein Sammelbecken aus Stress, Strapazen und Nervenüberlastung. Daher hat es bis zum heutige Tage auch noch keinen Platz in meinem Blog gefunden, was ich jetzt aber ganz schnell nachholen möchte.
Die Liste der No- Go Dinge ist recht lang – Ryan Air, Autovermietung, Hotspots und vor allem Touristenströme, die ich so nicht kannte – wohlgemerkt im Mai. Ryan Air missfällt mir wegen der aggressiven Politik, dem unterirdisch gelebten Billigflieger Image und weil ich gleich beim Hinflug meine Akkuladekabel habe liegen lassen – eine Mischung aus aderlasshaftigem Nervenflattern und persönlichen Wahrnehmungsschwankungen. Völlig egal, am Flughafen in Dublin dauerte es über 2 Stunden bis ich den Leihwagen erhielt, spätestens hier war klar, dass diese Reise von Beginn an zum Scheitern verurteilt sein musste.
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Über die Autobahn ging es dann irgendwann nach Westen mit dem Anlaufpunkt Cliffs of Moher. Wie zu erwarten sind die Cliffs so gewaltig wie die Enttäuschung über den Um- und Ausbau der gesamten Anlage – Absperrungen an den Klippen braucht kein Mensch und Leute die Absperrungen brauchen, braucht auch keiner. Irgendwie fabulierte ich ständig mit mir selbst ob das, was ich in Irland sah auch die Zukunft Islands sein würde – Zäune, Mauern, Begrenzungen sind nicht nur für den Fotografen etwas grässliches. Geistreicherweise erreichte ich die Cliffs gegen 7 Uhr morgens und verließ sie gegen 10 – im Kampf gegen gefühlte 1000 Busse und noch mehr Menschen in PKWs.

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Von Doolin ging es dann Richtung Connemara – quasi die Vorzeigeecke Irlands – in Sachen Kitsch ist man auf Irland ja schnell genervt, überhaupt diese Mischung aus Niedlichkeit, Kleinheit (Kleinheit??) und jeder QM ist verbaut – selbst die schroffen Küstenlinien wirkten zu oft durch Menschenhand beeinflusst – und seien es die unzähligen Wege und Schilder. Das mag kleinlich klingen aber dergleichen kannte ich nicht und es war ein riesiger Stressfaktor. Obendrein verfranzte ich mich in der Connemara auch noch richtig und sah irgendwann nur noch gällische Schilder. Mein GPS versagte ebenfalls den Dienst oder mein dünnes Nervenkostüm hatte mich bereits in die feinstoffliche Ebene diverser Selbstauflösungsphantasien gedrängt. Höhepunkt an dem Tag waren 2 Wohnmobile, denen ich satte 60 Minuten hinterher schlich – keiner der beiden Helden (obendrein Deutsche) kam auf die Idee, irgendwo Platz zu machen. Wer irische Landstraßen kennt, weiß, dass auch spontane Überholmanöver fast unmöglich sind.
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Das Wetter war gewohnt irisch, leider aber nicht in dem Maße wie ich es mir erhoffte – viel blauer Himmel und Sonnenschein ausgerechnet an den alten Ruinen und Grabanlagen, irgendjemand oder irgendetwas wollte mich dort keinen Frieden finden lassen und ich sinnierte bereits darüber die 8 Tage noch zu verkürzen.
Auf dem Rückweg ging es in die Wicklow Mountains, die Nähe zu Dublin verriet mir, die Erwartungen nochmals massiv zu senken aber hier wurde ich eines besseren belehrt. Abgesehen von Glendalough konnte man dort tatsächlich allein sein. Ich lief den weiß markierten Trail um die Bergseen, was sehr schöne Ausblicke brachte und endlich auch einmal so etwas wie ein Gefühl des Ankommens. Mit dem Auto gin es dann noch tiefer in das kleine Gebirge mit einigen schönen Punkten, die weniger das Kameraauge als viel mehr die eigenen Augen ansprachen.

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Zumindest die Abgabe des Autos und der Rückflug erwiesen sich als weniger stressbeladen, vielleicht war es aber auch der inneren Ausgeglichenheit geschuldet, dass die Woche überstanden war. Und wirklich, ich möchte nichts negatives an Irland kleben lassen – letztendlich war es zu viel Sightseeing in Tagen, zu viel Strecke und vermutlich auch zu kurzfristig geplant, dorthin zu fliegen. Sicherlich gibt es auch schöne Orte und sogar Orte, wo nicht Menschenmassen alles Schöne zunichte machen, aber Irland ist auf der To Do Liste arg weit nach hinten geraten.

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Fotografiert habe ich damals mit der T1 und dem XF 16-55 f/2.8 und XF 14mm f/2.8 – die hier gezeigten Bilder habe ich bewusst in Schwarzweiss entwickelt, da es der Stimmung in – und um mich sehr nahe kommt.

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Der Bildlook ist bewusst mit einem Abschneiden der schwarzen und weißen Tonstufen erzielt worden – die Bildstimmung wird massiv gedämpft, mystischer und sicherlich auch etwas retrolastig. Gerade bei den Ruinen und Grauwetteraufnahmen ergibt sich so ein ganz andere Gefühl als wenn man in Farbe oder normalem Schwarzweisslook arbeitet. Demnächst werde ich diese Bearbeitung einmal ausführlicher zeigen.

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Large Format Kamera
Höhepunkt in den Wicklow Mountains – ein Amerikaner mit 20 Fotoplatten und dieser klassischen Kamera!
Powerscourt
Powerscourt Wasserfall / Wicklow Mountains
Wenn Irland wieder auf dem Plan steht, wird es entweder in den Südwesten gehen oder hoch in den Norden – obendrein empfahl mir ein Nord-Ire, dass Nord-Irland eh schöner sei – mir lag schon ein IRA auf der Zunge aber gut, das ist ein anderes Thema.
#Daniel Vorkauf #Fujifilm #Irland #Reisen #Fotografie

2 Kommentare

  1. Rund um den golden Circle und mindestens bis nach Vik haben vielerorts Absperrungen etc bereits Einzug gehalten. Was hässlich aussieht und die Idioten unter den Touristen leider auch nicht fernhält.

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    1. Ich weiss, meide zwar gern bei den Reisen besagte Spots aber das ändert ja nichts am grundsätzlichen Trend. Der „Golden Circle“ ist schon seit vielen Jahren ein bisschen derbe Horrorvorstellung. 😉

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